Vorsicht für Genießer: Spoiler zu Band 1 und 2 sind zu finden, die für Interessenten, die sich noch nicht eingelesen haben, eventuell störend oder spaßmindern sein könnten:
"In dem Ihr mich tötet, verdammt Ihr Euch selbst!" - Das waren die letzten Worte des Obersten Herrschers und sie haben einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Auch jetzt noch und nach so langer Zeit. Denn wie man im vorangegangenen Band "Krieger des Feuers" erfahren durfte, war Raschek nicht nur der bekannte Unterdrücker. Im Gegenteil. Er war ein Held, der sich mühte das Richtige zu tun und am Irrsinn der Realität scheiterte. Trotz der dadurch entstandenen Verzweiflung ließ er es sich nicht nehmen bestimmte Vorkehrungen zu treffen, um das Überleben seines Volkes zu sichern. Oder zumindest dessen Illusion auf Hoffnung. Eine Hoffnung die Vin und Elant nach dem Sturz des Obersten Herrschers nicht lange teilen dürfen, denn ihr Gegner ist nun Ruin, ein uralter Gott aus Terris. Ein Wesen, das zerstören möchte und Elant schließlich zum Handeln zwingt. Denn seine bisher so bewundernswert betriebene Politik stößt in diesem Fall an ihre Grenzen. Mehr noch: Sie wirkt zeitverschwendend und unnötig. Moralische Vorstellungen prallen an festgelegte Glaubensgrundsätze. Letztere kollidieren mit den blutrünstigen Taten, die notwendig wären um das Neue Reich vor dem Untergang zu bewahren. Elant und Vin müssen schlussendlich für sich entscheiden, ob die Rettung der Welt es wert ist, die Grausamkeiten und Fehler des letzten Jahrtausends zu wiederholen.
Mit diesem neuen, actiongeladenen Fokus präsentiert sich "Herrscher des Lichts" um ein vielfaches schwungvoller als seine beiden Vorgänger. Denn anders als in "Kinder des Nebels" und "Krieger des Feuers" rücken die politischen Aspekte des Reiches endlich in den Hintergrund. Sie weichen einer sehr greifbaren Spannung, die oftmals mit wunderbaren Kampfeinlagen verbunden ist. Ebenso gelungen sind einmal mehr die Charaktere. Sie wirken stimmig, entwickeln sich weiter und erfreuen des Herz des Lesers immer noch so, wie sie es im ersten Band vermochten. Elants Wandlung vom Gelehrten zum Herrscher wird nun deutlicher; seine damit einhergehenden Zweifeln wachsen. Auch Vin ist immer weniger mit sich im Reinen. Doch der so dringend benötigte Zuspruch bleibt der inzwischen jungen Frau verwehrt, denn ihre Gefährten habe eine eigenständige Mission zu erfüllen und bieten damit immer wieder einige vom Trübsinn losgelöste Handlungspassagen. Hamms, Wehers und Spukis Charme ist hierbei ungebrochen. Nur Sazed leidet weiterhin besonders unter dem Verlust seine Geliebten. Sein Glaube ist verloren und eben jener ist unabdingbar, um in dieser Welt zu bestehen.
Denn Theologie wird auch in "Herrscher des Lichts" einmal mehr groß geschrieben. Egal ob man sich den vielen Glaubensrichtungen bewusst werden mag, oder eben nicht, so ist dennoch deutlich festzustellen, dass Brandon Sanderson zwischen Vernunft und Glaube (der an sich selbst und an einen Gott) zu vermitteln versucht. Seinen Gedankengänge sind nicht immer genau nachzuvollziehen, dennoch aber begeistert die vorherrschende Komplexität. Immer und immer wieder. Viele Idee klingen darüber hinaus unverbraucht und lassen den Autor somit über die kleineren Stolpersteine (kleinere Längen, so manche "Zufälle") triumphieren, die auch in diesem Teil enthalten sind. Sehr viel Wissen wird wiederholt, um dem Leser immer wieder zu erklären, warum etwas wie ist, und wenn man es genau nimmt, so wirkt es, als hätte der Autor sein Vertrauen in den Leser verbraucht. Ein Eindruck, den man ihm vergibt, da das Thema umfassend, die Entwicklung berauschend und die Furcht durchaus nachzuempfinden ist, dass alles ein bisschen überfordern könnte.
Fazit
"Herrscher des Lichts" ist der würdig erhoffte Abschluss einer wunderbaren Trilogie, die sich kein Fantasy-Fan entgehen lassen sollte. Auf über 2880 Seiten werden umfassend der Untergang und die Wiedergeburt einer Welt erzählt, deren Schicksal besiegelt scheint. - Ein außergewöhnliches Thema. Ein außergewöhnlicher Autor und ein überaus unterhaltsames Finale dieser Buchreihe, die nachdenkliche Themen in den Mittelpunkt stellt.
Pro und Kontra
+ teilweise sehr spannend
+ innovativ & tiefgründig
+ wunderbare Charaktere
+ intelligente Fantasy
+ überraschende Wendungen
+ ein würdiger Abschluss der Trilogie
o Zusammenfassung des ersten Bandes & Glossar vorhanden
- Längen im Mittelteil
- inhaltliche Wiederholungen
Bewertung:
Handlung: 5 / 5
Charaktere: 4,5 / 5
Lesespaß: 4,5 / 5
Preis/Leistung: 4 / 5
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