- Gebundene Ausgabe: 212 Seiten
- Verlag: Müller (Otto), Salzburg (1997)
- Sprache: Deutsch
- ISBN-10: 3701309574
- ISBN-13: 978-3701309573
- Größe und/oder Gewicht: 19,2 x 11,8 x 2,6 cm
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Produktinformation
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Christine Lavants Briefe einer beschworenen Freundschaft
Von Taja Gut
Obdachlos im eigenen Körper, der sie, statt mit ihr zu verbinden, abtrennt von der Welt, sucht Christine Lavant (19151973), von Kindheit an mit geradezu hiobscher Krankheit geschlagen, dieses Ausgeworfensein in ihren Gedichten und Briefen begreiflich zu machen, indem sie es ins Unnahbare steigert. «Doch: ich baue mir noch schwere Stufen / ehe ich Dich finden will», schreibt sie im ersten Widmungsgedicht an Ingeborg Teuffenbach zu Beginn ihrer Freundschaft im Jahre 1948. Diese Stufen sind, wie die rund 40 Briefe an Ingeborg deutlich machen, gefügt aus Stolz und Unterwürfigkeit.
«Das grösste Ausgestossensein v. Kindheit an durch eine eckelhafte Krankheit. Wie hätte ich je die Möglichkeit gehabt mich anderen Herzen so nah nähern zu dürfen dass ich eins nur hätte erkennen können», heisst es in einem Brief an eine andere Adressatin, den Annette Steinsiek im Nachwort zu der von ihr edierten und ausführlich kommentierten Sammlung zitiert. So bleibt auch die in Briefen, Gedichten und dem erzählenden Text «Die Schöne im Mohnkleid» (vgl. NZZ vom 28./29. 9. 96) buchstäblich beschworene Ingeborg letztlich unerkannt. Es ist symptomatisch, dass deren Briefe nicht erhalten sind. «Wie aber, ach», fragt die Dichterin in einem anderen Huldigungsgedicht, in dem sie die «Freundin schön» in das «Brotbäumlein meiner Seele» verzaubert, «wie wird das sein, wenn ich dich nicht mehr habe?»
Dich (nicht mehr) habe darum kreisen die unerlösten Briefe aus 16 Jahren, diese ganz in die Anrufung gebannte Beziehung, wenn auch die in unvorstellbarer Armut ausharrende Dichterin die «Freundin» nie ohne irgendein Geschenk aufsuchte. Bald wird Ingeborg zu Ingelein, Ingele, zum «Kind»; Bannformeln auch dies. Zutiefst überzeugt von der Unmöglichkeit einer Freundschaft, brauchte sie Christine Lavant doch, um zu überleben.
Man muss schon ein tiefes Interesse für die Dichterin aus dem Lavanttal haben, um diesen (selbst)quälenden Briefen etwas abgewinnen zu können. Ohne verstohlene Absicht auf spätere Veröffentlichung geschrieben, dokumentieren sie vor allem durch ihren Gestus die ganze Not, das aus allen Zusammenhängen unabänderliche Verstossensein dieser Frau, die vom Alltag, von Schmerzen und zunehmend auch von Sprachlosigkeit zerrieben wird. «Sag Ingelein kannst Du ab u. zu noch Dichten? In mir scheint alles aus zu sein aber dem wein ich nicht nach», schreibt sie 1957, nachdem sie mit dem Trakl-Preis und dem Österreichischen Staatspreis ausgezeichnet worden war. 1959 und 1962 erschienen noch zwei Gedichtbände, beide im Otto-Müller-Verlag, der auch heute ihr Werk betreut, dann zog sie das Schweigen undurchdringlich um sich.
Die Kluft zwischen dem sicheren Bildklang der Gedichte und der vielfach in eine allzu verachtungswürdige Haltung sich zwingenden Sprache der vorliegenden Briefe ist beinahe unerträglich. Darin manifestiert sich Christine Lavants unauflöslicher Widerspruch zwischen unausgesetzter, ans Bigotte streifender Selbsterniedrigung und einer klaren Selbstbehauptung, verdichtet im Satz: «Ich glaube es gibt nur eine einzige wirklich zu bestehende Aufgabe hier für uns, diese: Ich zu sein.»
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