Während manches Period Picture Ort und Zeit einleitend genau angibt, heißt es in "Yellow Sky" nur: The West - 1867. Zeitlich fixiert man sehr genau die Wirren nach dem Sezessionskrieg, örtlich geht es in ein Niemandsland. Bereits in der fulminanten Einführung wird dieses Land als absolut unwirtlich von allen Seiten dargestellt: Auf der einen Seite eine endlose Salzwüste, auf der anderen ein unüberwindliches Gebirge. Sieben Männer stehen bildlich wie allegorisch zwischen zwei verschiedenen Seiten eines Landes. Und das Land steht genauso ungeschützt vor dem Abgrund wie eine fast nackte Frau auf einem Gemälde. Die sieben Männer wollen sich angesichts dieser Situation nehmen, was sie kriegen können (so wie einer von ihnen das Gemälde entsprechend kommentiert). Sie sind eine Truppe versprengter Konföderierter, die nicht mehr in den Schoß der Army zurückkehren können und zu Banditen geworden sind. Vielleicht hatte Regisseur William Wellman an dieselbe Gruppe gedacht, die auch in Clint Eastwoods "Der Texaner" vorkam und die es wirklich gegeben hatte, und vielleicht hat sich Eastwood später auch von Wellman inspirieren lassen - er kannte den Altmeister persönlich und hatte in jungen Jahren eine Nebenrolle in seinem letzten Film gehabt (wobei man bei einem Filmkenner wie Eastwood ohnehin davon ausgehen kann, dass er wichtige Wellman-Filme gesehen hat). Wie dem auch sei, der Krieg hat in "Yellow Sky" nicht Ordnung, sondern Chaos hergestellt. In einem kleinen Ort erfahren die sieben Männer nur, dass der Marshall nicht mehr da sei - so dass sie flugs die Bank ausrauben können. Bei der anschließenden Verfolgungsjagd zeigt Wellman, dass er immer noch ein klasse Actionregisseur ist. Es ist eine hervorragende Kameraarbeit, wie sich ohne Schnitt aus dem erst unscheinbar erscheinenden Verfolgertrupp die Reiter plötzlich so ins Bild schieben, dass sich herausstellt: Die sind verdammt zahlreich und füllen die ganze Bildbreite aus. Anschließend gelingen packende Standardszenen mit gefährlich nah an der Kamera reitenden Pferden. Der Verzicht auf Musik in diesen Szenen unterstützt die bedrohliche Wirkung des hektischen Hufgetrappels, das die einzige Geräuschkulisse darstellt. Inhaltlich setzt Wellman seine (für einen Western von 1948 erfrischend moderne und ungewöhnliche) desillusionistische Haltung fort: Den Uniformierten ist es am Wichtigsten, den Langsamsten der sieben abzuknallen, der noch das Käppi der Konföderierten trägt. Der Bankraub ist zweitrangig; die verbleibenden sechs würden schon in der Salzwüste umkommen.
Dies tun sie jedoch nicht, sondern treffen auf eine Geisterstadt. Genau wie die Wüste auf die Verwüstung des Landes schließen ließ, kündet diese Stadt von enttäuschten Hoffnungen und desolaten Zuständen. "Yellow Sky" heißt sie, laut einem schon längst halb am Boden liegenden Schild die am schnellsten wachsende Stadt der Gegend. Doch Boomtown war gestern. Der Saloon-Name "El Dorado" deutet darauf hin, dass das hier einmal ein Goldgräberparadies war, doch der Himmel ist nicht (gold)gelb. Stattdessen werfen die halb zusammengebrochenen Häuser und dadurch besonders engen Räume mitunter verwinkelte Schatten, die eher an den Film Noir erinnern. Das Gold, so stellt sich heraus, das gibt es zwar noch, aber es dient nur dazu, dass ein alter Mann und seine Enkelin es mit Klauen und Zähnen bewachen. Diese beiden sind die letzten Bewohner von Yellow Sky, und der Reichtum hat sich für sie nicht gelohnt: Sie sind von anderen Menschen völlig abgeschnitten, können sich also auch nichts davon kaufen. Und wenn doch einmal Fremde kommen, so müssen sie fürchten, beraubt zu werden. Was angesichts unserer verwegenen nun immerhin noch sechs Männer nicht ganz fernliegend ist.
Der Film konzentriert sich nun auf seine Hauptfiguren, als da wären die Enkelin "Mike" (Anne Baxter), der Bandenchef James (Gregory Peck) und dessen Rivale "Dude" (Richard Widmark). Der Film zeigt anhand von allen dreien, was das Chaos im Lande mit ihnen angerichtet hat, denn sie führen sämtlich ein Leben jenseits ihrer natürlichen Neigungen. James ist eigentlich ein Ehrenmann, der durch den Krieg zum Entwurzelten wurde und bereits in seiner Kindheit durch die Umstände lernen musste, zwischen den Fronten zu bestehen, was eben nur mit einem Schießeisen ging, wie er einmal berichtet. Er versucht noch die Ganovenehre aufrechtzuerhalten. Er ist der Gute, der zum Bösen werden musste. Mike ist die Frau, die zum Mann werden musste. Sie hat einen männlichen Spitznamen, schießt, kleidet und prügelt sich wie ein Mann. Der "Dude" ist ebenso ein sprechender Name wie Mike - lange vor "The Big Lebowsky" und "Findet Nemo" verstand man darunter einen großstädtischen, sich korrekt kleidenden Mann, was sich auch mit Hochmut assoziieren lässt. Er scheint zwar bei den Bösen völlig korrekt aufgehoben zu sein, aber auch er ist eigentlich im falschen Leben. Angesichts der unwirtlichen Gegend ist er tatsächlich befremdlich gut gekleidet, und er hatte sich zu Beginn am entschiedensten geweigert, die Wüste zu durchqueren. Später berichtet er von einem Erlebnis als Falschspieler: Das Tricksen und die damit verbundenen Orte der Boomtown-Saloons sind eher sein Metier als das des offen gewalttätigen Räubers und Flüchtenden durch karges Land. Als die Männer einmal eine weiße Fahne schwenken müssen und der Dude als einziger ein weißes Hemd hat, das er dafür hergeben muss, ist endgültig klar, dass ihm sein Platz besonders eindrücklich streitig gemacht wird und dass es mit ihm zum Konflikt kommen muss. The Dude doesn't abide.
James gelingt die Rückverwandlung noch am ehesten, als er sich endlich einmal wieder wäscht, rasiert und sein Hemd wechselt. Natürlich hat er sich längst in Mike verliebt, auch wenn diese für den 1948er US-Film erfreulich zäh ist (und Anne Baxter das mit einer jugendlichen Energie spielt, die seinerzeit bei Ida Lupino und Barbara Stanwyck gelegentlich schon ein bißchen routiniert wirkte). So erfreulich das ist, muss jedoch auch Mike erkennen, dass sie im falschen Leben ist - weil sie keine Frau ist. Bei der ersten Begegnung mit ihr (und ihrem Gewehr) redet einer der Männer sogleich darüber, wie das wohl wäre, mit ihr verheiratet zu sein. Und das dürfte auch ihre Bestimmung sein. Während sie zunächst ein Bild einer Frau in Damenkleidern wütend von der Wand reißt (und verdammt gut aussieht in Jeans und Hemd), wird sie in der Schlussszene von James einen Damenhut als Geschenk gerne annehmen, als Zeichen, dass sie nun zu "ihrer Rolle als Frau" gefunden hat. Denn so ganz glücklich ist sie als "that he-girl" (wie einer der Männer einmal über sie sagt) nicht. Als sie mit einem bemerkenswerten Schuss (nur noch von Lee van Cleef in "Für ein paar Dollar mehr" übertroffen) James' Kopfhaut und Haar absichtlich angesengt, aber ihn nicht ernsthaft verletzt hat, fragt ihr Großvater, warum sie das getan habe. "I don't know", muss sie eingestehen. Ihre Attacken sind im Grunde immer deutlicher gegen sich selbst gerichtet, gegen ihr Zerrbild als "he-girl", bis sie per Damenhut davon erlöst und zur wahren Frau gemacht wird. Bereits vorher haben wir Mikes richtigen Namen erfahren: Constance May; ersterer also "die Beständige". Auch dies mag ein Zeichen dafür sein, dass die Frau letztlich doch nicht aus ihrer Rolle ausbrechen soll. Das kann man kritisieren, und tatsächlich fand ich es aus emanzipatorischer Sicht ein bißchen schade. Anne Baxter hat aber immer noch genug Frauenpower, um über weite Strecken ein starkes und ungewöhnliches Porträt abzugeben. Außerdem fügt sich ihre Psychologisierung schön in das Muster von "Menschen im falschen Leben" ein.
Am Ende mag es zwar für die Protagonisten eine Wiederherstellung der Ordnung geben, aber Wellman belässt es bei dem Privaten. Anders als bei John Ford hat das mit einer Wiederherstellung oder erstmaligen Errichtung der großen Vision der wirklich vereinigten Vereinigten Staaten wenig zu tun. Das Land bleibt zerrissen, die Boomtown am Boden liegend. Darin ist der Film unerhört modern.
Modern ist er auch in der Darstellungsweise. Wenngleich der Einsatz von Gregory Peck als "gutem Bösen" und von Richard Widmark als bösem Bösen (gerade in der Frühzeit beider Karriere) nicht überrascht, liefern sie doch gute Leistungen ab. Gentleman Peck kann tatsächlich in stoischer Ruhe, die Hand kurz vor dem Colt, eine virile Erscheinung und Bedrohlichkeit abgeben, die man ihm kaum zugetraut hätte. Richard Widmark erledigt das gewohnt souverän mit einer fast psychopathischen Nervosität. Die Kameraarbeit entwickelt ein Gefühl von Ungewissheit, wenn Wellman auch in den wide open spaces des Westerns immer wieder Gelegenheiten sucht und findet, das Geschehen teilweise verdeckt zu zeigen. Hier balgt man sich halb in Scheunen und hinter Zäunen sowie in den engen verfallenen Räumen der Geisterstadt. Dies erhöht die Spannung, weil oft nicht genau erkennbar ist, was genau passiert, wer die Oberhand hat und wie Antagonisten reagieren (auch gefühlsmäßig - etwa wenn James Mike hinter einem Zaun zu küssen versucht).
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