Das Herz des kleinen Jägers, ist eigentlich der zweite Teil des Buches
Die verlorene Welt der Kalahari: Reisebericht( Laurens van der Post beschreibt mit großen Bildern darin das Leben der letzten Buschmänner in der Kalahari). Dieses zweite Buch beschäftigt sich nun mit den uralten Schöpfungsmythen, Sagen und Legenden der Buschmänner. Die Buschmänner sind von tiefer Demut gegenüber den Tieren und der Natur erfüllt und reden z.B. die am hellsten funkelnden Sterne liebevoll mit "Großmutter Canopus" und "Großmutter Sirius" an. Schön fand ich die Idee, dass jeder Buschmann sein Leben als Patenkind eines Sternes lebt.
Laurens van der Post zeigt dem Leser diese letzte natürliche Welt und interpretiert auch einige Bilder der Buschmänner: die Wüste kann z.B. für den Menschen alles bedeuten; aber in der Hauptsache ist sie ein Symbol für all das, was ihm versagt wurde; er sieht in ihr wie in einem klaren Spiegelbild das Ebenbild seines ausgedörrten, verstoßenen und vernachlässigten Ichs.
Laurens van der Post erklärt dem Leser, dass wir westliche Menschen verstandesmäßig viel wissen aber wir so auch zu Gefangenen unseres Wissens geworden sind. Wir leiden zu sehr an geistiger Überheblichkeit und haben uns vom Kernpunkt lebendiger Erfahrungen abgeschnitten. Ähnliche Gedanken hatte bereits Platon, der den hochorganisierten klassischen Geist mit einem Vogelkäfig verglich.
Der Autor zeigt uns wir bewegen uns zwischen bequemen Plunder materiellen Besitzes, allein und nirgends beheimatet, krank arm und schmachtend nach Sinngebung. Wie anders ist da der Buschmann, der alles was er besaß, in einer Hand tragen konnte.
Die Buschmänner sagen zu ihrem Leben: "Da ist ein Traum, der uns träumt." Laurens van der Post zitiert einen ähnlichen Gedanken von Shakespeare: "Wir sind aus dem gleichen Stoff aus dem die Träume sind." Goethe wird ebenfalls erwähnt, der in allen Dingen die Handschrift Gottes sah.
Laurens van der Post entdeckt, dass sehr oft in den Mythen immer wieder die intuitive Vision, das schöpferische Denken im Menschen dargestellt wurde. Der Autor zeigt dem Leser: Erde und Himmel, Sonne, Wolken, Wind und Regen alles findet sich in überwältigender Harmonie zusammen, eine hingebungsvolle Friedfertigkeit in der die feindliche Zwietracht der Menschen wie eine Entheiligung wirkt.