Aus der Amazon.de-Redaktion
Ein zeitloses und dabei aber doch ganz aktuelles Gesellschaftsporträt im Stile der großen Ensemblefilme Hollywoods muss Horst Sczerba vorgeschwebt haben, als er in Köln
Herz, seinen ersten ganz fürs Kino produzierten Film, gedreht hat. Doch von Robert Altmans
Short Cuts und Paul Thomas Andersons
Magnolia ist sein Geflecht von Geschichten so weit entfernt wie etwa die Kölner Südstadt von Beverly Hills. Daran ändert auch Carl Koschnicks Scope-Fotografie nichts.
Während Altmans und Andersons Ensembledramen, die längst nicht perfekt sind und ihrem enormen Ruf letztlich kaum gerecht werden können, zumindest ein Gefühl für ihren Schauplatz vermitteln und dafür, wie er seine Bewohner formt, bleibt Horst Sczerbas Köln eine reine Kinofiktion. Herz fängt weder die Vielfältigkeit dieser Metropole noch ihre soziale Struktur auch nur annähernd ein. Die Tauchschule, in der Sczerbas bunt durcheinander gewürfelte Figuren zusammenkommen, erscheint einem als sehr merkwürdiges Konstrukt. Selbst wenn man von ihrer gemeinsamen Leidenschaft fürs Tauchen ausgeht, kann man sich kaum vorstellen, dass ein Arzt, ein Kriminalpolizist, ein Dolmetscher, ein Werkzeugvertreter und die Besitzerin eines Sonnenstudios eine solche Gemeinschaft bilden, wie der Film sie zumindest in seinen Tauchszenen andeutet.
Natürlich erfordert gerade ein solcher Ensemblefilm dramatische Verdichtungen. Horst Sczerba, der auch das Drehbuch geschrieben hat, kann nicht einfach nur vom Alltag seiner Figuren erzählen, er braucht Konflikte und Katastrophen, in denen sich das wahre Wesen unserer Zeit offenbart. Nur geht er dabei zu weit. Alle seine Charaktere befinden sich in geradezu existenziellen Krisen. So hat sich etwa der Polizist Georg (Florian Fitz) völlig von seiner Frau entfremdet, die sich aufgrund seines Jobs von einem hysterischen Anfall in den nächsten hineinsteigert; und Martin (Michael Roll) kann zwar als Notarzt eine jugendliche Selbstmörderin zunächst noch retten, doch schließlich muss er erkennen, dass man niemanden zum Leben zwingen kann. Auch die übrigen Erzählstränge zeichnen ein ähnlich düsteres Bild unserer Gesellschaft. Allein die Geschichte von dem Übersetzer Cem (Mehmet Kurtulus), der sich während eines Gerichtsverfahrens in die Angeklagte verliebt, bringt noch ein wenig Licht in Sczerbas allzu graue Welt.
Im Prinzip müssten die Figuren des Films unter all den Leiden, die Sczerba auf sie häuft, zusammenbrechen und dabei jede Glaubwürdigkeit verlieren. Doch ihren Darstellern, allen voran Florian Fitz, Michael Roll, Laura Tonke und Mehmet Kurtulus, gelingt es, ihnen etwas von ihrer Last zu nehmen. Natürlich können auch sie nicht die ganzen Schwächen des Drehbuchs und der Inszenierung ausgleichen, aber sie erfüllen Sczerbas Charakter-Konstrukte mit so viel Leben, dass dieses Herz trotz aller Widrigkeiten zumindest in einigen Momenten tatsächlich schlägt. --Sascha Westphal
Produktbeschreibungen
Die Clique eines Kölner Viertels trifft sich regelmäßig in der Tauchschule Tropical Dive, um in der Schwerelosigkeit der Unterwasserwelt den Sorgen und Nöten des Alltags zu entfliehen. Das Herz des Dolmetschers Cem schlägt für Laie, die vor Gericht steht, aber nur an ihren Freund Markus denkt. Georg von der Mordkommission hat das Problem, dass seine Frau Gisela sich trennen will, da sie sich vor ihm ekelt. Martin, der Arzt, ist besorgt um die verschlossene Natalie, die wegen eines Selbstmordversuchs auf seiner Station liegt. Und dann ist da noch Marlis, die den Vertreter Günther mit Tauchlehrer Marcel betrügt...