Das waren noch Zeiten, als ich Rammstein zum ersten Mal im Club hörte(1995) und mich fragte: "Was ist das"! Die spielten da "Herzeleid" (gerade neu erschienen) komplett durch und spätestens zu "Weißes Fleisch" rockte ich mir die Seele aus den Leib und war in einer Art Trancezustand.
Es gab zwar schon andere Bands, die in ähnlicher Form existierten, aber dieser brachiale Sprechgesang in Deutsch verbunden mit technoiden Gitarrenriffs und Synthies war neu. Auch damals waren die Berliner in der Clubscene sehr umstritten. Zu der Zeit wurde man noch schräg angeglotzt (und schlimmer), wenn man seine Anlage im Auto laut aufdrehte und den Klängen Rammsteins lauschte. Da in Deutschland Schubladendenken herrscht, hatte man Probleme damit die Band einzuordnen. Ich bin der Meinung, jeder interpretiert das hinein, was er/sie sehen will. Niemand hätte gedacht (mich eingeschlossen), dass sie mal so erfolgreich sein werden.
Ein Rezensent deutet an (bei einem anderen Album der Band), dass Rammstein rechtsgerichtet sind. Da frage ich mich, ob nicht der Rezensent selbst eine "braune Jacke" trägt oder vielleicht ein wenig sensibel auf harte deutsche Texte reagiert. Ich denke es nicht, weil die Songs mehr persönlicher Natur sind und mit Metaphern ausgeschmückt werden, um nicht zuviel von seinen Gefühlen preiszugeben (vermutlich die von Till).
Aber nun zum Album.
Jetzt besitze ich den Silberling schon seit fast 12 Jahren und trotzdem höre ich ihn immer mal wieder, ohne gelangweilt zu sein. Eigentlich sind alle Songs ausser "Seemann" und "Rammstein" zum Tanzen, Headbangen, Stampfen, Luftgitarre spielen, nervöses Zappeln oder was auch immer bestens geeignet. Meine Favouriten sind "Weisses Fleisch", "Du riechst so gut","Herzeleid","Heirate mich" und "Laichzeit". Für die heutige Zeit ist der Sound sicherlich sehr roh und ungeschliffen, aber gerade das macht es für mich zum besten Album, weil Ecken und Kanten zu Rammstein passen und die abgedrehte Lyrik von Sänger und Songwriter Till damit noch untermalt wird. Auch wenn ich mich mittlerweile mehr in anderen Genres "zuhause" fühle, möchte ich "Herzeleid" in meiner CD-Sammlung nicht missen und kann sie nur weiterempfehlen.