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...um nicht zu sagen großartig. Mit Gitarren hat das hier auch wenig zu tun, eher mit der ganz eigenen Klangwelt des Martin Gretschmann, seines Zeichens fester und wichtiger Bestandteil der ewigen unterschätzen Kritikerlieblinge Notwist, die alle Jubelschaltjahre mal ein neues Album ernten, nachdem sie es lange lange haben reifen lassen. Dazwischen meldet sich der Gretschmann als Console mit seinen eigenen Projekten. Ob nun Gretschmann solo immer auch etwas klingt wie Notwist oder andersherum mag dahingestellt bleiben, jedenfalls verströmen diese Projekte eine ganz eigene unaufgeregte Geschlossen- und Gelassenheit. Nicht allzu fern, aber etwas abseits der Nervosität der Großstadt (auch wenn München eine der weniger nervösen sein mag) im beschaulichen Weilheim wird das Detail, die Nuance mit Finesse gepflegt und Klangmustern die nötige Zeit zur Entfaltung gelassen.
Wer Notwist pauschal und ungeduldig als langweilig bezeichnet, der hat jedenfalls nicht so genau hingehört und der hat vermutlich auch den Console-Anteil darin überhört. Notwist klingt gelassen, in sich ruhend und wären sie ein Getränk, so vermutlich ein über die Jahre von verschiedenen Eichen- und Barriquefässern zurückhaltend geküsster Spätlese Rotwein. Keine Überseewuchtbrumme, nein keineswegs, sondern der gekonnt zurückhaltende, der auf den zweiten Schluck überzeugende und auf den dritten und vierten ...
Wenn dann die Lust einfach nach Bier, nach Cocktails, Sekt oder auch mal VodkaAufputsch schreit, dann wartet Notwist und der darin vesteckte Console ganz gelassen im Regal ab, denn die Lust auf den gepflegten Roten, die kommt schon wieder.
Wer zwar bisher schon genau zugehört hat und die Finesse erkannte und davon doch einfach mal mehr haben wollte, tragender und erstarkt zur eigenen neuen Identität, und wem Colsole allein bisher zu verspielt, zu vertrackt und zu heterogen vorkam, der sollte hier einmal genauer hinhören.
Wenn Console bei Notwist für die elektrisierende Würze zuständig ist, so erstarkt das Mittel elektronische Klangerzeugung hier zum reinen Instrument. Niemals stehen die Sounds im Mittelpunkt. Die Würze ist die Seele der Songs, die vertonten Gefühle. Wenn das aktuelle Faithless Album ein Ausstellungskatalog des State of the Art der modernen elektronischen Musik sein könnte, dann klingt "Herself" als hätte Console das alles schon mit der Muttermilch aufgesogen.
Das Album ist frisch, gefällig und modern, klingt aber so ausgereift und abgehangen, dass man es vom zweiten Ton an hüten und beschützen möchte und gar nicht weiß ob man sich damit lieber für zwei Wochen in einem klangdichten Raum verbarrikadieren möchte, auf dass nicht ein einziger Ton entweichen möge oder ob man es mit der ganzen Welt teilen möchte.
Ob die Songs auf "Herself" von Miriam Osterrieders cooler weicher Stimme veredelt werden oder ob Console (nur) seine Vielfalt elektronischer Klangstimmen konzertieren lässt, das Album saugt den Zuhörer kontinuierlich in eine eigene sehr schlüssige Klangwelt.
Fast überflüssig zu erwähnen, dass gretschmann nicht nur ein Klangmeister sondern auch ein echter Virtuose subtiler aber wirkungsvoller Beats ist und so ist auch für ausreichend Groove bestens gesorgt. Und würde man den Gretschmann damit nicht ohrfeigen, könnte man sagen das ist mit Abstand das popigste Album, das er produziert hat. Sagen wir daher lieber so, es geht dazu neben dem Rotwein auch gut ein Bier, bestimmt auch ein Cocktail oder Sekt und vermutlich sogar der geflügelte Vodka. Ein teilweise fast clubtaugliches Wohnzimmer Kopffilmalbum.
Klanglich ist das ganze freilich über alle Zweifel erhaben und die zwei mal 160 Gramm Vinyl eine echte Delikatesse. Versüßt werden sie noch dazu von einem kleinen Silberling, den es obendrauf gibt, ohne dass man es dem schon für das Doppelvinyl günstigen Preis anmerkt.
Die Vinyls sind etwas anders abgemischt und klingen gegenüber der wuchtigeren CD etwas weiträumiger.