Jack Vance ist zweifelsohne einer der ganz Großen im Bereich der Fantasy. Mit seinem Lyonesse-Zyklus, dessen erste zwei Bände hier vereint vorliegen, begibt er sich ins Quasi-Frühmittelalter, noch vor die Zeit der Artus-Sage. Seine Geschichte spielt auf den Älteren Inseln, einer Landschaft, die er ungefähr im bzw. vor dem heutigen Golf von Biscaya ansiedelt. Vance's Geschick ist es, komplizierte, wohldurchdachte Gesellschaftsordnungen zu entwerfen, in denen meistens ein Rebell sich zu Recht gegen die herrschende Ordnung auflehnt. Dies ist hier nicht so - seine Hauptfigur Aillas ist eher "der Gute", der sich über insgesamt drei Bände die Alleinherrschaft über die Älteren Inseln sichert. Interessante Charaktere zuhauf tummeln sich in der Geschichte: Magier, Halbmagier, Elfen und andere Halblinge, Menschen, ein mysteriöses vorskandinavisches Volk... Trotzdem keine reine Schwarz-weiß- oder Gut-Böse-Malerei, denn Vance versteht es, seine Charaktere vielseitig und fesselnd zu gestalten. Der zweite Band hat allerdings doch einen leichten Durchhänger - er kommt nicht an den Erzählfluß des ersten heran. Wer nach Lesen dieses Doppelbandes zur dritten Geschichte "Madouc" greift, wird wieder versöhnt werden, denn hier treffen sich alle Handlungsstränge wieder und steuern auf ein fulminantes Ende hin. Wer Fantasy oder mittelalterliches Ambiente mag, wird den Lyonesse-Zyklus mögen!
Wenn es nicht - zugegeben, wenige - noch bessere Fantasy-Erzählungen gäbe (und Altmeister J.R.R. Tolkien ist ja auch noch da...), dann gäbe es von mir auch den fünften Stern. Trotzdem: "Lyonesse" erhält meine klare Kaufempfehlung!