Aus der Amazon.de-Redaktion
Julia Onken ist Psychologin und Therapeutin. Mit
Herrin im eigenen Haus. Weshalb Frauen ihr Selbstbewusstsein verlieren und wie sie es zurückgewinnen wendet sie sich einem Problem zu, das wahrscheinlich viele längst für gelöst halten. Die Frauenbewegung ist passé und das zu Recht. Mehr Frauen als jemals zuvor sind berufstätig, alleinerziehend, sexuell befreit und offen lesbisch -- d.h. auf viele mögliche Arten selbstbewusst. Oder?
Julia Onken wirft einen kritischen Blick auf sich selbst und andere Frauen im Beruf, in der Mode, in der Psychotherapie usw. Ihre Wahrnehmung ist ernüchternd: Die meisten Frauen sind nicht selbstbewusst. Und die Beispiele für mangelndes Selbstbewusstsein, die sie anführt, rauben alle Illusionen. Überzeugend stellt Julia Onken die vielen Gesichter von mangelndem Selbstbewusstsein dar: Depressionen, Gefühle der Unsicherheit, chronische Unzufriedenheit, Perfektionszwang oder Es-allen-Recht-machen-wollen. Weiblichkeit bedeutet heute für viele Frauen unbewusst noch immer sexuelle Ausbeutung, Abhängigkeit und Fremdbestimmung sowie Minderwertigkeit.
Auf eine sehr angenehme Weise führt die Psychologin ihre Leserinnen durch das Buch. Ihre Sprache ist klar und einfach verständlich. Die Inhalte von Herrin im eigenen Haus sind gut strukturiert und plausibel aufbereitet. Frau Onken kombiniert persönliche Erfahrungen und psychologisches Wissen, was sympathisch und kompetent zugleich wirkt. Herrin im eigenen Haus ist nicht nur eine gelungene Analyse des derzeitigen Ist-Zustands "Frauen haben kein Selbstbewusstsein", sondern klärt auch über die historischen und strukturalen Ursachen auf.
Wer sich wundert, warum Millionen Frauen noch immer nichts erfolgreich gegen diese Ursachen unternehmen, erfährt im Kapitel "Schwesternstreit" alles Wissenswerte zum Thema Widerstände. Das Schönste an Julia Onkens Ratgeber ist jedoch, dass die Autorin es nicht dabei belässt, das Problem nur zu benennen und nach Erklärungen zu forschen. Sie präsentiert auch Lösungen. Wer Auswege sucht, findet bei Julia Onken tatsächlich praktische Hilfe. Herrin im eigenen Haus ist ehrlich, an manchen Stellen sogar schmerzhaft, aber auch unaufdringlich tröstend -- wie eine Psychotherapiestunde eben sein sollte. --Dr. Verena Laschinger
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Kurzbeschreibung
Wer glaubt, die Frauenbewegung hätte es längst geschafft, dass Frauen gleichberechtigt in Gesellschaft und Beruf etabliert sind, der irrt gewaltig. Noch immer bestimmt das männlich-dominierte Denken, was Weiblichkeit ist, noch immer fühlen sich Frauen viel zu oft minderwertig, unzufrieden und zutiefst verunsichert und verharren in belastenden Beziehungen. Die bekannte Psychologin und Bestsellerautorin Julia Onken geht in diesem Buch der Frage nach, warum Frauen an mangelndem Selbstbewusstsein leiden, warum sie sich in ihrem Selbst nicht zu Hause, sich nicht als Herrin ihrer selbst fühlen. Sie appeliert ab alle Frauen, Stellung zu beziehen, ihren häufig verschütteten Wünschen und Bedürfnissen nachzuspüren und sich ihrer ureigenen Stärke bewusst zu werden. Ein engagiertes und kämpferisches Buch zu einem Thema, von dem vor allem Männer glauben, es gehöre längst der Vergangenheit an.
Über den Autor
Julia Onken, geboren 1942, arbeitet als Psychologin und Therapeutin. Sie ist Gründerin und Leiterin des „Frauenseminars Bodensee“ und leitet seit vielen Jahren Aus- und Weiterbildungskurse sowie Paarseminare. Jedes ihrer Bücher "Feuerzeichenfrau", "Geliehenes Glück", "Vatermänner", "Spiegelbilder" und "Kirschen in Nachbars Garten" wurde zum Bestseller.
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Fremd im eigenen Haus Achtung, bissiger Hund Frederic geht heute Abend zum Karate. Huck! Zack! Arme und Beine durch die Luft schleudern, den Fuß mit Schwung ins gegnerische Gesicht schmettern. »Du solltest die schüchternen Häschen aus der Anfängerklasse sehen! Bereits nach einem halben Monat haben sie einen anderen Blick. Nach zwei Monaten blicken sie kühn. Und ein halbes Jahr später kommt ihnen kein Mann mehr zu nahe.« Frederic will mich seit langem dazu überreden, an einem Karatekurs teilzunehmen. Ich will nicht. »Schließlich bin ich Psychologin, kümmere mich um Hintergründe und schlüssele Zusammenhänge auf«, argumentiere ich. »Eben«, erwidert er, »man sieht ja, wie weit du damit kommst.« Der Abend wird lang ohne ihn. Alleine zu Abend essen. Mit dem Hund spazieren gehen. Aber schließlich sind Hundebesitzerinnen gegen Alleinsein gefeit. Da schnauft und keucht stets ein warmer Atem in die Nacht, wenn das Bett nebenan leer bleibt, oder am Sonntagmorgen, der da festlich vor einem liegt, so trostlos heiter, wenn feierlich aufkeimende Gefühle nicht mit einer anderen Menschenseele geteilt werden können. Da tröstet die feuchte Hundeschnauze, und die Hundehaare im Tee und am schwarzen, frisch gereinigten Kostüm nerven köstlich. Wir drehen unsere Runden. Gehen stets zur gleichen Uhrzeit die gleichen Wege. Der feuchte Nebel mag nicht so recht zur Jahreszeit passen. Schemenhaft zeichnet sich ein nahendes Auto ab. Es hält an. Etwas kleines Vierbeiniges hüpft heraus. Es ist noch viel zu früh, um meinen Schäferhund an die Leine zu legen. Der über zweijährige Tierheimaufenthalt hat sein Aggressionspotenzial derart gestärkt, dass er auf alle anderen Hunde stürzt, mörderisch rauft und vor allem zubeißt. Ich bin also vorsichtig, will nichts riskieren, nehme ihn früher als nötig an die dicke Leine und halte sie mit beiden Händen fest. Der Hundebesitzer kommt näher, vor ihm kaspert der kleine Fox herum, hüpft vergnügt vor ihm her. Und ehe ich mich umsehe, springt der niedliche Hund auf uns zu, ich will ihn abwehren, er aber fasst es wohl als besondere Einladung auf und landet direkt meinem Hund vor den Füßen. Der Rest vollzieht sich schnell: Rony beißt mitten in das Tier hinein, das Blut spritzt, er wirft seinen großen Kopf hin und her und schüttelt den verletzten Hund, der in seiner Schnauze wie ein lebloses Spielzeug hängt. Ich schlage schreiend mit der Lederleine auf Rony ein, was ohne jegliche Wirkung bleibt. Und mitten in diesem schrecklichen Kampf fällt mir ein, wie Frederic die ersten Überfälle von Rony auf andere Hunde noch zu einem akzeptablen Ende führen konnte, indem er am hinteren Lauf zog. Und genau das mache ich mit meiner ganzen Kraft. Rony versucht sein Gleichgewicht zu halten, derweil ihm der Fox aus der Schnauze fällt. Der Hundebesitzer greift sofort nach dem blutenden Tier, während ich Rony an der Leine nach Hause zerre, wo ich ihn einsperre und sofort zur Unglücksstelle zurückeile. Der Hundebesitzer versucht, das überall herausschießende Blut zu stillen. Er schreit, ich solle ein Auto herbeischaffen. Atemlos laufe ich nochmals zurück und hole meines. Wir versuchen vorsichtig, das schwer verletzte Tier auf den Rücksitz zu betten. Beim Tierarzt wird geröntgt und genäht, und ich bezahle die Rechnung. Dann überreicht mir der Hundebesitzer seine Visitenkarte und verlangt die meine, da, so meint er, ich noch von ihm hören werde. Zwei Wochen später überreicht er mir noch weitere Rechnungen, diejenigen einer chemischen Reinigung, einer Lederwarenboutique für eine neue Lederjacke und eines Schuhgeschäftes. Auch ich habe Mühe mit dem beigen Ledersitz in meinem Auto. Die Flecken sitzen tief. Nachdem alle Rechnungen bezahlt sind, erzähle ich diese Geschichte beiläufig einem befreundeten Rechtsanwalt. Dieser klärt mich auf: Wenn ich meinen Hund an der Leine führe und ein anderer Hundebesitzer den seinen frei herumspringen lässt, ist der andere für alles, was geschieht, verantwortlich und muss für anfallende Schäden selbst aufkommen. Im Nachhinein leuchtete es mir ein. In der akuten Situation aber verließ mich die Fähigkeit zu denken. Und warum? Weil ich blitzartig mein Selbstbewusstsein verlor. Das Selbstbewusstsein aber kann nur dann abhanden kommen, wenn es nicht tief genug verankert ist, wenn es in unseren Innenräumen nicht Platz genommen hat, sondern wie ein Schatten mal hier, mal dort herumhuscht. Da genügt ein leichter Windhauch, und es ist verschwunden. Es ist ein Gefühl, als wären wir uns abhanden gekommen, als wären wir nicht zu Hause. Wir verlieren die Orientierung und sind nicht in der Lage, einfache Sachverhalte realistisch einzuschätzen. Wie viele Frauen haben bereitwillig sofort Autoschäden bezahlt, weil einfach ein anderer überzeugt die Meinung vertrat, es sei ihre Schuld? Wie viele Frauen werden von ihren Vermietern aufgefordert, Zahlungen für irgendwelche Defekte zu leisten, die nicht gerechtfertigt sind? Es scheint uns im Blut zu liegen, auf alle Fälle die Schuld zu übernehmen. Und es gibt immer einen Grund, sich schuldig zu fühlen! Wir fühlen uns schuldig, wenn wir Kinder in diese Welt gesetzt haben, aber wir fühlen uns auch dann schuldig, wenn wir keine Kinder haben. Wir fühlen uns schuldig, wenn wir berufstätig sind, aber wir fühlen uns auch schuldig, wenn wir zu Hause die Kinder aufziehen und uns um den Haushalt kümmern. Wir fühlen uns grundsätzlich in der Erziehung unserer Kinder schuldig und übernehmen auch großzügigerweise den Schuldanteil des Ehemannes. Wir fühlen uns schuldig, wenn die Partnerschaft aus dem Ruder läuft, aber wir fühlen uns auch schuldig, wenn es uns gut geht (bei dem Elend auf der ganzen Welt!). Und auch in den Fragen globaler Probleme wie Weltkriege, Massaker, Ausrottung ganzer Volksgruppen in diesem Jahrhundert nehmen wir bereitwillig die Schuld auf uns - obwohl bekanntlich ausschließlich Männer dafür verantwortlich zu machen sind. Totalverschnitt Früher setzte ich stets die größten Hoffnungen in die Verwandlungskünste meiner Friseuse. Obwohl das Resultat immer zu wünschen übrig ließ - was nicht nur an ihr lag -, lieferte ich mich ihr immer wieder aufs Neue aus. Und als sie eines Tages auf die unglückselige Idee verfiel, meine halblangen blond-grau melierten Haare nicht nur pechschwarz einzufärben, sondern mir auch noch gleichzeitig eine Dauerwelle zu verpassen, stimmte ich ihrem Vorschlag experimentierfreudig zu. Schlimmer als der jetzige Zustand könne es ohnehin nicht mehr werden, dachte ich. Zudem, so spekulierte ich in meinen typisch weiblichen Denkmustern, könnte es meiner Partnerbeziehung nur gut tun, für etwas optische Abwechslung zu sorgen. Ich war weder betäubt noch vermindert zurechnungsfähig, und doch ließ ich mit offenen Augen das Unglück zu. Jeden Handgriff beobachtete ich, mit welchem sich die systematische Verunstaltung vollzog. Nach drei Stunden verließ ich den Salon mit einer schwarzen Krause, die sich wie mattes Stroh um mein Gesicht kringelte. Ich setzte mich ins Auto und heulte. Zu Hause stellte ich mich unter die Dusche, shampoonierte, spülte und shampoonierte und spülte, mal heiß, mal kalt - die Krause blieb. Die Farbe ebenso. Warum kann es zu derartigem Fehlverhalten kommen? Warum tappen wir stets erneut in die Falle, selbst dann, wenn uns längst klar geworden ist, dass wir uns anders verhalten sollten? Es gibt grundsätzlich zwei große Fallen. Die eine ist: Ein anderer tritt auf und lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass er im Recht ist, es besser weiß, klüger ist, über eine bessere Ausbildung und größere Kompetenz verfügt. Dies genügt, und uns Frauen wankt der Boden unter den Füßen. Wir verlieren unverzüglich alles, was wir einst an Wissen gespeichert haben, und wir verlieren vor allem das Gefühl für uns selbst. Die Schaltzentrale setzt aus. Wir lassen uns selbst im Stich. Schließlich wissen es andere besser. Andere werden in unserer Vorstellung erhöht, während wir selbst zusammenschrumpfen. Wer selbstsicher von Frauen völlig unberechtigte Forderungen...