am Beispiel eines Berliner Sportvereins. "Hertha war kein Nazi-Klub" so urteilt Bram Appel 1988 über den Verein, in dem er während des Weltkrieges als holländischer Zwangsarbeiter sehr erfolgreich in der ersten Mannschaft gestürmt hat. Aber der im "roten Wedding" beheimatete Verein war auf der anderen Seite auch kein Widerstandsnest resümiert der Verfasser zutreffend. Wichtig war seinen Mitgliedern, dass Fussball gespielt wurde. Und so setzte man den SPD Vorstandsmann Wernicke ins zweite Glied, ernannte einen Parteigenossen zum Vereins-"Führer" und passte sich nach aussen hin an. Nach dem Motto: Braune Schale, blau-weisser Kern. Auffallend ist, dass bei aller martialischen Unterstützung des Regimes in den Hertha-Nachrichten antisemitische Ausfälle mit einer einzigen Ausnahme unterblieben. Dass Koerfer auch die schwierigen Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs umfasst, ist schlüssig und gelungen. Am eindrucksvollsten ist die Studie, wenn sie das Schicksal einzelner Mitglieder schildert, so des jüdischen Mannschaftsarztes Dr. Horwitz, der nicht von den Hertha Mitgliedern versteckt wurde, so dass er enteignet und im KZ ermordet wurde; aber auch das Leben von kleinen PG's, die nach dem Krieg in die sowjetischen Zwangslager gerieten. Die Studie hätte es verdient, etwas gründlicher lekturiert zu werden. Bestimmte Redundanzen hätten vermieden werden können. So war es nicht notwendig, die These Goldhagens vom eliminatorischen Antisemitismus des deutschen Volkes gleich zwei Mal zu widerlegen (S. 194 und 159). Auch gewisse stilistische Häßlichkeiten stören, etwa wenn in einem Absatz drei Mal hintereinander das Verhalten der Nazi-Behörden als "mörderisch" (S. 88) bezeichnet werden. Auch sollte ein Sozialwissenschaftler das sprachlich falsche Wort "Dunkelziffer" vermeiden und lieber korrekter vom Dunkelfeld oder der Dunkelzahl sprechen. Diese Kritikpunkte ändern aber nichgts daran, dass es sich um eine spannende Studie handelt. Verdienstvoll auch, dass Hertha die Arbeit vorbehaltlos unterstützt hat - auch wenn nicht immer nur Positives über den Verein berichtet werden konnte!