Eine traurige, eindrucksvoll erzählte Geschichte. ---- Da die düsteren Romane von Thomas Hardy zur Weltliteratur zählen, ist Kritik an ihnen ohnehin problematisch. Mit Ausnahme des „Bürgermeisters von Casterbridge" spielen sie in der Gegenwart ihres Autors, diese wirkt allerdings leicht verfremdet. Ihre tatsächliche Qualität ist aber daran zu erkennen, dass sie trotz ihres Alters (von mehr als 100 Jahren) fesselnde und anregende Unterhaltung mit Tiefgang bieten. Sie zeigen, dass Hardy ein eindrucksvoller Erzähler war. Besonders hervorzuheben ist seine Fähigkeit, die Landschaft in die Handlung zu integrieren, weiters dass seine Hauptpersonen, gewöhnlich als interessante Individuen charakterisiert und nie schematisch angelegt sind. Im Gegensatz zu anderen Zeitgenossen wird das Leben seiner Hauptfiguren zwar von sozialen Aspekten beeinflusst, dominierend ist jedoch das Schicksal, das vorbestimmt zu sein scheint und dem sich seine Heldinnen und Helden nicht wirklich entziehen können. Hardys Weltsicht ist zutiefst pessimistisch - für seine Protagonisten/innen gibt es gewöhnlich keinen wirklichen Ausweg. Alles geht schief, was nur schief gehen kann. Zufälle fördern immer nur das Schlechte. Selbst dem Zusammenfinden für ein gemeinsames Leben, das er immerhin drei von seinen Liebespaaren zugesteht, haftet gewöhnlich etwas Resignatives an. Nicht selten ist es die falsche Illusion, die sich Personen von von einander gemacht haben und die sie nicht mehr zu korrigieren imstande sind ----- „Herzen im Sturm", Hardys letzter Roman, sicher auch sein düsterster und pessimistischster (selbst in „Tess von den D'Urbervilles" gibt es wenigstens noch ein paar lichte Momente.), erzählt die Geschichte einer (scheinbar) auswegslosen Liebesbeziehung zwischen zwei intelligenten, sensiblen Menschen. Obwohl hier (deutlicher als in Hardys anderen Romanen) die soziale Elemente betont sind, so verwehrt die Herkunft aus der Unterschicht dem Protagonisten Judah Fawley den Weg zur Universität, so verhindert seine Ehe mit Arabella Donn und noch mehr seine Beziehung zu Sue Bridehead seine soziale Integration, so ist es letztlich doch ein grausamer Schicksalsschlag, der die Schlusskatastrophe für ihn und Sue auslöst. Besonders deprimierend wirkt in diesem Roman, dass gerade humanes, selbstloses Handeln negativ sanktioniert wird. So gibt Sues Ehemann seine Frau in der Erkenntnis, dass sie und Judah zusammengehören, frei, und er bezahlt dafür mit seiner gesellschaftlichen Stellung und seinem Beruf. Judah und Sue nehmen voll Verständnis, das Kind aus seiner früheren Ehe zu sich, und gerade das hat letztlich fatale Folgen. Dieser gehäufte Pessimismus streift allerdings leicht die Grenze des noch Glaubwürdigen. Dank der überzeugenden Charakteristik des männlichen Protagonisten kommt jedoch die Frage, ob es nicht anders hätte sein können, nicht wirklich auf.