Der Roman von Frau Stojanov beruht nicht nur auf historischen Tatsachen, sondern auch auf einer Sage, die der Autorin viel Spielraum bot. Diesen dichterischen Freiraum hat sie auf eindurcksvolle Weise genutzt, dabei Wahrheit und Dichtung geschickt miteinander verwoben. Endlich mal kein historischer Roman, der einer Geschichtsstunde gleich kommt, kein verstecktes "Fachbuch", das lediglich durch ein paar Dialoge aufgepeppt wurde und sich ansonsten in seitenlanger Monotonie ergießt, kein Werk, von dem der Leser im Vorfeld eine dicke Staubschicht wegpusten muss, sondern ein Buch, das in ansprechender Sprache den historischen Hintergrund ausleuchtet, dabei aber die Individualtität der Figuren nicht vergisst. Auf spannende Weise erzählt die Autorin das Schicksal des sagenhaften Ritters von Heydebach. Für meinen Geschmack war er zwar ein bisschen zu schillernd (deshalb nur vier Sterne) dargestellt, aber für dieses Manko wurde ich mit einem furiosen Schlussdrittel, bei dem ich kaum noch zu Atem kam, belohnt. Kerstin Stojanov ist ein beeindruckendes Erstlingswerk gelungen. Ich hoffe, wir dürfen noch viel von ihr lesen.