1819 geht die „Essex“, ein Walfänger aus Nantucket auf die Reise, um zwei Jahre später mit einer Schiffsladung voller Walöl zurückzukehren. Doch dazu sollte es nie kommen, da westlich der Galapagosinseln, in den Hochseegebieten, das Schiff von einem Wal gerammt und versenkt wird. Die 20 Besatzungsmitglieder retten sich in die kleinen Walfangboote und versuchen über mehrere Monate hinweg die Küste Südamerikas zu erreichen. Dort kommen jedoch nur mehr fünf von ihnen in einem erbarmungswürdigen Zustand an.
Das Schicksal der „Essex“ hatte einst Hermann Melville zu „Moby Dick“ inspiriert und wird in diesem Buch von Nathaniel Philbrick auf spannende Weise aufgearbeitet. Ein Fachbuch, dass sich wie ein Roman liest, das Philbrick locker erzählen kann und es versteht, trotz der Tatsächlichkeit dieses Unglücks Spannung zu schaffen, als wäre es ein fiktives Geschehen. So wird dem Leser jedes Detail ausführlich gezeigt, und zwar wirklich jedes. Angefangen von dem heuern von Matrosen, über die Entstehung von Inseln bis hin zu Exkursen über Walfang, Kannibalismus oder Tod durch Verdursten, erfährt der Leser alles, was für die Besatzungsmitglieder der „Essex“ eine Rolle gespielt hat. Manchmal neigt der Autor leider aber auch zu sehr gewagten Analysen, zum Beispiel, wenn er das Schicksal der schwarzen Besatzungsmitglieder mit ethnischen Formeln, die er nicht absichern kann, erklären möchte.
Anders als bei „Moby Dick“, der viele wegen seiner oft langatmigen Abhandlungen zum Walfang und der konstruierten Sprache abschreckt, ist „Im Herzen der See“ nicht nur ein äußerst spannendes und schockierendes Buch, sondern bietet auch Informationen zu einem Thema, das heute aus ganz anderen Augen gesehen wird. Man sollte sich also weder von dem Titel, noch von den manchmal etwas exzessiven Gebrauch von Seemannsvokabeln nicht abschrecken lassen, sondern die Möglichkeit nutzen in eine fremde und vergangene Welt abzutauchen.