Katja Kessler, lange Jahre die Klatschreporterin der BILD-Zeitung ist im wahren Leben eigentlich Zahnärztin. 2007 veröffentlichte sie mit "Herztöne" ihren ersten eigenen Roman, der es auch als Hörbuch in die Regale schaffte und als "erfundener Tatsachenroman" der Leserschaft angepriesen wird. In der Comedy-Reihe des Audio Media Verlages ist der Societyroman nun als Hörbuchneuauflage erschienen.
Die bunte Welt der Schönen, Reichen und Berühmten war lange Jahre die Arbeitsplatz der Societyexpertin Katja Kessler. Sie gehörte zur Bussi-Bussi-Gesellschaft und schrieb in zahlreichen Kolumnen über die neuesten Skandale und Romanzen von Becker, Bohlen und Co. Was liegt da näher, das erlebte in einem seichten Roman zu verarbeiten? Eine fiktive, attraktive Hauptdarstellerin, die sich in der bunten Glitzerwelt herumschlagen muss. Lissie ist Ende 20 und arbeitet als Schwangerschaftsvertretung bei einem Zeitschriftenverlag. Bei einer dieser teuren Partys eines Möchtegern-Starlets lernt sie ihren Traummann kennen. Noch am selben Abend landen die beiden in der Kiste. Es ist die große Liebe - jedenfalls für Lissie. Doch dann ist Mr. Right auch schon wieder aus ihrem Leben verschwunden und der Herzschmerz groß. Damit endet die Geschichte natürlich nicht, denn zwangsweise kreuzen sich die Wege der beiden erneut und die Ereignisse überschlagen sich bis nach gut vier Stunden Spielzeit dann doch noch alles Gut wird.
Ein großer Wurf und ein literarisches Meisterwerk ist "Herztöne" auf keinen Fall. Der voll und ganz auf die Zielgruppe Frau ausgerichtete Roman übertreibt in allen Dingen maßlos und die Dialoge sind flapsig. Diesen Umstand unterstützt Vollweib Barbara Schöneberger, die hier als Sprecherin ihren Auftritt hat, noch wo sie kann. Sie fegt durch den Text wie ein Wirbelsturm - und das von Minute eins an ohne Verschnaufpause. Als Hörer hat man da Müh und Not, Schritt zu halten. Namen und Ähnliches prägen sich bei dieser Geschwindigkeit anfänglich nur schwer ein. Und auch sonst ist das Hören der ersten CD mehr anstrengend als unterhaltend. Ein bisschen weniger wäre hier mehr gewesen. Das gilt für den Inhalt genauso wie für Frau Schönebergers Interpretation des Textes.
Was mich am meisten enttäuscht und zugleich verwundert hat, ist allerdings etwas ganz anderes. Nämlich das Ende der quirligen Liebesgeschichte. Die Geschichte endet so abrupt, dass ich mich verwirrt dabei ertappt habe, noch mal in der Hörbuchverpackung nachzusehen, ob ich nicht doch eine CD übersehen habe. Doch nein! Die Geschichte endet nach CD Nummer 4 mit einem wirklich abgehackten Ende, welches der Geschichte nicht gerecht wird. Trotzdem muss ich gestehen, dass mich "Herztöne" gut unterhalten hat, sieht man einmal von der Interpretation von Barbara Schöneberger und dem miesen Ende ab. Wer an simplen Frauengeschichten mit Herzschmerz aller "Shopaholic" seine Freude hat, wird auch am "erfundenen Tatsachenroman" von Katja Kessler seine Freude haben.