Knut Sroka hat schon vor Jahren Aufmerksamkeit erregt mit einem wissenschaftlichen Werk zur Herzinfarkt-Entstehung, der Dialektik des Herzinfarkts. Dieses Buch war allerdings so tiefschürfend und wissenschaftlich, dass es nur für Insider lesbar war. Einige Kardiologen haben es wohl gelesen, anerkennend genickt - und es in den Bücherschrank gestellt - die Beharrungskräfte des medizinischen Betriebs sind eben doch sehr groß. Auch mögen die Schlussfolgerungen aus den Untersuchungen - dass nämlich andere Therapien wirksamer, aber leider auch billiger ist - mächtigen Interessen zuwider laufen.
Mit dem neuen Buch versucht Sroka etwas, was man sonst nicht oft findet in der medizinischen Literatur: er bringt die relevanten Informationen gut verständlich, so dass jeder Interessierte sie nachvollziehen kann. Gleichzeitig erhält der Leser, der nicht glauben, sondern wissen will, die Möglichkeit, über die zitierten Fundstellen, alle Behauptungen zu überprüfen, alle Untersuchungen nachzulesen.
Außerdem tritt Knut Sroka nicht in der Pose des Wunderheilers auf, der wie Mathias Rath das Blaue vom Himmel verspricht, sondern als klar denkender, nachdenklicher Arzt, der seinen (Kassenarzt-)Beruf immer noch liebt. Er sortiert und analysiert nur das vorhandene Wissen aus zahlreichen Studien, verbindet es und gelangt so zu den richtigen Schlüssen. Da heute so viel von evidenz-basierter Medizin die Rede ist, d.h. einer Medizin, die sich ihrer Entscheidungsgrundlagen besser bewusst wird: hier ist ein Beispiel, wie man sie richtig betreibt.
Worum geht es in dem Buch Herzinfarkt - Neue Wege konkret?
Ausgangspunkt ist die durch Untersuchungen belegte Feststellung, dass es zwar viele Aktivitäten gibt bezüglich der Herzinfarkt-Prophylaxe wie Ballon-Katheter und Cholesterin-Senkung, aber wenige dem entsprechenden Erfolge. Der Grund liegt für Sroka darin, dass die Verengung der Herzkranzgefäße zwar ein Faktor, aber keineswegs der entscheidende Grund für den Herzinfarkt ist. Vielmehr wird die Mehrzahl der Herzanfälle durch eine Blockade des Parasympathikus ausgelöst. Der Parasympathikus ist einerseits verknüpft mit Erholung, Entspannung, Zu-Sich-Kommen, Liebe; auf der Ebene der Moleküle mit dem NO, dem Stickstoffmonoxid, das in den Gefäßwänden gebildet wird und sowohl die Gefäße erweitert als auch die durch den Sympathikus bewirkte Übersäuerung im Bereich des Herzmuskels behebt. Aber auch Umweltfaktoren wie Feinstaub und Lärm und soziale Faktoren wie Einsamkeit versus emotionale Unterstützung finden hier ihre Überprüfung und angemessene Einordnung.
Alle, die sich mit wissenschaftlichen Studien befassen, wissen, dass es viele Tricks gibt, wie man eine Studie, die eigentlich nichts für die eigenen Wunschvorstellungen hergibt, in der Darstellung so manipulieren kann, dass ein geradezu gegenteiliger Eindruck entsteht. Da hat man z.B. festgestellt in einer Studie, dass eine Massnahme bei 10 von 10 000 Patienten positiv wirkt, z.B. dass bei Frauen durch 10 000 radiologischen Brustkrebsuntersuchungen 10 Fälle von Brustkrebs entdeckt werden. Waren nun unter den 10 000 Frauen schon 10 Fälle von diagnostiziertem Brustkrebs, so kann man das auf zwei Weisen ausdrücken: Die Untersuchung verdoppelt die Früherkennung von Brustkrebs. Das klingt sehr gut. Man kann es aber auch so sehen: Für 10 zusätzlich entdeckte Fälle mussten sich 9 990 einer belastenden Untersuchung unterziehen. Lässt man dann noch unter den Tisch fallen, wie viele Fälle trotz der Röntgenuntersuchung nicht entdeckt wurden, und andrerseits, wie viele Frauen durch die Röntgenuntersuchung eine falsche Verdachtsdiagnose auf Brustkrebs erhielten (die erst durch eine Operation dann widerlegt wurde), so sieht das Ergebnis ganz anders aus (Die Zahlen wurden von mir willkürlich gewählt, es geht nur um das Grundsätzliche).
Diese Fehler vermeidet Sroka, indem er alle Studien auf ein fälschungssicheres Ergebnis hin untersucht und damit auch vergleichbar macht: Wieviele Menschen müssen mit dieser Methode behandelt werden, um eine Lebensverlängerung um ein Jahr zu erreichen. Je geringer diese Zahl, desto wirksamer ist die Maßnahme. Und da schneidet z.B. mediterrane Ernährung oder fischreiche Ernährung mit 50 zu behandelnden Personen 5x besser ab als die modernen Cholesterinsenker, bei denen man 277 Personen behandeln muss, um das gleiche ergebnis zu erreichen (Nebenwirkungen, die die Lebensqualität verschlechtern, ohne das Leben zu verkürzen, sind da nicht einmal einbezogen). Und für die Ballon-Katheter-Aufdehnung ist ebenso wie für Bypass-Operationen (wenn alle drei wichtigen Herzkrankgefäße verengt sind, aber keine Herzbeschwerden vorliegen) überhaupt keine positive Auswirkung nachgewiesen.
Insgesamt rangieren allgemeine Maßnahmen zu einer gesunden Lebensführung weit über der High-Tech-Medizin und pharmakologischen Beeinflussungsversuchen.
Selbst mir als mit dem Thema Vertrauten wird manchmal schwindelig, wenn sich die herrschenden Glaubenssätze als so fragwürdig erweisen. Fas so, als ob überall gelehrt wird, dass die Sonne sich um die Erde dreht, und dann kommt einer, und sagt: Eure eigenen Untersuchungen dazu beweisen genau das Gegenteil: die Erde dreht sich um die Sonne.
Also, wenn Sie dazu bereit sind und offen: Lassen Sie Sich auf das Buch ein. Es dürfte Ihr Leben verbessern und verlängern. Besonders natürlich, wenn Sie ein Risikokandidat für einen Herzinfarkt sind - und das sind wir letztlich alle....