Inhalt:
Julia und Oliver sind zusammen aufgewachsen. Sie bezeichnen sich selber als "Bruder und Schwester" und sind auch jetzt, mit siebzehn Jahren, noch ständig zusammen. Als Olivers Traum, als Sänger groß rauszukommen, sich eines Tages erfüllt und eine Band ihn aufnimmt, fühlt Julia sich zum ersten Mal nicht mehr wichtig an seiner Seite. Mit allen Mitteln versucht sie, dass es wieder so zwischen ihnen wird, wie es immer war.
Bald schon merkt sie, dass sie mehr für Oliver empfindet als nur Freundschaft. Doch Oliver verliebt sich in Shiva, ein Mädchen aus dem Zirkus und plötzlich läuft alles aus dem Ruder. Julias Katze wird erdrosselt aufgefunden, sie selbst wird fast vergewaltigt und dann kommt es auch noch zu einem grausamen Mord, der die Beziehung zwischen Julia und Oliver in ein neues Licht zu rücken droht ...
Einschätzung:
Mit dem Jugendthriller "Herzgespinst" ist Usch Luhn eine spannende Geschichte gelungen, die durch eine interessante Mischung aus Gefühlschaos zwischen Jugendlichen und kaltblütiger Taten, die immer wieder in die Geschichte gestreut werden, zu unterhalten weiß.
Die Protagonisten Oliver und Julia leben in einem kleinen Ort, wo nie viel los ist. Sie kennen sich seit Kindertagen an, haben ihre Zeit gemeinsam verbracht und seit jeher ist eine Scheune ihr geheimes Versteck, wo sie sich treffen und zusammen sein können. Die Geschichte beginnt mit Julia und Oliver in dieser Scheune. Schon nach wenigen Sätzen wird hier deutlich, wie nahe die beiden sich stehen und dass zwischen ihnen eine enge Vertrautheit herrscht, die tatsächlich zunächst nur auf einer freundschaftlichen Ebene bleibt. Selbst andere Leute sehen in ihnen "Bruder und Schwester". Julias Vater, der bei einem tragischen Unfall auf dem Feld mit seinem Traktor ums Leben kam, hat Oliver als seinen "Sohn" betrachtet. Die beiden, Oliver und Julias Vater, hatten ein sehr enges Verhältnis, was in der Geschichte immer wieder aufgegriffen wird und wohl auch deshalb wird Oliver nach dem Tod des Vaters für Julia eine noch wichtigere Bezugsperson.
Dass Julia und Oliver als Geschwister betrachtet werden, stört beide nicht. Nachdem Oliver seine Band "Underground" kennenlernt, wird von den Mitgliedern am Anfang auch fälschlicherweise angenommen, dass Oliver und Julia tatsächlich Bruder und Schwester sind, was zu einigen Verwirrungen führt.
Die Liebesgeschichten in diesem Buch bekommen viel Raum. Bis Julia begreift, was sie für Oliver empfindet, vergeht aber einige Zeit. Es kommt zunächst noch zu ganz anderen Beziehungen und Verwicklungen - für Julia aber auch für Oliver. Zuerst ist da Lotte, eine alte Freundin von Julia und erst später lernt er die wilde Shiva kennen, ein Mädchen, das für das Puppentheater im Zirkus arbeitet. Die Liebesbeziehungen könnte man zunächst als ein buntes Chaos bezeichnen - wer mag nun wen und wer mag wen nicht - aber ich fand das Ganze recht amüsant. Man verzeiht als Leser den Charakteren dieses leicht jugendliche "nicht-wissen-was-man-will"-Szenario, weil die Gefühle von der Autorin glaubwürdig geschildert werden.
Die Figuren Julia und Oliver bleiben bei diesem Tohuwabohu auch immer interessant, denn sie zeigen beide in dieser Story viele verschiedene Facetten. Julia wirkt oft sehr unberechenbar. In einem Moment ist sie die Ruhe in Person und dann bricht sie los wie ein Sturm. Wogegen Oliver eher einen neugierigen, selbstbewussten und gefassten Eindruck macht.
Die Band, in die Oliver aufgenommen wird, gibt ihm den nötigen Rückhalt, um mit dem Gefühlschaos zwischen sich, Lotte, Julia und Shiva zurechtzukommen. "Underground" wird auch immer wieder erwähnt, zum Beispiel in Form von Konzerten. Dabei spielen die Lieder von "Sunrise Avenue" eine große Rolle in diesem Roman, weil sie auch immer mal wieder zitiert werden und durch die Zitate wird ein Zusammenhang zur Geschichte hergestellt. Dass hat mir sehr gut gefallen, nicht allein deswegen, weil ich bei diesen Zitaten meist sofort das Lied im Kopf hatte, ich fand auch, dass die Stimmung durch die Lieder in dem Buch sehr gut herübergebracht werden.
Die Momente, in denen es um die grauenhaften Taten ging, zum Beispiel um den Tod von Julias Katze, wurden zwar gut in die Geschichte mit eingewoben, trotzdem hatte ich als Leser das Gefühl, als würden diese im gesamten Buch im Vergleich zu den Beziehungsgeschichten etwas untergehen. Ich hätte mir noch mehr Thrillmomente gewünscht oder aber auch, dass die Taten, die passieren, etwas ausführlicher behandelt werden.
Der Schreibstil der Autorin hat mir gut gefallen. Sie erzählt in einem lockeren Ton, befasst sich viel mit den Sorgen und Problemen ihrer Figuren. Der Roman lässt sich leicht und flüssig lesen und unterhält hauptsächlich durch die Beziehungsprobleme, wobei am Schluss einige überraschende Wendungen auf den Leser zukommen, mit denen ich so nicht gerechnet habe. Insgesamt kann ich also sagen: Fans von Jugendthrillern, die ein überraschendes Ende bereithalten und viel Liebesgeschichte bieten, ist "Herzgespinst" ein überaus packendes Buch.
Fazit:
Mit "Herzgespinst" unterhält Usch Luhn ihre Leser mit Spannung, Herzschmerz und einem unerwarteten Finale. Von mir gibt es starke 4 von 5 Punkten. (DL)