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Herz der Finsternis. SZ-Bibliothek Band 20
 
 
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Herz der Finsternis. SZ-Bibliothek Band 20 [Gebundene Ausgabe]

Joseph Conrad , Urs Widmer
4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (57 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

In den Abenteuerbüchern Joseph Conrads ist der Dschungel still. Im Herz der Finsternis (1899) etwa schlängelt sich der Kongo lautlos durch die "erhabene Stille des Urwalds": Die Geschichte von Kapitän Marlowe, der sich auf die Suche nach dem rätselhaften und grausamen Elfenbeinhändler Kurtz ins dunkle Afrika aufmacht, spielt sich vorwiegend in der "schweigenden Wildnis" ab. Erst als Marlowe Kurtz zum ersten Mal zu Gesicht bekommt, durchbricht ein schriller Schrei die Lautlosigkeit. Zunächst nur "ein Wort" in den Erzählungen der Eingeborenen, stellt sich der dämonische Redner nun "als eine Stimme dar". Und als Kurtz mit dem flüsternden Ausruf "Das Grauen! Das Grauen!" sein Leben schließlich aushaucht, wird die Wahrheit dieser Einschätzung offenbar: "Er war kaum mehr gewesen als eine Stimme".

Im Herz der Finsternis, das von den teuflischen Schattenseiten der europäischen Zivilisation ebenso wie von den düstren Untiefen der menschlichen Seele berichtet, ist auch der Ich-Erzähler Marlowe für seine Zuhörer "nicht mehr gewesen als eine Stimme". Auf der CD-Fassung des Reclam Verlags nun leiht der 57-jährige Schauspieler Christian Brückner, der bereits Robert de Niro und Alain Delon synchronisierte, dem Organ des Kapitäns sein raues Timbre. Er tut dies mit viel Gespür für Conrads Text: Denn während der charismatische Kurtz "ernst, tief, bebend" -- als Störung im Urwaldschweigen eben -- hätte gesprochen werden müssen, ist die von Brückner gegebene Erzählstimme Marlowes ruhig, schlängelnd und tiefgründig wie der Kongostrom.

"Meine Stimme ist es, die nicht zum Schweigen gebracht werden kann", behauptet Marlowe einmal. Nun macht uns die unverwechselbare Stimme Brückners den herrlich gleichförmig mäandrischen "Zauberfluss der Rede" vom Herz der Finsternis anschaulich. Getreu dem auf Kurtz gemünzten Diktum Conrads: "Man spricht nicht mit dem Mann -- man hört ihm zu". 5 CDs, Spieldauer: 303 Minuten. --Thomas Köster -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Das Herz der Finsternis
OT Heart of darknessOA 1902 (Zeitschriftabdruck 1899) DE 1926Form Erzählung Epoche Moderne
Die für Joseph Conrads Schaffen zentrale Erzählung zeichnet sich aus durch eine spannende Handlung, eine geheimnisvolle Atmosphäre und ein dichtes Netz von Symbolen.
Entstehung: Im Winter 1889 nahm Conrad das Angebot einer belgischen Handelsfirma an, einen Flussdampfer auf dem Kongo zu führen, und verbrachte knapp acht Monate in Afrika. Nach seinen Aufzeichnungen zu schließen, haben seine Erlebnisse in der belgischen Kolonie ihn tief geprägt und zu einer kritischen Haltung gegenüber den Aktivitäten der Weißen in Afrika geführt. Viele seiner Erfahrungen sind in die Erzählung Das Herz der Finsternis eingeflossen, die Conrad in nur zwei Monaten im Winter 1898/99 niederschrieb.
Inhalt: Der Flussdampferkapitän Marlow fährt im Auftrag einer belgischen Handelsgesellschaft den Kongo hinauf. In den auf seinem Weg liegenden Handelsposten, von der Gesellschaft gedacht als »Leuchtfeuer auf der Straße zum Besseren«, erlebt er sinnloses Durcheinander sowie die brutale Ausbeutung und Miss-handlung der Schwarzen. Auf einer dieser Stationen hört er zum ersten Mal von Kurtz, einem angeblich besonders erfolgreichen Elfenbein-agenten tief im Inneren des Kongo. Die Reise zu Kurtz wird für Marlow mehr und mehr zu einer Reise in sein eigenes unbewusstes Inneres. Der Fluss, von Anfang an diabolisch und unheimlich »wie eine Schlange«, führt immer weiter fort vom Licht der Zivilisation in die Dunkelheit der Wildnis, in das »Herz der Finsternis« und zum Zentrum des Bösen, in dem der ominöse Kurtz sein Reich hat. Er beutet sein Gebiet skrupellos aus, schreckt weder vor Raub noch vor Mord zurück und folgt in wilden Ausschweifungen seinen niederen Instinkten, völlig vom »schweren, stummen Bann der Wildnis« gefangen. Marlow beschließt, den offensichtlich Kranken mit sich zurückzunehmen, denn »seine Seele war wahnsinnig«. Auf der Rückreise fluss-abwärts stirbt Kurtz mit dem Ausruf »Das Grauen! Das Grauen!«, der zugleich als Bekenntnis seiner Schuld und Absage an die Mächte der Finsternis interpretiert werden kann. Kapitän Marlow bringt es nach seiner Rückkehr nach Brüssel nicht über sich, Kurtz’ trauernder Verlobter die Wahrheit über dessen Leben im Kongo und seine letzten Worte zu sagen: »Ich riß mich zusammen und sprach langsam. ›Das letzte Wort, das er aussprach, war – Ihr Name.‹«
Aufbau: Das Herz der Finsternis ist eine klassische Rahmenerzählung: Auf einem Boot an der Themsemündung erzählt Kapitän Marlow in einer langen Rückblende von seiner Reise ins innerste Afrika. Der gesamte Text ist in drei gleich lange Teile untergliedert: Der erste umfasst den Beginn der Erzählung und den Beginn von Marlows Reise den Fluss hinauf; der zweite schildert die allmähliche Annäherung an Kurtz und das Zusammentreffen mit ihm; der dritte Teil umfasst die Rückreise den Fluss hinunter, Kurtz’ Tod und Marlows Rückkehr nach Brüssel, bevor sich mit dem Ende seiner Erzählung auch der Rahmen wieder schließt.
Wirkung: Das Herz der Finsternis hat von Anfang an die Leser und Interpreten fasziniert und zu einer bis heute anhaltenden Auseinandersetzung eingeladen. Der auf Conrads Erzählung basierende Film Apokalypse Now (1979) von Francis Ford Coppola (*1939) ist mindestens ebenso berühmt geworden wie die Vorlage. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

Pressestimmen

"Seit jeher hat man diese Novelle" zu den zentralen und zugleich geheimnisvollsten Erzählungen Conrads gerechnet. (Kindlers Neues Literaturlexikon)
"Gerd Böckmann liest diesen Roman eindringlich bedächtig, vorsichtig und so nachdrücklich, dass Unbekanntes und allzu Bekanntes bildhaft ins Hirn und ins Gemüt dringen." (Georg Patzer, Stuttgarter Zeitung) -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Kindlers Neues Literaturlexikon

Seit jeher hat man diese Novelle zu den zentralen und zugleich geheimnisvollsten Erzählungen Conrads gerechnet. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Kurzbeschreibung

Zentralafrika gegen Ende des 19. Jahrhunderts: Leise und unaufhaltsam bahnt sich ein schmales Boot den Weg durch den dunken Urwald. Immer weiter stößt es vor auf dem Flusslauf des Kongo, immer tiefer dringt es in den unheimlichen Dschungel. Auf dem Boot sieht der junge Kapitän Marlow mit Ungeduld dem Ziel seiner Mission entgegen: der Begegnung mit dem mysteriösen Elfenbeinhändler Kurtz. Dieser hat sich ganz der Kontrolle der Handelsgesellschaften entzogen und inmitten der Wildnis sein eigenes Schreckensreich errichtet. Marlow soll ihn zurückholen. Doch schon bald stellt sich die Frage: Wird er selbst überhaupt zurückkehren?

Der Verlag über das Buch

Vorlage für den Film "Apocalypse now" -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Klappentext

" ... von Christian Brückner vorgetragen wird (...), der Conrads Bildersprache eindringlich und anschaulich durch die Ohren in den Geist der Hörerinnen und Hörer bringt."
sandammeer.de

"Dem Sprecher Christian Brückner gelingt es, die Magie des Klassikers perfekt einzufangen."
Urlaub Perfekt -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Klappentext

Conrad verarbeitet in diesem grandiosen kleinen Roman sein eigenes Kongo-Abenteuer, von dem ihm eine zeitlebens zerrüttete Gesundheit und alptraumhafte Erinnerungen geblieben waren. Der Erzähler Marlow geißelt in der Figur des pervertierten Handelsagenten Kurtz den europäischen Kolonialismus, aber dem Autor geht es um mehr: die Fahrt in den urweltlichen Dschungel wird zur Entdeckungsreise ins Ungewisse der eigenen Existenz, in die Untiefen des Halb- und Unterbewußtseins , ins finstere Labyrinth von Lüge und Schuld. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

Über den Autor

Joseph Conrad, geb. 1857 in der Ukraine, war Sohn polnischer Landadliger. Ab dem siebzehnten Lebensjahr fuhr er für französische und englische Handelsgesellschaften zur See, Erwerb des Kapitänspatents zwölf Jahre später, 1884 Annahme der englischen Staatsbürgerschaft. Zahlreiche Roman-Veröffentlichungen. Der Autor verstarb 1924 in England.Urs Widmer, geboren 1938 in Basel, studierte Germanistik, Romanistik und Geschichte in Basel, Montpellier und Paris. 1966 promovierte er mit einer Arbeit über die deutsche Nachkriegsprosa. Danach arbeitete er als Verlagslektor im Walter Verlag, Olten, und im Suhrkamp Verlag, Frankfurt. Heute lebt und arbeitet Urs Widmer als Schriftsteller in Zürich. Er ist verheiratet und hat eine Tochter. 2007 erhielt Urs Widmer den Friedrich-Hölderlin-Preis der deutschen Stadt Bad Homburg.

Auszug aus Herz der Finsternis. SZ-Bibliothek Band 20 von Joseph Conrad, Urs Widmer. Copyright © 2004. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Die Nellie, eine seetüchtige Segeljacht, schwoite ohne das leiseste Flattern der Segel vor ihrem Anker und ruhte aus. Die Flut hatte eingesetzt, es war nahezu windstill, und da wir stromabwärts sollten, war weiter nichts zu tun, als sich zu gedulden und den Gezeitenwechsel abzuwarten. Die Themsemündung dehnte sich vor uns wie der Anfang einer endlosen Wasserstraße. Draußen verschmolzen nahtlos Himmel und Meer, und in dem lichterfüllten Raum schienen die gelohten Segel der Leichter, die mit der Flut herauftrieben, stillzustehen, in Massen straff ausgespannter roter Leinwand, in denen die lackierten Spriete aufblinkten. Ein leichter Dunst lag über den Ufern, die sich flach ins Meer verloren. Über Gravesend war die Luft dunkel, und hinter uns schien sie noch immer zu einer trüben Düsternis geballt, die reglos über der größten und großartigsten Stadt der Welt brütete.

Der Direktor von Handelsgesellschaften war unser Kapitän und Gastgeber. Wir vier anderen beobachteten liebevoll seinen Rücken, während er dort im Bug stand und aufs Meer hinausblickte. Weit und breit gab es nichts auf dem Fluß, was nur halb so seemännisch ausgesehen hätte. Er glich einem Lotsen, der für einen Seemann die personifizierte Vertrauenswürdigkeit ist. Man konnte sich nur schwer vorstellen, daß sein Beruf nicht dort draußen in der lichterfüllten Flußmündung lag, sondern hinter ihm in der brütenden Düsternis. Zwischen uns bestand das Band der See, wie ich schon an anderer Stelle bemerkt habe. Abgesehen davon, daß es über lange Zeiten der Trennung unsere Herzen zusammenhielt, 6 stimmte es uns auch nachsichtig gegen eines jeden Garn - ja sogar gegen eines jeden Überzeugungen. Der Rechtsanwalt - der feinste alte Knabe, den man sich denken kann - hatte wegen seiner hohen Jahre und hohen Tugenden das einzige Kissen an Bord unter seinem Kopf und lag auf der einzigen Decke. Der Bücherrevisor hatte schon einen Dominokasten hervorgeholt und baute spielerisch die Steine auf. Marlow saß mit gekreuzten Beinen achtern und lehnte sich an den Besanmast. Er hatte hohle Wangen, eine gelbe Hautfarbe, einen geraden Rücken, ein asketisches Aussehen und erinnerte mit seinen herabhängenden Armen, den nach außen gekehrten Handflächen, an ein Idol. Der Direktor kam, nachdem er sich vergewissert hatte, daß der Anker gut hielt, nach achtern und setzte sich zu uns. Wir wechselten träge ein paar Worte. Dann trat Stille ein an Bord der Jacht. Aus dem einen oder anderen Grund begannen wir nicht mit dem Dominospiel. Wir waren in besinnlicher Stimmung und zu nichts anderem fähig als zu friedlichem Vor-uns-Hinschauen. Der Tag ging in einer Klarheit stillen und köstlichen Strahlenglanzes zu Ende. Das Wasser schimmerte friedlich; der Himmel, ohne ein Wölkchen, war eine wohltuende Unermeßlichkeit reinen Lichts; sogar der Dunst der Essex- Marschen war wie ein duftiges und glänzendes Gewebe, das von den waldigen Höhen des Binnenlandes herabhing und die flache Küste in durchsichtige Falten hüllte. Nur die Düsternis des Westens, die über dem oberen Flußlauf brütete, wurde von Minute zu Minute dunkler, gleichsam als sei sie erzürnt über das Näherkommen der Sonne. Und schließlich sank die Sonne auf ihrer gebogenen und unwahrnehmbaren Fallinie hinab und wechselte von gleißendem Weiß zu einem trüben Rot ohne Glanz und ohne Hitze über, als sei sie im Begriff zu erlöschen, todwund durch die Berührung mit jener über einer Menschenmasse lastenden Düsternis. Allsogleich kam eine Veränderung über das Wasser, und die heitere Klarheit wurde weniger leuchtend, dafür aber tiefer.

Der alte Fluß in seiner breiten Mündungsstrecke blieb ungerührt vom Erlöschen des Tages, nach all den Jahrhunderten guter Dienste, die er den Menschen an seinen Ufern geleistet hatte, und breitete sich aus in der stillen Würde einer Wasserstraße, die zu den entferntesten Enden der Welt führt. So sahen auch wir den ehrwürdigen Strom nicht im zuckenden Flackerschein eines kurzen Tages, der heraufzieht und dann für alle Zeiten entschwindet, sondern im erhabenen Licht bleibender Erinnerungen. Und freilich ist einem Mann, der, wie es wohl heißt, Seemann war mit Leib und Seele, nichts leichter, als auf dem Unterlauf der Themse den großen Geist der Vergangenheit zu beschwören. Der Gezeitenstrom wechselt hin und her in unaufhörlicher Dienstbarkeit, beladen mit Erinnerungen an Menschen und Schiffe, die er zur Ruhe in die Heimat oder zum Getümmel der Seeschlachten hinausgetragen hat. Alle Männer, auf die die Nation stolz ist, hat er gekannt, und allen gedient, von Sir Francis Drake bis zu Sir John Franklin - Rittern allesamt, betitelten und unbetitelten - den großen fahrenden Rittern des Meeres. All die Schiffe hat er getragen, deren Namen wie Juwelen aufleuchten in der Nacht der Zeiten, von der Golden Hind, die zurückkehrte - die bauchigen Schiffswände voller Schätze -, um von Ihrer Majestät der Königin besucht zu werden und auf diese Weise eine grandiose Geschichte abzuschließen, bis zur Erebos und Terror, die zu anderen Eroberungen auszogen - und die nie zurückkehrten. Er hat die Schiffe und die Männer gekannt. Sie waren von Deptford, von Greenwich, von Erith aus in See gegangen - die Abenteurer und Siedler; königliche Schiffe und Schiffe der Handelsleute; Kapitäne, Admirale, die finsteren ›Schleichhändler‹ des Ostens und die bestallten ›Generäle‹ der Flotten der East India Company. Goldsucher oder solche, die dem Ruhm nachjagten, sie alle waren auf diesem Strom hinausgefahren, das Schwert in der Hand und oft die Fackel, Boten der Stärke dieses Landes, Bringer eines Funkens vom heiligen Feuer. Welche Größe trieb nicht mit der Ebbe jenes Flusses in das Rätsel einer unbekannten Welt hinaus! ... Die Träume der Menschen, der Same von Nationen, der Keim zu Weltreichen.
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