»Dieser Sammelband ist ein Beitrag zur Lagebestimmung des Geschlechterverhältnisses in der westlichen Welt zu Beginn des neuen Jahrtausends. Er soll Missstände ebenso aufzeigen wie Absurditäten und gesellschaftliche Schieflagen. [Er] versammelt 85 Beiträge von prominenten Frauen « (und einen von Lilo Wanders) »aus Kultur, Kunst, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Sport. Anekdotisch und gut gelaunt bis launisch schildern sie ihre ganz persönliche Einstellung zum Ist-Zustand des Patriarchats. Mal ernst, mal ironisierend, mal provokativ präsentieren die Autorinnen ihre originellen wie gänzlich verschiedenen Beiträge. «
Diesem Anspruch wird das Werk gerecht. Dabei reichen die Beiträge von einer 'netten' Geschichte der Nachrichtensprecherin Dagmar Berghoff über einen typisch offen schockierenden, makabren und zynischen Beitrag von Sibylle Berg bis hin zu kurzen, sehr subjektiven Berichten von Ursula Engelen-Kefer und Charlotte Knobloch. Die zahlreichen Texte und die unterschiedlichen optischen Beiträge sind skurril, intellektuell, ketzerisch, politisch, ironisch, persönlich. Sie zeigen vielfältige Sichtweisen, geben Anstöße oder regen zum Nachdenken an.
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger meint beispielsweise, »von einer formalen, einer Gleichberechtigung de jure kann durchaus gesprochen werden - von einer Gleichberechtigung de facto sind wir aber noch weit entfernt.« Das oft zitierte Patriarchat wird hart hinterleuchtet oder dessen Existenz in unserer heutigen Gesellschaft sogar in Frage gestellt. Susanne Kronzucker stellt ein weibliches Privileg mit einem Augenzwinkern in den Vordergrund: »Ich möchte weder ledig noch kinderlos, nicht alleinerziehend sein und auch nicht Vollzeit arbeiten.« Christiane zu Salm benennt einen weiteren Vorteil: »Denn das Schönste am Frausein in Führungspositionen ist und bleibt für mich: das Unterschätztwerden. Die Geschäfte laufen so einfach besser.«
Insgesamt stellen die vielstimmigen Beiträge eine breit gefächerte Bestandsaufnahme zur Geschlechterdifferenz aus verschiedenen Blickwinkeln und Erfahrungshorizonten dar. Leider werden manche aktuellen Problemfelder wie der 'körperliche Normierungswahn' (nach Claudia Roth) oder Veränderungen in den Einstellungen der Jugendlichen, die Ute Frevert anspricht (»Die jüngste Männerstudie der katholischen und protestantischen Kirchen weist aus, dass das Bild des 'modernen', partnerschaftlich denkenden Mannes gerade unter den ganz jungen Männern immer weniger Beifall findet. Nur 13 Prozent der unter Neunzehnjährigen können sich dafür erwärmen.«), nur angerissen. Die 'Frauen in Führungspositionen' zeigen oft nur einen recht elitären (Karriere-)Blick aus gehobener Position auf unsere Gesellschaft, dem die Ein-Sichten 'von unten' größtenteils fehlen.