Hart gebeutelt vom Leben wird Jude Fawley, der in dieser (in die Tiefe) mitreißenden Verfilmung von Thomas Hardy's "Jude the obscure" erkennen muß, wohin einen das Leben führen kann ("It's a difficult question for any man to answer - whether to follow ones dreams or to let life lead one where it wants to").
Natürlich kann die philosophische Dichte der Romanvorlage in einem Film nicht nachvollzogen werden. Hardy's Werk steckt so voller Gesellschaftskritik des viktorianischen Zeitalters, daß er ob der einbrechenden Entrüstung bis zu seinem Lebenswerk nur noch Prosa schrieb. Aber die Quintessenz von an innereren und äußeren Umständen gescheiterten Lebensträumen ist von Michael Winterbottom und seinem traumhaften Darstellerpaar Christopher Eccleston und Kate Winslet so gut eingefangen, daß es nicht wenige gibt, die nach diesem Film schlecht schlafen werden.
Nachdem ich als bekennender Melancholiker und (passenderweise) Winslet-Fan schon einige Zeit in Besitz des Videos (mit dem wie so häufig beknackten deutschen Titel "Herzen in Aufruhr") bin, hatte ich mich auf die Originalversion auf DVD gefreut. Leider muß ich sagen, daß dem Film durch die Hersteller der DVD fast so übel mitgespielt wurde, wie Jude und Sue selbst. Von dem traurigen Umstand abgesehen, daß es neben einem schlechten Trailer keine Extras gibt, ist der Film mit Ausnahme der Eingangstitel im 4:3 aufgezeichnet, obwohl er mit 16:9 ausgezeichnet ist.
Eine derartige Kastration eines so großartigen filmischen Werkes ist kaum erträglich, zumindest wenn man einmal die breite Fassung gesehen hat. Es gibt nicht wenige Szenen, in denen Jude und Sue sich an den Rändern der Leinwand befinden, was im Originalformat eine umwerfende Wirkung hat. Auf dieser DVD sieht man von beiden im besten Fall noch die Gesichter, bei einer Schlüsselszene (dem Abendessen mit Phillotson, das mich übrigens stark an Theodor Storms "Immensee" erinnert), ist Sue gleich ganz ausgeblendet, weil sie keinen Text hat. Als wenn die damals 19-jährige(!) Kate Winslet Text bräuchte, um Gefühle zu transportieren!
Dem Film würde ich jederzeit die Höchstwertung geben. Auch wenn man sich gut überlegen sollte, ob man diese (noch dazu brilliant gespielte) Tragik verträgt. Der DVD-Version muß ich wegen der unverständlichen Fehler leider einiges abziehen. Wer diesen Film wirklich genießen (oder besser erleiden) will, sollte zur Breitwandversion auf VHS greifen.