Der Kaiser ist im alten Rom immer schon die Integrationsfigur des Reiches. Art der Ausübung seiner Herrschaft ist Spiegelbild für Wohlstand und Erfolg gleichsam wie für Niederlagen und Rezession. In der vorliegenden Darstellung geht es um die Wandlung des römischen Kaisertums/ Kaiserbildes in der Spätantike - d.h. vom ende des 3.Jh. n.Chr bis ins 6. Jh. Ein romantisiertes Sinnbild für das Reich in der zurückliegenden hohen Kaiserzeit ist der Kaiser als optimaler princeps, als der beste erste Mann im Staat, der sich als "primus inter pares" - der Erste unter Gleichen - versteht. Sein Lebenswandel ist spartanisch, er selbst reitet in Feldherrentracht an der Spitze seiner Legionen.
Betrachtet man das Kaiserbild der Spätantike, so lassen sich wesentliche Wandlungen der Kaiserideologie ausmachen. Neue Ideen, Wertvorstellungen, Insignien und Zeremonien treten hinzu. Das Christentum gewinnt zudem zunehmend Einfluss auf den römischen Staat und auch auf Vorstellungen davon, was von einem römischen Kaiser zu erwarten ist. Immer pompöser und prunkvoller werden kaiserliche Insignien und Zeremonien in der Spätantike. Schließlich wird der sakralisierte Kaiser unnahbar und verlässt - wie im Falle eines Justinian - seinen Palast kaum noch.
Doch warnt Kolb mit Recht eindringlich davor, dass Kaiserbild der Spätantike als Ausdruck des Niedergangs des römischen Reichs zu betrachten. Denn niemals vorher hat das Herrscherbild der Kaiser eine solche Komplexität angenommen.
Die Darstellung besteht insgesamt aus zwei Hauptteilen; einmal aus einem darstellenden Part und wiederum aus einer Materialiensammlung, mittels derer das Herrscherbild und dessen Wandlungen an Quellen dokumentiert werden. Da sich das Buch eher an Studierende richten dürfte, ist ein gewisses Vorwissen über die Spätantike sicher hilfreich, aber nicht zwingend von Nöten. Jedenfalls werden allen Interessierten tiefe Einblicke in das Herrschaftsverständnis der röm. Kaiser jener Epoche gewährt.