Diese Biographie beschreibt das Leben der Blanca von Kastilien (1188 - 1252) von ihrem 12.Lebensjahr, als ihre Großmutter Eleonore von Aquitanien sie abholte, um sie zu ihrem zukünftigen Ehemann Ludwig VIII von Frankreich zu geleiten, bis zu ihrem Tod im Alter von 64 Jahren.
Blanca wird gemeinsam mit ihrem Zukünftigen erzogen und ausgebildet, die Ehe der beiden ist sehr harmonisch und wird mit vielen Kindern gesegnet, von denen vier Söhne und eine Tochter das Erwachsenenalter erreichen. Ludwig und Blanca sind ein gutes Team und beraten gemeinsam über politische Entscheidungen. Dies ermöglicht es Blanca auch, nach dem allzu frühen Tod ihres geliebten Mannes für ihren noch unmündigen Sohn Ludwig (nachmalig Ludwig IX, der Heilige) zu regieren. Auch als dieser erwachsen wird und verheiratet ist, bleibt Blanca seine wichtigste Beraterin. Die Zeiten sind schwierig: im Süden Frankreichs treiben die Katharer/Albigenser ihr "Unwesen", gefährlicher sind jedoch die Umtriebe französischer Barone, die gegen die "Weiberherrschaft" aufbegehren wollen und die gelegentlichen Ambitionen des englischen Königs Heinrich III, der gern die Oberhoheit über von seinem Vater, Johann Ohneland, verlorene Gebiete wiedererlangen würde. Für die Mitglieder des Hochadels gehört es sozusagen zum guten Ton, an einem Kreuzzug teilzunehmen.
Die Persönlichkeit Blancas wird deutlich und differenziert dargestellt: sie ist intelligent, politisch talentiert, entschlussfreudig, sehr pflichtbewusst (Das Königreich ist gegenüber persönlichen Befindlichkeiten vorrangig), eine treue und loyale Ehefrau, eine gute Mutter ... und eine entsetzliche Schwiegermutter.
Die Autorin hat gründlich recherchiert und dabei viele Originalquellen zu Rate gezogen, so gibt es z.B. viele Informatuionen, die auf den zeitgenössischen Chronisten Johann von Joinville
zurückgehen. Die Biographie beinhaltet eine schier unermessliche Fülle von Informationen. Glücklicherweise gibt es im Anhang außer einem Literaturverzeichnis und einer Karte des mittelalterlichen Frankreich auch noch genealogische Tafeln, sonst wäre es mit dem Überblick über die vielen Adeligen mit immer gleichen Namen schwierig geworden.
Das Buch ist sehr gut lesbar, fast in Romanform, jedoch ohne wörtliche Rede geschrieben. Ich hätte mir zur Veranschaulichung jedoch noch eine Bebilderung gewünscht.
Insgesamt ist diese Biographie für Mittelalter-Interessierte aber sehr empfehlenswert.