Kamose ist im zweiten Buch der Trilogie die tragische Hauptfigur. Er ist nun Oberhaupt der Familie, und nachdem Apophis den Aufstand seiner Familie gestraft und die Taos öffentlich gedemütigt hat, bleibt dem stolzen und von Visionen heimgesuchten Kamose keine andere Wahl - er versucht erneut, ein Heer aufzustellen und aus den Fehlern seines Vaters zu lernen. Es folgen reihenweise Eroberungen von Städten den Nil entlang nach Norden, wo Apophis in seiner befestigten und uneinnehmbaren Hauptstadt im Nildelta sitzt. Diese Eroberungen sind von großer Brutalität gekennzeichnet, die kaum einer von Kamoses Gefolgsmännern nachvollziehen kann.
Mich hat dieses Buch sehr bewegt, dichterische Freiheit bei den Charakteren hin oder her. Die innere Zerrissenheit Kamoses, der weiß, wie gnadenlos und brutal er erscheint, der aber dieses Verhalten als einzigen Weg zum Erfolg sieht, ist wirklich ein meisterhaftes Porträt aus Pauline Gedges Feder. Man fühlt mit ihm, man hat Mitleid mit ihm, weil er sich einsam und unverstanden fühlt mit seiner Verantwortung, die schon fast zu schwer wiegt.
Auch die anderen Charaktere sind wie immer sehr gut beschrieben; manchmal vom Erzähler, manchmal aber auch aus dem subjektiven Blickwinkel anderer Romanfiguren. Man erkennt Entwicklungen in den Persönlichkeiten der Tao-Familie, und selbst Apophis wird nicht als gesichtsloser Thronräuber dargestellt, sondern als Mensch, den man vielleicht gar nicht mal so übel finden würde, wenn er nicht der Nemesis der Taos wäre. Tani, Kamoses Schwester, und ihre dramatische Wandlung wird aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet - dem der Mutter, des ehemals Geliebten, der Geschwister, und Tanis eigene Wertung fehlt auch nicht.
Eine der Szenen, die mich persönlich sprachlos machten, war der vernichtende Schlag gegen Apophis' Truppen, indem Kamose durch einen gewagten Plan die halbe Feindesarmee in der Wüste verdursten ließ - das alles ist unglaublich spannend geschildert aus Ramoses Perspektive, der treuer Freund der Taos ist.
Alles in allem ist die gesamte Trilogie das beste an historischer Fiktion, was ich je gelesen habe. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich diese Bücher noch oft zur Hand nehmen werde, um mich hineinzaubern zu lassen in den Kampf Kamoses und seiner Familie um den rechtmäßigen Platz auf dem Thron Ägyptens.