| ||||||||||||||||||
Produktinformation
|
Die Stundenpriesterin trat ein, in den Händen noch den Visierstab, mit dem sie den Lauf der Stunden bestimmt hatte. "Langes Leben für dich, Herrin", rief sie fröhlich und ließ sich nieder, um Neiths Füße zu küssen. "Die Sänfte steht bereit, um dich in den Tempel zu bringen."
"Wie, kein Frühstück?" fragte Neith, während sie aus dem Bett schlüpfte. Die Priesterin lachte.
"Nein, angehender Horus! Du hast einen langen Tag vor dir, und du wirst fasten." Sie half Neith in einen hauchdünnen Mantel und setzte ihr den königlichen Stirnreif auf. Neith ging vor das Haus, wo die Sänftenträger im fahlgrauen Licht der Dämmerung warteten. Re hatte seine tägliche Reise schon begonnen, als sie im Hof des Tempels anlangte. Hier wartete die gesamte Priesterschaft des Ptah. Sabu-Tjeti trat vor und nahm ihr den Stirnreif ab.
"Deine Zeit als Königin ist zu Ende", sagte er feierlich"Nun werden Geier und Kobra über deiner Stirn wachen." Er führte sie zum heiligen See, wo sie den Mantel von ihren Schultern gleiten ließ und die Stufen ins Wasser hinabstieg. Ausgiebig wusch sie ihr altes Leben ab; alle Berührungen mit vergossenem Blut und dem rohen Körper des Aamu verschwanden im Wasser des Sees. Nackt folgte sie dem Hohenpriester in die nach Myrrhe und Weihrauch duftende Pfeilerhalle. Im Allerheiligsten angekommen, ergriff er eine zu Füßen des Ptah stehende Schale und besprengte Neith mit geweihtem Wasser.
"Du hast die Wahl, deine Haare zu scheren oder eine Kappe zu tragen", sagte er. "Kein Mensch darf die Haare eines Pharao sehen."
Neith kniete vor dem unverhüllten Standbild des Ptah und deutete auf eine blaue Leinenkappe, wie sie die Priester des Gottes trugen. Ihre Haare verschwanden unter dem Leinen; eine Hathor-Priesterin erschien an ihrer Seite, kniete vor ihr und schminkte mit großzügigen, zu den Schläfen hin verlängerten Kohelstrichen ihre Augen. Blauen Puder, mit Goldstaub vermischt, trug sie auf die Lider auf, dazu eine rötliche Paste auf die Lippen. Auch die Spitzen von Neiths Brüsten färbte sie leuchtendrot. Währenddessen murmelte die Priesterin einen Reinigungsspruch: "Schön wie Re selbst bist du, göttlicher Falke."
Nackt und gereinigt stieg Horus auf die Erde, um erneut einen Menschen zum lebenden Gott zu machen, und nackt ging Neith zurück in den Tempelhof, wo sich mittlerweile eine ähnlich große Menschenmenge wie die Tage zuvor versammelt hatte. Re stand im Zenit und sandte seine heißen Strahlen auf seine neue Tochter. Horus und Seth erschienen an ihrer Seite und kleideten sie in das königliche Ornat: den Falkenschurz, Sandalen aus purem Gold, einen Halskragen aus Lapislazuli und den Krönungsumhang, ein schweres Gebilde, mit goldenen Federn und Perlen verziert. Zuletzt band ihr Sabu-Tjeti den Zeremonienbart unter das Kinn.
Auch "Herrin zweier Länder" besticht wieder durch die dichte Atmosphäre. Man liest ein Buch über das alte Ägypten und ist mitten drin. Fühlt die Hitze, den Staub und das schlammige Nilwasser, hofft auf die kommende Flut. Neith selbst ist eine sehr vielschichtige Persönlichkeit, die es mir oft schwer machte, sie zu mögen. Als Priesterin der kriegerischen Göttin Sachmet verfolgt sie ihren Plan - wie ihre Feinde - oft recht blutrünstig. Doch das besondere an dem Buch ist, dass die Gedanken und das Verhalten der Personen auf mich nahezu authentisch wirkten. Ich konnte meist nichts von einer Anpassung an unsere westliche Neuzeit erkennen. Es ist nicht wichtig, dass man sich als Leser mit den Hauptcharakteren identifizieren kann.
... Lesen Sie weiter... ›|
Das Forum zu diesem Produkt
Fragen stellen, Meinungen austauschen, Einblicke gewinnen Aktive Diskussionen in ähnlichen Foren
Kundendiskussionen durchsuchen
|
Ähnliche Foren
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|