John Griesemer erzählt in Herzschlag" von einer erstaunlichen Chance, in der das Leben anhält, damit wir es wieder neu zusammenbauen müssen.
In seinem neuen Roman zeigt sich John Griesemer nicht nur als faszinierter, sondern auch feinsinniger Erzähler. Alle seine Figuren sind zweifelsohne besonders, komplex, schillernd.
Vor allem die zweiten Zeitebene des Romans hat viel Potential zu bieten. Noah erwacht langsam aus der unfreiwilligen Starre des Anfalls, nimmt sein Leben wieder auf, reflektiert, knüpft an die Vergangenheit an. Der persönliche Schock passiert parallel zu einem historischen. Als Noah aus seinem Koma erwacht, sagt man ihm "wir wurden angegriffen", was er ebenso wenig versteht wie die meisten um ihn herum. Es ist September 2001, die Türme des World Trade Centers bereits eingestürzt, die Stadt ist verändert, alles ist verändert.
So wie auf den Brettern, die die Welt bedeuten, agiert das Romanpersonal, assistiert von einigen Nebenfiguren, in der sicherlich autobiografisch gefärbten Geschichte, die sich im Wesentlichen liest wie eine Liebeserklärung an das Theater. Mal witzig, mal melancholisch berichtet der international bekannte Autor von sympathischen Verlierern, unkonventionellen Menschen und davon, wie schnell das Leben sich verändern, wie abrupt "das Rad des Schicksals" in die Tiefe sausen kann.
Der Stoff ist packend. Gerade am Schluss verdichtet sich die Handlung, es kommt zu dramatischen Szenen, bei denen Griesemer zeigen kann, wie gut er sein Handwerk versteht. Beachtenswert ist auch sein Einfühlungsvermögen in die Situation eines Schlaganfall-Patienten. Schließlich bietet der Roman noch einiges an Zeitkolorit - von den 50er Jahren bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts.
Griesemers Ton ist so mitreißend leicht, dass man es sich in dieser Geschichte gleich gemütlich machen kann