Ich fand das Buch wunderschön und tief traurig. In einem kleinen Südstaatennest sammeln sich verschiedendste, meist skurile und irgendwie gescheiterte Figuren um den taubstummen John Singer. Alle tragen Hoffnungen und Wüsche, Ideale und Enttäuschungen mit sich herum. Alle sind auf der Suche nach jemandem, der sie versteht. Den glauben sie ausgerechnet in dem taubstummen Singer zu finden. Dieser versteht selten, was sie ihm erzählen (er schafft es teilweise von den Lippen zu lesen), ist aber jedem gegenüber freundlich und wirkt verständig. Dadurch fühlen sich alle von Ihm verstanden, projizieren ihr ideales Gegenüber in ihn.
Es ist unglaublich, daß die Autorin diesen Roman mit 22 Jahren geschrieben hat. Zwar hat die Erzählung ein paar holprige Stellen; die von ihr erschaffenen Charaktere sind aber sehr Komplex und glaubwürdig. Daneben schafft sie es, ohne Pathos, ganz nebenbei, weitere Themen der 30er Jahre anzuschneiden: die Situation der Schwazen in den Südstaaten, den Faschismus in Europa, Homosexualität und Kapitalismuskritik.
Und doch stehen, bei all den großen Themen, die Figuren im Mittelpunkt: ihre Einsamkeit und ihre vergebliche Suche nach Verständnis und Geborgenheit. Lesen!