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am 22. Dezember 2012
Ich kenne 5 Übersetzungen von Heart of Darkness und habe sie alle anhand einzelner Passagen miteinander und auch mit dem Originaltext verglichen: Ich empfehle die Übersetzung von Manfred Allié (Fischer Klassik), der es versteht den heiklen Text stimmungsvoll und immer wieder sehr treffend in ein zeitlos anmutendes Deutsch ohne befremdende Archaismen oder Stilbrüche zu verzaubern und an sprachlicher Schönheit die für mich beste Version liefert. Die Übersetzung von Daniel Göske (Reclam) ist sehr gediegen und mit einem Hang zu literarisch und altertümlich anmutender Wortwahl. Hin und wieder wirkt das ein wenig verkrampft, vielleicht weil bereits der Originaltext komplex gebaute Strukturen besitzt und keine weiteren Komplikationen verträgt. Da und dort ist im deutschen Text auch ein unbekömmlcher Hauch von Anglizismen zu spüren. Die Übersetzung von Urs Widmer (Haffmann Verlag) beweist für mich nur, dass nicht jeder Autor immer auch ein begnadeter Übersetzer sein muss. Der Text liest sich flüssig, manchmal sogar etwas schnoddrig, was gar nicht dem Original entspricht. Die Übersetzung nimmt sich manchmal Freiheiten, die über das Original hinausgehen und dort einfach nicht vorkommen, andererseits finden sich auch Sinnfehler und Stilbrüche, die die Stimmung zerstören. Die 4.Übersetzung ist die von Ernst W. Freissler, somit die älteste Übersetzung aus meiner Auswahl. Wenn man den Originaltext nicht kennt, wird man nicht merken, dass einige Stellen einfach ganz ausgelassen wurden und ausserdem einzelne Details fehlen. Wer sich damit abfinden kann bekommt einen ganz lesbaren deutschen Text ohne Extravaganzen aber auch ohne Raffinesse (Verlag Anaconda). Die Übersetzung von Sophie Zeitz (DTV) gefällt mir, weil sie einen modernen Tonfall vorlegt und trotzdem geschickt alle Nuancen im Original wahrt. Die Übersetzerin hat zahlreiche moderne Jugendromane aber auch Krimis aus dem Englischern übertragen und geht mit der gleichen Unerschrockenheit auch an eine Ikone wie Joseph Conrad und seinen Kultroman heran. Das Ergebnis gibt ihr recht und ist die richtige Wahl, wenn man einfach eine gut lesbare spannende Übersetzung möchte. Nichts für Literaten oder Literaturfreaks vielleicht, aber genau das richtige für den vom Literaturbetrieb unbelasteten modernen Leser.
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am 3. Juni 2007
Schon seit seiner Kindheit träumt der junge Marlow davon, die letzten weißen Flecken der Landkarte zu erforschen. Durch gute Beziehungen wird er schließlich trotz seiner geringen Erfahrung Kapitän auf einem Dampfschiff, das tief in den afrikanischen Urwald fahren soll. Dort angekommen stößt der junge Mann auf ein groteskes Tollhaus der Kolonialisierung, unorganisierte Lager, skurrile Landsmänner, die nichts tun als Intrigen gegeneinander zu schmieden, unsinnige Arbeiten und vor allem auf leidende unterdrückte Eingeborene. Marlowe, ein rationaler, realistischer Mann reagiert darauf mit Unverständnis und Ironie. Beeindruckt von der Größe, der Ursprünglichkeit und der Gewalt des Urwaldes macht er sich trotzdem auf in die Tiefen der Wildnis um den geheimnisvollen Kurtz zu finden, der sich hier sowohl mit seinem äußerst erfolgreichen Elfenbeinhandel, als auch mit seiner Abgeschiedenheit einen Namen gemacht hat. Doch was er findet ist ein Mensch, dem das Gefühl für Menschlichkeit abhanden gekommen ist.

Kein Lichtstrahl dringt durch die dunkle Stimmung, die Conrad hier erzeugt, durchtränkt von schweren dunklen Adjektiven ist der Text kontinuierlich beklemmend und unheilvoll, nur selten unterbrochen von bissigen und ironischen Kommentaren des Erzählers angesichts der makaberen Zustände im Urwald (zweifellos eine Kritik an der Kolonialisierung).

Dadurch, dass äußere Dinge meist nur skizzenhaft beschrieben werden und die Handlung zuweilen vom Erzähler unterbrochen wird, um an anderer Stelle fortzufahren, bekommt seine Geschichte, die eher anmutet wie ein Alptraum als die Realität, etwas Wirkliches. Hält man sich beim Lesen des Buches vor Augen, dass Conrad hier seine eigenen Erlebnisse als Seemann schildert und aufarbeitet, gewinnt es nochmal an Schrecken dazu.
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am 9. Juli 2004
In der Gestalt des Marlow, der in nächtlicher Stille von seinen Erlebnissen während einer Flussfahrt landeinwärts auf dem Kongo erzählt, betrachtet man die dunklen Abgründe der eigenen Seele. Von einem nicht näher konkretisierbaren Sog einer unbekannten Kraft wird man jeden Augenblick näher in das Zentrum des Grauens gezogen. Dort wartet Kurtz, ein kranker, sterbender Mann, der unendlich weit weg von der Zivilisation mit unbekannter Kraft Regeln aufgestellt und durchgesetzt hat. Marlow lässt sich von Kurtz' Faszination in seinen Bann ziehen. Und der Leser auch.
Conrad wird wenig konkret, wenn es um die Beschreibung des Grauens und der Faszination, die Kurtz auf Marlow ausübt, geht. Dennoch weiß der Leser, wovon Marlow spricht. Darin liegt die ungemeine Kraft dieses Buches. Es lässt einen nämlich die dunklen Seiten seiner Seele spüren, ohne sie gleich detailliert ansehen zu müssen.
Eine bestechende Sprache - die deutsche Übersetzung ist überaus gelungen - macht es dem Leser schwer, das Buch wegzulegen, ehe es zu Ende gelesen wurde. Beim Zuklappen des Buches bleibt eine gähnende Leere, eine schwermütige Stimmung.
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am 29. April 2014
1865 besteigt Leopold II. den belgischen Thron. Der Monarch – Spekulationsgewinne am Suez-Kanal machten ihn vermögend – träumt von einem Kolonialreich. Allein: Weite Teile der Welt sind bereits aufgeteilt, es gibt kaum mehr weiße Flecken auf den Landkarten. In Conrads Buch wird der Protagonist sagen: „Aber einen (Fleck) gab es noch, den größten, den weißesten sozusagen, nach dem mir der Sinn stand.“ (S. 11) Ganz ähnlich ergeht es Leopold. Ihm steht der Sinn nach genau diesem, von den Briten zuvor verschmähten, weißen Fleck entlang des Flusses Kongo. Und tatsächlich wird ihm auf der Kongo-Konferenz 1884 der weiße Fleck zugesprochen – und zwar als sein Privatbesitz. Wie aber soll er diesen Landstrich erschließen, der doch 75-mal größer als Belgien selbst ist? Leopolds Antwort: Er verkauft Nutzungskonzessionen an Gesellschaften, die sodann auf eigene Rechnung die Schätze des Territoriums ausplündern.

Wahrheit und Dichtung

1890 heuert der damals 33-jährige Konrad Korzeniowski bei einer solchen Gesellschaft an. Bald erkrankt er an Fieber und kann fortan seine Tätigkeit als Kapitän nicht weiter fortführen – stattdessen wird er als Schriftsteller unter dem Namen Joseph Conrad weltberühmt. Besonders sein Roman „Herz der Finsternis“ hat durch diverse Verfilmungen Eingang ins kollektive Bewusstsein des 20. Jahrhunderts gefunden. Und just dieser Roman ist in besonderer Weise autobiographisch geprägt.
Denn auch der englische Protagonist Marlow wird – gefördert von seiner einflussreichen Tante (auch dies wohl autobiographisch) – Kapitän auf einem belgischen Dampfschiff. Eine 30-tägige Reise führt ihn zur Mündung jenes Flusses, der unschwer als Kongo zu erkennen ist. Tatsächlich hatte das belgische Königshaus 1891 einen schmalen Atlantikzugang erworben. Von dort aus bricht Marlow ins Landesinnere auf. Zunächst erreicht er die Hauptstation der Gesellschaft. Der Direktor (alle Figuren bis auf Marlow und Kurtz bleiben namenlos) eröffnet ihm, dass er sein Schiff zunächst reparieren müsse. Anschließend gehe es zur inneren Station, wo ein Mann namens Kurtz arbeite, der so viel Elfenbein liefere, wie alle anderen Agenten der Gesellschaft zusammen. Bald wird sich zeigen, mit welch schaurigen Methoden der einst hoffnungsvolle junge Mann Kurtz diese Leistung vollbringt.

Zivilisation

Tatsächlich ist Kurtz eine Chiffre für den Endpunkt des kolonialen Wahnsinns. Einmal heißt es: „Ganz Europa hatte bei der Erzeugung von Kurtz mitgeholfen.“ (S. 82) Zugleich wird er als Universalgenie beschrieben: Er ist Journalist und Redner, musisch wie geschäftlich begabt. Er ist ein Container europäischer Tugend, die – bei ihm freilich in besonderer Weise – in der finsteren Wildnis total entgleist. Für genau dieses Entgleisen findet Conrad beeindruckende Bilder: Einmal liegt vor der Küste ein französischer „Kreuzer da, unverständlich, und feuerte in einen Erdteil hinein.“ (S. 22) Bei der Hauptstation soll eine Eisenbahnverbindung errichtet werden – tatsächlich aber sprengt man nur unnütz in der Gegend herum. Ein Uniformiert beaufsichtigt inmitten der Wildnis die Instandhaltung einer Straße, die es gar nicht gibt. Ein besonders nachhaltig wirkendes Bild für das Scheitern jedes zivilisatorischen Anspruchs sind Dränagerohre, die – sämtlich kaputt – achtlos in eine Schlucht geworfen wurden.
Dabei war Marlow von seiner Tante doch als „ein Sendbote des Lichts. Nicht viel weniger als ein Apostel.“ (S. 19) verabschiedet worden. Damals, so versichert Marlow, sei solche koloniale Sinnstiftung in „Druck und Rede“ (ebenda) gewesen. Ganz zu Anfang – später kann dies nur noch als Ironie gelesen werden – beschreibt Marlow, was seine Zeitgenossen von den Römern unterscheidet, die einst Britannien eroberten: „die Idee und ein selbstloser Glaube an diese Idee“. (S. 10) Warum zerschellen diese hehren Worte jedoch an der Wirklichkeit? Der Grund ist wohl die Gier. Tatsächlich hocken die europäischen Herrscher meist beschäftigungslos, von allerlei Krankheiten geplagt herum. Wenn sie nicht gerade gegeneinander intrigieren, schikanieren sie zur Zwangsarbeit verpflichtete Eingeborene, die wahlweise als Feinde, Verbrecher, Arbeiter oder Rebellen bezeichnet werden. (Tatsächlich hatten sich die eingeborenen Stammeshäuptlinge in den Kaufverträgen, die sie gegenüber Leopold II. eingingen, unwissentlich zur Abstellung von Zwangsarbeitern verpflichtet.) „Das einzig echte Gefühl war die Sehnsucht, auf eine Station im Innern zu kommen, wo Elfenbein zu holen und also auf Prozente zu rechnen war.“ (S. 39) Das gilt für alle Weißen – vom Direktor bis hin zu Kurtz, der wohl nur nach Afrika ging, um zu einer besseren Partie für die Familie seiner Braut zu werden. Und dessen wahnwitzige Praktiken der Direktor (seine größte Kompetenz ist seine robuste Gesundheit) nicht um ihrer selbst willen verurteilt, sondern weil sie eine „ungesunde Methode“ seien und „die Zeit für schärferes Vorgehen noch nicht gekommen war.“ (S. 103)

„Kongogräuel“

Das Treiben in der belgischen Kolonie wird später unter „Kongogräuel“ in die Geschichte eingehen. Und doch ist „Herz der Finsternis“ mehr als eine Anklage kolonialen Unrechts. Marlow bemerkt einmal, er habe das Gefühl nicht in das Innere eines Kontinents, sondern in das Erdinnere einzudringen. Mit anderen Worten: Er dringt nicht nur die Finsternis der Wildnis, sondern auch die Finsternis der menschlichen Seele ein. Und die kann sich, wie im Falle Marlows, dem „Reiz des Grauens“ (S. 9) nicht entziehen. Nach und nach wird er beginnen, den schrecklichen Kurtz zu idealisieren – bis hin zu dem Satz: „Es war unmöglich, ihn nicht zu lieben.“ (S. 124)
Und so ist dieser Text zugleich historischer Bericht, Psychodrama und düsterer Abenteuerroman. Warum sollte man ihn heute noch oder wieder lesen? Zunächst aufgrund Conrads herausragender Beobachtungsgabe und seiner Fähigkeit, Beobachtungen sparsam und eben deshalb prägnant zu schildern. Und wegen des Geschicks, mit dem er eine durchgehend bedrohliche Stimmung erzeugt – wenngleich das stetig wiederkehrende Aufrufen des Motivs „Wildnis = Finsternis“ zeitweilig etwas redundant wirkt. Vor allem aber sollte man den Roman lesen, um sich an das koloniale (Schreckens)Erbe zu erinnern, das die meisten europäischen Nationen teilen und das mittlerweile doch sehr von technokratischen Entwicklungshilfedebatten überlagert wird.
Nach der Lektüre von Conrads „Herz der Finsternis“ jedenfalls werden die eigenen Überzeugungen hinsichtlich „westlicher Werte“ und zivilisatorischen Fortschritts ins Wanken geraten. Man wird eine Vorstellung davon haben, was Gewinnstreben anrichten kann, wenn es sich mit einer nahezu unbeschränkten Macht verbindet – und das selbst bei den edelsten, vorgeblich zivilisiertesten Menschen. Es ist in diesem Zusammenhang geradezu gespenstisch, wenn Conrad im Jahr 1899 einen befreundeten Journalisten über Kurtz sagen lässt: „Er hatte den Glauben. Er konnte sich dazu bringen, alles zu glauben, einfach alles. Er hätte für eine extreme Partei einen glänzenden Führer abgegeben.“ (S. 120)
Ganz am Ende, auf der letzten Seite, wird Marlowe Kurtz’ Braut hinsichtlich der letzten Worte ihres Geliebten belügen. Ausgerechnet der wahrheitsliebende Marlowe beweist damit, dass manche Wahrheiten zu stark sind, als dass man sie aushalten könnte.
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am 28. November 2000
Eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe. Absolut gleichzustellen mit Camus "glücklichem Tod", sprachlich perfekt und stilsicher, leider nur in der richtigen Übersetzung. Und die gibt es leider nur als Reclam-Heft. Wer einmal das englische Original gelesen hat, wundert sich über den brillianten und ausgefeilten Stil des gebürtigen Polen Conrad. Finger weg von dieser Ausgabe! Reclam oder das Original kaufen.
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am 15. November 2007
Die Geo Hörwelten Auswahl ist an sich schon ein Genuß. Aber mit Joseph Conrads -Herz der Finsternis- wird dem Hörer ein besonderer Leckerbissen angeboten. Ein klassischer Erzähler der alten Schule mit einer überbordenden Geschichte von Leid, Glück, Abenteuer und Forscherdrang. Geschrieben in Worten, die auch heute noch berühren und anfassen. Aber gerade da liegt das Problem bei den klassischen Erzählern wie Conrad, Steinbeck, Sayoran oder Hemingway. Der heutige Leser findet oft nur schwer Zugang zur Sprache der großen Schriftsteller. Sicher sieht das bei einer absoluten Leseratte anders aus, aber nicht jeder verschlingt dutzendweise Bücher; schon gar keine Klassiker. Und genau hier setzen die Geo Hörwelten in genialer Weise an. Die alten Geschichten der großen Meister wollen erzählt werden. Okay, man kann sie auch lesen, aber es sind Erzählungen. Und wenn man einen Christian Brückner gewinnen kann, der die Geschichte in einer Art und Weise präsentiert, dass einem jeder Satz ein Bild in den Kopf zaubert, das sich einem die Nackenhaare aufstellen und man das Geräusch der Stromschnellen hört; was will man dann noch mehr?

Der alte Kapitän Marlowe erzählt seinen Freunden von seiner Reise den Kongo hinauf. Dort sucht und findet er den geheimnisvollen Mister Kurtz, der eine Art Phantom unter den Elfenbeinhändlern zu sein scheint. Gerüchte eilen ihm voraus und der junge Marlowe muss seinen ganzen Mut zusammennehmen, um die gefahrvolle Reise zu meistern...

Eine einfache Geschichte, aber erzählt mit Worten, die die Welt still stehen lassen können. Klar, einfach, phantastisch. Wer den Zugang zur Weltliteratur noch nicht gefunden hat, hier kann er es noch einmal versuchen. Sich einfach zurücklehnen, Christian Brückners Stimme lauschen und sich von Joseph Conrad in das dunkle Afrika zur Wende des 19. Jahrhunderts entführen lassen. Eine Reise mit den Ohren, die sie, das kann ich fast versprechen, nie wieder vergessen werden.
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am 1. Juni 2015
Im Werk des in englischer Sprache schreibenden Schriftstellers polnischer Herkunft nimmt die 1899 erstmals erschienene Novelle «Herz der Finsternis» eine Schlüsselrolle ein, sie wird als wichtigste und wirkmächtigste der Erzählungen von Joseph Conrad angesehen. Durch eigene Erlebnisse angeregt beschreibt der Autor eine Flussfahrt ins Innere Afrikas, wobei Fluss und Land unschwer als Kongo erkennbar sind, auch wenn sie im Text unbenannt bleiben. Auf einer Segelyacht warten der Ich-Erzähler und vier weitere Männer in der Themsemündung bei Flut und Windstille auf den Gezeitenwechsel, um flussabwärts zu fahren. In der einsetzenden Dämmerung unterbricht plötzlich der einzige Seemann an Bord die eingetretene Stille: «Und auch dies, sagte Marlow unvermittelt, ist einer der dunklen Plätze der Erde gewesen». Er beginnt von den Römern zu erzählen, die von dieser Stelle aus einst themseaufwärts fuhren, um Britannien zu erobern und auszubeuten.

Mit «seiner Neigung, ein Garn zu spinnen», erzählt der auf allen Weltmeeren herumgekommene, eher biedere Seemann von seiner Sehnsucht nach den weißen Flecken auf der Landkarte, die immer weniger würden, und den größten von allen entdeckt er auf dem afrikanischen Kontinent. Er übernimmt als Kapitän den maroden Flussdampfer einer Elfenbein-Handelsgesellschaft und fährt mit ihm ins «Herz der Finsternis». Gemeint ist damit ein weitgehend gesetzloses, menschenverachtendes Kolonialsystem, das in unersättlicher Gier so viel wie möglich aus dem Land herauszuholen sucht und dabei die Eingeborenen wie Vieh behandelt. Conrads Erzählung geißelt scharf den Rassismus der europäischen Eroberer, der so weit geht, dass nicht wenige von ihnen sogar die These vertreten, die Schwarzen gehörten biologisch nicht der gleichen Spezies an wie die Weißen. Letztere allerdings werden ihrerseits von Marlow als völlig unfähig geschildert, er findet ein heilloses Chaos vor in den Handelsstationen, wo nichts richtig funktioniert, alles irgendwie unsinnig erscheint.

Immer wieder hört er auf seiner Reise 800 Meilen flussaufwärts zu der am weitesten entfernten Station von deren besonders erfolgreichem, fast mythisch verehrten Leiter namens Kurtz, der allein mehr Elfenbein liefere als alle anderen Stationen zusammen. Dieser Erfolg jedoch, das wird Marlow immer deutlicher, ist einzig den perfiden, skrupellosen Methoden des charismatischen Mr. Kurtz zuzuschreiben, dessen habgierige Machenschaften ihn zunehmend abstoßen, je mehr er von ihm erfährt und je mehr er sich seiner Station nähert. Er findet ihn schließlich todkrank vor, nimmt ihn und eine Riesenladung Elfenbein an Bord, - Kurtz jedoch stirbt auf der Rückreise, als letzte Worte haucht er: «Das Grauen! Das Grauen!»

Man muss bei der Würdigung von Joseph Conrads Novelle natürlich berücksichtigen, dass sie zur Blütezeit des Kolonialismus erschien, seine abschreckende Schilderung des Rassenwahns und der ethnischen Säuberungen wurde sicherlich nicht überall erfreut aufgenommen. Gleichwohl ist sie besser geeignet als manche andere Quelle, die Hintergründe der Massaker zu erhellen, die Soziologin Hannah Arendt beispielsweise hat das Buch als Referenz für ihre Darstellung des Rassismus benutzt. Was den puren literarischen Wert anbelangt, und nur das ist hier mein Thema, kann ich den Jubel über diese Novelle nicht nachvollziehen. Das «Grauen», die Finsternis aus dem Titel, bleibt unkonkret, der Bösewicht ist völlig konturlos, die Geschichte ist weder besonders originell noch ist sie sprachlich überragend erzählt, woran, wie verlautet, die «unfähigen Übersetzer» Schuld seien. Mir hingegen scheint die Stärke dieser Prosa vornehmlich in ihrer Thematik zu liegen, die in Joseph Conrads Erkenntnis gründet: «Der Mensch ist ein bösartiges Tier». Warum dies so ist, hat schon Siegmund Freud umgetrieben, die Finsternis hier ist gleichzusetzen mit dem Unbewussten, diesem rätselhaften weißen Fleck auf der Landkarte unserer Seele.
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Es gibt Bücher, mit denen sich Autoren als Hellseher beweisen. "Ich hatte gewaltige Pläne" erklärt Kurtz, der durch sein Charisma, seine "Stimme", auch ohne die Ausführung dieser Pläne bereits einen Landstrich hat in Gewalt und Chaos versinken lassen. "Er hätte einen glänzenden Führer einer extremistischen Partei abgegeben", wird er am Ende charakterisiert. Und natürlich denkt der Leser von heute dann an Hitler und die anderen durchgeknallten Diktatoren des 20. Jahrhunderts, die Menschen durch ihren Mythos begeistern konnten, um damit ganze Gesellschaften in einen Abgrund des bösen geführt haben. Joseph Conrad allerdings schrieb dies alles schon vor 1899. Da sah jemand klar in der Welt, ahnte, was noch kommen würde.

Aber vielleicht war das auch nicht zu prophetisch, vielleicht waren die Übel des 20. Jahrhunderts eben auch schon im 19. Jahrhundert angelegt. Der Fluss, über den Marlow als Erzähler seiner Nemesis entgegen reist, ist natürlich der Kongo. Vieles, was hier beschrieben wird, ist historisch, entspricht Strukturen und Ereignissen im belgischen Freistaat, dem möglicherweise schrecklichsten Beispiel des europäischen Kolonialismus in Afrika in dieser Epoche. Ein Buch namens "Schatten über dem Kongo" von Adam Hochschild beschreibt diese Zeit, und man kann dieses Buch nur als zusätzliche Lektüre zum "Herz der Finsternis" empfehlen. Das besondere am Autor Joseph Conrad ist, dass er seine Welt gut kannte, zur See gefahren ist er, bevor er zum berühmten Schriftsteller wurde, und es heißt, er wäre auch im Kongo gewesen und kannte die Zustände dort aus eigener Erfahrung. Facts und Fiction verschmelzen oft in guter Literatur.

Wie so oft bei Conrad geht es hier um einen einsamen Menschen, der sich allein gegen seine Umgebung wehren muss. Eine Reise in das Böse wird hier beschrieben. Böse, das ist schon der Dschungel, durch den sich dieser Fluss windet, die Natur, die undurchdringlich wirkt und immer wieder Gefahren mit sich bringt. Böse sind auch die Verwaltungsbeamten, die hier namenlos bleiben, Karrieristen, austauschbar, in Intrigen verwoben, scheinbar hochbegabt aber dumm in ihrem Verständnis der Welt. Das Herz der Finsternis ist aber dieser eine Mann, Kurtz, wobei es vielleicht nicht einmal der Mann selbst ist, um den es geht. Kurtz, das ist vor allem ein Mythos, jemand, über dessen Fähigkeiten und Erfolge Dritte sprechen, ohne ihn selbst zu kennen. Jemand, der gezeigt hat, dass es nur einer Überschreitung aller ethischen Grenzen bedarf, um einen solchen Mythos zu schaffen.

Vielleicht die stärksten Passagen dieses Textes sind die, in denen Marlow als Erzähler beschreibt, wie er selbst diesem Mythos fast erliegt. Wie die Faszination dieses Bösen auch ihn beeinflusst, wie er kurz davor steht, selbst in den Kreislauf der Gewalt einzugreifen, wie sich Hass auch in ihm breit macht. Die Rahmenhandlung, die weit später spielt, auch auf einem Fluss, aber in der vermeintlichen Zivilisation, macht diesen Abgrund noch einmal besonders klar. Und verweist darauf, dass dieses Herz der Finsternis an vielen Orten auf dieser Welt existieren kann. Und das ist dann wirklich "The Horror", der Schrecken, der in diesem Buch an prominenter Stelle geschrieben steht.
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am 13. November 2011
Die zutiefst bewegende Erzählung von Joseph Conrad über ein dunkles Kapitel belgisch-europäischer Kolonialgeschichte am Kongo überzeugt neben sprachlich-ästhetischer Klasse vor allem durch seine aktuellen Bezüge: Unverantwortliche Profitgier - Mitarbeiter als ausnutzbares Mittel - Rassismus und Fremdenhass - maßlose Überschätzung der europäischen "Herrenkultur"...Fazit: Wer seine Gegenwart verstehen will und seine Zukunft deuten möchte, sollte seine Vergangenheit kennen!
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am 19. Dezember 2007
Ehrlich gesagt, hätte ich das Buch nicht in meiner Freizeit als Lesestoff gewählt, aber im Rahmen einer Deutscharbeit sollte ich es lesen.

Am Anfang fällt es ein wenig schwer sich an den Schreibstil zu gewöhnen, denn es ist eine sehr bilderreiche Sprache, schließlich wurde das Buch ja auch schon 1899 geschrieben. Aber wenn man sich erst daran gewöhnt hat, ist die Erzählung über die Fahrt auf dem Kongo ins Innerste von Afrika sehr spannend und tiefgründig.

Die Hauptperson Marlow befindet sich nicht nur auf der Reise in "das Herz der Finsternis" auf einem unbekannten Kontinent, sondern auch auf einer Reise zu sich selbst und er muss erkennen, dass wohl jeder Mensch eine dunkle Seite hat, die unter extremen Bedingungen die Oberhand gewinnen kann.

Für mich gibt dieses Buch jede Menge Stoff zum Nachdenken und ist empfehlenswert, wenn man nicht nur reine Unterhaltungslektüre sucht.
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