Auf einer Party lernen die beiden Freunde Francis und Marie den schönen Nicolas kennen. Schnell sind sie von ihm bezaubert, versuchen beide vergeblich ihn für sich zu gewinnen, und merken erst spät, dass sie dabei ihre Freundschaft aufs Spiel setzen.
Immer wieder wird die Handlung dabei von Einspielern unterbrochen, in denen verschiedene Personen, die in der Haupthandlung keine Rolle spielen, von ihrer persönlichen Geschichten unglücklichen Verliebtseins erzählen und von ihrem Umgang damit. Durch dieses Stilmittel wird die Dreiecksgeschichte zwischen Marie, Nicolas und Francis entschärft, lässt sie fast beliebig wirken: Für die jungen Betroffenen scheint eine unglückliche Liebe der Weltuntergang zu sein, dabei ist sie doch nur eine Geschichte von vielen. Wahrhaftig "les amours imaginaires", wie der Film im Original heißt.
Auch schön anzusehen sind die (Post-)Sexszenen, die in nur einer Farbe ausgeleuchtet sind und dadurch isoliert wirken und fast traumartige Züge annehmen.
Generell hat die Geschichte um Nicolas und co. wenig zu bieten, viele Szenen werden einzig und allein durch Dialoge getragen und durch die Interaktion der drei Figuren. Marie und Francis lassen sich immer mehr auf Nicolas Spiel ein, der am Anfang ahnungslos scheint, bis zum Ende des Films jedoch Federn lassen muss. Ganz subtil verbiegen sich die Verliebten, um dem anderen zu gefallen. Der große Knall bleibt mehr oder weniger aus, und doch gleicht gerade die Freundschaft zwischen Marie und Francis einem Scherbenhaufen, den die beiden Figuren vorsichtig wieder zusammensetzen müssen.
Den Film als "Homo-Geschichte" zu bezeichnen, wie in einer Rezension geschehen, finde ich übertrieben - es ist einfach ein Film, bei dem zufällig einer der drei Hauptfiguren homosexuell ist - nicht mehr und nicht weniger. Es wäre schön, wenn sich andere Regisseure daran ein Beispiel nehmen würden, wie klischeefrei man mit einer solchen Figur umgehen kann.
Dolans große Stärke liegt eindeutig in seiner Fähigkeit, ein in sich geschlossenes ästhetisches Werk zu schaffen. Die Handlung ist unspektakulär, ihre Präsentation jedoch grandios. Der Soundtrack ist perfekt gewählt, die Bilder sind wunderschön anzusehen - Xolans Auge fürs Detail ist in jeder Szene spürbar. Dabei schafft er es, das Lebensgefühl von Mittzwanzigern authentisch darzustellen.