Das haschemitische Königreich Jordanien ist vor allem bekannt durch das tote Meer, das gleichzeitig den tiefsten Punkt der Erde darstellt sowie durch seine diplomatische Vermittlerfunktion im Konflikt des Nahen Ostens. Jordanien bietet aber auch ein einzigartiges touristisches Highlight: die alte nabatäische Felsenstadt Petra, die wegen ihrer prachtvollen Gebäude, die direkt aus dem roten Sandsteinfels gemeißelt wurden, Ende 1985 in die UNESCO-Weltkulturerbeliste aufgenommen wurde. Vielen von uns, vor allem durch den Film 'Indiana Jones und der letzte Kreuzzug' bekannt, ist Petra heute eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Nahen Ostens.
Und genau hier, an diesem geschichtsträchtigen Ort, lernte Marguerite van Geldermalsen ihre große Liebe, den Souvenirverkäufer Mohammad Abdallah Othman kennen. Der Satz »Wo übernachtet ihr ?Warum bleibt ihr heute Nacht nicht bei mir in meiner Höhle?« veränderte das Leben der Neuseeländerin grundlegend. Mohammad macht ihr einen Heiratsantrag, den sie ohne großes Zögern annimmt. Nach der fünftägigen Hochzeitsfeier, während der sie mit offenen Armen in die Gemeinschaft der Nomaden aufgenommen wird, beginnt ihr einfaches Leben in Petra. Es ist ein Leben ohne Steckdosen, ohne Wasserhähne im Bad oder in der Küche, aber es ist ein Leben, das geprägt ist von Glück, Liebe und Bescheidenheit.
Das Nomadenleben ist alles andere als einsam oder gar langweilig und so ist stets Besuch in ihrer Höhle oder eine Feier, zu der sie immer herzlich willkommen ist. Da Marguerite Krankenschwester ist, übernimmt sie nach einiger Zeit die medizinische Versorgung in Petra, währenddessen Mohammad weiterhin Souvenirs vor dem Schatzhaus verkauft. Van Geldermalsen erzählt in ihrem Buch über das Leben in den Höhlen Petra's, das geprägt ist von Staub und der ständigen Angst vor Skorpionen. Es ist aber auch geprägt vom gegenseitigen Respekt und Zusammenhalt der Nomaden, was so in dieser Form wohl kaum noch zu finden ist.
Ihre Eltern fanden sich schnell mit der Tatsache ab, dass ihre Tochter so weit von ihnen entfernt ihr Glück fand und überzeugten sich davon bei Besuchen. Aber auch Mohammad und Marguerite flogen zum Gegenbesuch nach Neuseeland, wo Mohammad arbeitete und sich schnell in die Gesellschaft dort einbrachte. 'Im Herzen Beduinin' zeigt wundervoll, wie einfach das Leben ohne religiöse oder kulturelle Vorurteile funktioniert. Marguerite, die sich nie für Handarbeiten interessierte, lernt nun in Petra weben und nähen, was sie mit wachsender Begeisterung ausübt. Stets liegt die Bedrohung der Zwangsumsiedlung über ihren Köpfen, aber die jordanischen Mühlen mahlten recht langsam, so dass diese erst 1985 stattfand, womit das Ende der einfach-bescheidenen Lebensweise der Beduinen eingeläutet wurde. Und mit dieser Zwangsumsiedlung endet dieses Buch, das uns eine uralte Kultur näher bringt, die
faszinierend einfach in einer wunderschönen Umgebung lebt.
Sprachlich ist das Buch recht einfach, was es aber durch die interessanten und bildreichen Schilderungen wieder wettmacht. Ein toller Schmöker, der Lust auf das touristisch noch nicht so bekannte Jordanien macht und der den Glauben an die wahre, beständige Liebe aufrechterhält. Ein Schmöker, der uns bequemen Westeuropäern zeigt, dass materielle Besitztümer wie Haus, Strom, Handys usw. nicht alles im Leben sind - das zeigt, dass Liebe und die kleinen Dinge des Lebens viel bedeutender sind. Es ist aber auch ein Buch, dass die Illusionen von zahlreichen Touristen platzen lässt, da Marguerite van Geldermalsen hier deutlich macht, wie angeblich alte wertvolle nabatäische Gegenstände hergestellt und an die Touristen gebracht werden.
'Im Herzen Beduinin' ist die märchenhafte Liebesgeschichte zwischen der Neuseeländerin Marguerite und dem Jordanier Mohammad, es ist aber auch eine Liebeserklärung an die Felsenstadt Petra, an die Traditionen und die Menschen dort.