Bei einer Poetry-Slam-Session lernt Julie, Töchterchen aus gutem Hause, den kreativen und sensiblen Joe kennen. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Julie ahnt nicht, dass Joe noch eine andere Seite hat. An seiner Schule ist er als Störenfried und Schulschwänzer bekannt. Auch Julies Mutter, die dort unterrichtet, ist schon mit ihm aneinander geraten. Die Beziehung ihrer Tochter zu Joe ist ihr ein Dorn im Auge. Schnell ist ein Plan geschmiedet, um Julie in Sicherheit zu bringen. Ein Austauschjahr in Amerika wird sie Joe schnell vergessen lassen. Joe jedoch findet eine Lösung, um nicht vergessen zu werden.
Dieses Mädchenbuch von Brigitte Blobel strotz nur so vor Klischees: die überstrenge Lehrermutter; der Vater, dessen einzige Aufgabe es ist, der Mutter zuzustimmen; Joes liebe, aber hilflose Großeltern... Auch die Hauptfiguren Julie und Joe bleiben sehr blass und zweidimensional. Letztendlich ist Julie genau das naive Töchterchen, das Joe ihr vorwirft zu sein, und Joe nimmt man seine Wandlung am Ende des Buches auch nicht ab.
Die Handlung ist oft unlogisch und wirkt unmotiviert. Besonders unglaubwürdig ist das Verhalten von Julies Mutter. Keine Mutter würde ihre Tochter für ein Jahr in eine Familie schicken, in der es kein Mädchen (zum Reden über Joe, wie Julie meint), dafür aber zwei Jungs in Julies Alter gibt. Das ist ein neues Chaos der Gefühle ja vorprogrammiert, und diesmal wird die Mutter nicht eingreifen können. Für einen Menschen, der (wie es im Buch betont wird) alles immer ganz genau plant, mutet diese fehlende Voraussicht sehr seltsam an.
Am schlimmsten aber waren für mich die mangelhaften Englischkenntnisse der Autorin. Vor allem Vokabel- und Interpunktionfehler ziehen sich durch beinah jede Textpassage, in der die Figuren Englisch sprechen. Spätestens der Lektor hätte der Autorin sagen müssen, dass - im Gegensatz zum Deutschen - im Englischen Nebensätze mit indirekter Rede nicht mit Komma abgetrennt werden. Ich hoffe, dass Schüler, deren Englisch noch nicht gefestigt ist, diese Unart nicht übernehmen.
Auch die Kenntnisse der Autorin über Amerika sind verbesserungsfähig. Munter wirbelt sie die Staaten und deren Entfernungen voneinander umher und weiß nicht einmal, dass in Amerika "fifth floor" für den vierten Stock steht.
Alles in alles ist "Herz im Gepäck" ein Buch, dass vielversprechend anfängt (vor allen die Szene beim Poetry-Slam und danach ist sehr gefühlvoll), sich dann aber in Gemeinplätzen und Klischees verliert. Zu jedem der angesprochenen Themen gibt es weitaus bessere Bücher. Ich empfehle "Verliebte Girls" und "Girls - Alles wird gut" von Jacqueline Wilson als Bücher über Mädchen, die sich in die falschen Jungs verlieben und "P.S.: He's mine" von Rosie Rushton und Nina Schindler als Buch zum amüsanten Verbessern der Englischkenntnisse.