Seit mein Freund und ich uns entschieden haben, auch offiziell Ja zueinander zu sagen, erhalten wir viele schöne Reaktionen. So auch dieses Büchlein. Doch seine Lektüre hat mich arg enttäuscht. Denn dass es laut Vorwort auch religiös Ungebundenen nützen könne und weltoffen in der Haltung sei, ist ein Witz, wird man doch auf Schritt und Tritt vom Wink mit Gottes Zaunpfahl verfolgt. Auch das traditionelle Rollen- und Beziehungsverständnis scheint - abgesehen vom Kapitel über Partnerschaft und Hausarbeit - in fast jeder Bemerkung auf. Oder wie soll ich es verstehen, dass das einzige Beispiel, in dem eine Frau älter ist als der Mann, als extremes bezeichnet wird? Oder dass ein Kind es wohl verstehe, wenn die Mutter aus Not arbeiten gehen müsse, aber leide, wenn die Mutter dies «aus reinem Luxusdenken und Übermut» tue? Andere Gründe gibt es für Vetsch nicht. Absurd ist auch das Beispiel vom Mädchen, das in die «falsche» Schule geht, wo es nie etwas auswendig, wiederholen und zuhören lernt, sondern nur beobachten. Na, wo gibt's denn so was? Auch andere Beispiele überzeugen nicht. Genauso wenig wie Vetsch's Eigenlob im Schlussinterview, in dem er sich bescheinigt, schon vor 15 Jahren punkto Ehetipps auf dem richtigen Weg und der erste Internetpfarrer gewesen zu sein. Nun, Saint Exupery's Original, aus dem der Titel dieses Buches stammt, ist gewiss der lohnendere Beziehungsratgeber.