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Herrin der Lüge Taschenbuch – 15. Juli 2008

36 Kundenrezensionen

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 848 Seiten
  • Verlag: Bastei Lübbe (15. Juli 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3404158911
  • ISBN-13: 978-3404158911
  • Größe und/oder Gewicht: 12,6 x 5,1 x 18,5 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (36 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 475.622 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Kai Meyer geboren 1969, studierte Film- und Theaterwissenschaften und arbeitete als Journalist, bevor er sich ganz auf das Schreiben von Büchern verlegte. Er hat inzwischen über fünfzig Titel veröffentlicht, darunter zahlreiche Bestseller, und gilt als einer der wichtigsten Phantastik-Autoren Deutschlands. Seine Werke erscheinen auch als Film-, Comic- und Hörspieladaptionen und wurden in dreißig Sprachen übersetzt.

INTERVIEW:

Wieso schreiben Sie phantastische Romane?

Weil die phantastische Literatur mehr Farben bietet als die realistische. Und weil alles, was wir uns vorstellen und in Gedanken ausmalen können, ebenso real ist wie die konkrete "wirkliche" Welt um uns herum. Unsere Phantasie (d.h. Wünsche, Träume, Ziele) beeinflussen unseren Alltag weit mehr als die konkrete Entscheidung, welches Auto wir uns kaufen. Oder welches Brötchen beim Bäcker.

Immer wieder wird über den Sinn und die "Legitimität" von Fantasy diskutiert. Wie sehen Sie die Rolle der Fantasy heute?

Im besten Fall ist Fantasy Symbolismus, vermischt mit guter Unterhaltung. Manchmal ist sie nur das eine, manchmal nur das andere, und viel zu oft leider keines von beidem. Aber so ist das immer, wenn ein Genre erfolgreich wird. Es gibt gute und schlechte Thriller, gute und schlechte romantische Komödien. Das trifft genauso auf die Fantasy zu. Wenn die Qualität stimmt, muss man über Legitimität nicht diskutieren.

Welches Ihrer Bücher würden Sie am ehesten empfehlen?

Dazu müsste ich den einen speziellen Leser kennen, der diese Frage stellt. Und seine Interessen oder zumindest seinen Geschmack. Generell: ARKADIEN ERWACHT. Fantasy-Fans sind sicher mit der STURMKÖNIGE-Trilogie gut bedient, Horror-Leser mit DIE VATIKAN-VERSCHWÖRUNG, DAS ZWEITE GESICHT oder GÖTTIN DER WÜSTE. Historische Romane mit phantastischem Einschlag: DAS BUCH VON EDEN und LORELEY. (Fast) reine Historie: HERRIN DER LÜGE. Jemandem aus der Gothic-Szene würde ich DIE ALCHIMISTIN empfehlen. Jugendlichen eine der anderen Trilogien. Aber das ist alles sehr verallgemeinernd.

Wie kam Ihnen die Idee zu Ihren ARKADIEN-Romanen?

Ich arbeite seit jeher gern mit mythologischen Elementen. So entstanden irgendwann die Arkadischen Dynastien - eigentlich ein mehr oder minder erfundener Mythos, der aber wie ein echter erscheinen soll. Als mir klar war, dass es um Gestaltwandler aus der Antike gehen würde, die auch in unserer Zeit als Familienclans im Verborgenen weiterexistieren, führte mich das recht schnell zur Mafia - eine der letzten dynastisch organisierten Machtstrukturen der Gegenwart. Zudem fand ich es interessant, dass die Cosa Nostra selbst im Geheimen operiert, zugleich aber den Deckmantel für etwas noch sehr viel Rätselhafteres und Gefährlicheres abgeben sollte.Das war der Hintergrund, den ich mir vage zurechtgelegt hatte. Dann erschien Rosa auf der Bildfläche und krempelte alles um. Plötzlich kreiste die Geschichte vor allem um sie und ihre Beziehung zu Alessandro Carnevare. Das war für mich eines der ersten Male, dass ein Charakter derart zwingend den Plot umgeformt hat. Etwas Ähnliches ist mir nur zwei, drei Mal vorher passiert, vor allem in DIE ALCHIMISTIN. Unter anderem deshalb hat Aura Institoris in ARKADIEN BRENNT einen kurzen Gastauftritt, auch die inhaltlichen Querverbindungen wurden im zweiten Band immer offensichtlicher.

Wie verläuft ein Arbeitstag bei Ihnen?

Aufstehen um sechs, frühstücken, mit dem Hund draußen auf den Feldern spazieren gehen, gegen acht, halb neun am Schreibtisch sitzen und die ersten E-Mails beantworten. Dann überarbeite ich meine Seiten vom Vortag und versuche, zehn neue zu schreiben. Oft klappt das, aber nicht immer, weil ich mich genau wie alle anderen von Anrufen, E-Mails und dem Internet im Allgemeinen ablenken lasse. Es ist in den letzten Jahren auch ein ziemlich hoher organisatorischer Aufwand hinzugekommen, trotz meiner Agentur: Ich schreibe oder überarbeite Rückseitentexte, diskutiere über Coverentwürfe, korrigiere Manuskripte meiner Hörspieladaptionen usw.

Wie lange schreiben Sie im Schnitt an einem Buch?

An ARKADIEN ERWACHT habe ich ungefähr fünf Monate geschrieben - im Anschluss an eine etwa ebenso lange Phase der Konzeption. Ich erarbeite über mehrere Monate ein sehr genaues Exposé der Handlung, das im Fall von ARKADIEN ERWACHT etwa vierzig Seiten dick war. Im Fall von ARKADIEN BRENNT hatte das Exposé rund fünfzig Seiten, beim dritten Band fast sechzig. Die Arbeit daran dauert meist zwischen zwei und vier Monaten.

Sie verwenden oft starke Mädchen und Frauen als Hauptfiguren. Warum entscheiden Sie sich für weibliche Protagonisten?

Die WOLKENVOLK-Trilogie hat einen männlichen Protagonisten, die WELLENLÄUFER- und die MERLE-Trilogien nahezu gleichwertige männliche Nebenfiguren. Frauen schreiben ja auch aus der Sicht von Männern, letztlich ist das gar nicht so schwierig. Man muss sich nur in andere hineinversetzen können, dann spielt das Geschlecht keine große Rolle mehr. Ich weiß nicht genau, woher der Eindruck rührt, dass ich nur über Mädchen und Frauen schreibe. Die Frage danach taucht immer wieder auf. Aber niemand will von J.K. Rowling wissen, warum ihre Bücher "Harry Potter" und nicht "Hermione Granger" heißen.

Haben Sie einen Ratschlag für alle, die mit dem Schreiben beginnen möchten?

Schreiben ist in erster Linie kein Beruf, kein Status, kein Ziel und keine Erfolgsformel - Schreiben ist eine ganz konkrete Tätigkeit. Also erzähle mir keiner: "Irgendwann schreibe ich auch mal ein Buch." Ich sage ja auch nicht zu einem Chirurgen: "Irgendwann arbeite ich auch mal am offenen Gehirn." Wer schreiben will, muss es vor allen Dingen tun. Jetzt. Dann zeigt sich recht schnell, ob man tatsächlich das Talent dazu hat oder nicht. Schreiben bedeutet zu einem erheblichen Teil Selbstdisziplin. Manchmal muss man sich zwingen, sich hinzusetzen und loszulegen. Oder weiterzumachen. Wer das nicht kann, braucht auch nicht davon zu träumen, mal ein Buch zu veröffentlichen.

Produktbeschreibungen

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Wann der Lügengeist in sie gefahren ist, weiß Saga nicht mehr genau. Vielleicht wohnt er schon seit ihrer Geburt in ihr, vielleicht aber auch erst seit jenem Tag, an dem sie zum ersten Mal mit seiner Hilfe gelogen hat. Eigentlich gibt es ohnehin nur eine Regel, die der Lügengeist ihr immer wieder einflüstert: Wichtig ist zu erkennen, dass die Leute belogen werden wollen. Diese Eigenschaft der Masse hat sich die Gauklerin, die mit ihrem harschen Vater und dem geliebten Zwillingsbruder Faun von Jahrmarkt zu Jahrmarkt zieht, bei ihren Auftritten zueigen gemacht: "Der eitle Händler, der immer schon vermutet hatte, dass der Himmel selbst ihn beschützte. Eine Frau, die nicht wahrhaben wollte, dass ihr Mann sie betrog. Ein Trunkenbold, der damit prahlte, mehr saufen zu können als jeder andere. Sie alle waren so leicht zu durchschauen gewesen."

Jetzt sitzt Saga im Kerker und weiß nicht warum. Vielleicht hat es mit Faun zu tun, der wieder einmal gestohlen hat? Aber warum kommt dann die alte Nonne zu ihr und behauptet, man wolle sie "zur Magdalena machen"? Bald erfährt die Herrin der Lüge die Wahrheit. Als Predigerin soll sie im Auftrag der skrupellosen Gräfin Violante, deren Mann bei einem Kreuzzug verschollen ist, als neue Heilige einen Zug von Frauen um sich versammeln und mit dem Tross nach Jerusalem ziehen. Währenddessen versucht Faun, die "beste Lügnerin der Welt" aus den Klauen der Gräfin zu befreien. Dabei wird eine ungeheuerliche Lüge offenbar, die die ganze Christenheit erschüttern könnte…

Mit Herrin der Lüge hat Kai Meyer einen wundervollen Historienroman vorgelegt, der alles hat, was atemlose Spannung erzeugt und zudem noch hineinführt in ein dunkles Kapitel des Abendlands. Und wenn die Geschichte von Saga und Faun auch nicht wahr ist, so ist sie doch wundervoll erlogen. --Isa Gerck -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

"Es gab weibliche Ritter unter den Franken, mit Rüstungen und
Helmen, gekleidet wie Männer, die ins dichte Schlachtgetümmel ritten und
männliche Härte zeigten trotz der Schwäche ihres Geschlechts. Sie trugen
Panzerhemden und wurden erst erkannt, als sie der Waffen entkleidet und
entblößt wurden."
Imad ad-Din, Saladins Sekretär, 12. Jahrhundert
"Frauen zogen in den fränkischen Reihen mit, saßen keck mit gespreizten
Beinen nach Männerart im Sattel, trugen Männergewand und sahen mit ihren
Lanzen und Rüstungen wie Männer aus, blickten auch ganz kriegerisch und
taten noch männlicher als die Amazonen."
Niketas Choniates, byzantinischer Chronist, 12. Jahrhundert

Prolog in Flammen

Anno Domini 1204

Sechs Jahre vor dem Kreuzzug der Jungfrauen

Die Nacht war aus Asche, als der Maskierte einen Weg durch das brennende
Konstantinopel suchte. Die beiden Kinder an seinen Händen waren verstummt
und blickten mit aufgerissenen Augen in die Zerstörung ringsum; sie weinten
lautlos und mit starren Gesichtern.
Es roch nach Ruß und geöffneten Leibern, nach vergossenem Wein und dem
Angstschweiß der Geschändeten. Wo der Maskierte die Pulks aus betrunkenen
Eroberern umgehen konnte, tat er es so früh wie möglich. Meist hörte er die
Schreie der Opfer, bevor er jemanden sah. Dann zog er seine beiden Söhne in
die ausgebrannten Ruinen der Häuser, schlich durch Gassen, in denen sich
der Schutt geborstener Fassaden türmte, suchte den Schutz der lichtlosen
Keller.
Ihre Verfolger blieben unsichtbar. Doch der Maskierte spürte ihre Nähe.
Der kleinere der beiden Jungen stolperte - nicht zum ersten Mal. Der Mann
fluchte leise, zerrte ihn zurück auf die Füße und wünschte
insgeheim, er könnte sanfter sein, liebevoller, wie es sich für einen Vater
gehörte.
Es war der dritte Tag der Plünderung, und noch immer wehten Feuer in
lodernden Flammenstürmen über Dächer und Kuppeln Konstantinopels hinweg,
schlängelten sich in zerfransten Glutspiralen an Türmen empor und fauchten
hungrig durch die Gassen und einstigen Prachtstraßen. Dort, wo es für die
Flammen am wenigsten zu holen gab, wüteten sie mit der größten
Beharrlichkeit: in den Elendsquartieren am Stadtrand und am Ufer des Lycus,
in den schäbigen Vergnügungsvierteln hinter dem Prospherionhafen und den
Anlegestellen an der Südküste.
Nur in den Palästen waren alle Brände rasch gelöscht worden. Hier hatten
die Eroberer eigenhändig jede Glut erstickt, damit ja kein Stück dem
Feuerorkan zum Opfer fiel: Die Diener der Kirche Roms achteten sorgsam auf
ihre Beute.
Der Maskierte war auf der Seite der Sieger gewesen, als der finale Angriff
auf die Stadt begann. Vor über einer Woche, am sechsten April, war draußen
am Goldenen Horn zur letzten Schlacht geblasen worden. Die Schiffe der
Verteidiger hatten verzweifelt versucht, die Kreuzfahrer auf ihren
venezianischen Galeeren von den Stadtmauern fern zu halten. Aber es hatte
nicht lange gedauert, ehe die ersten Ritter aus dem Westen an Land gegangen
waren. Das Viertel von Blachernae war zuerst gefallen, seine Stadtmauer
geborsten, die Männer auf den Zinnen niedergemacht. Während der
byzantinische Kaiser seinem Volk den Rücken kehrte und feige durchs Goldene
Tor nach Thrazien floh, fielen seine Krieger unter dem Ansturm der Feinde,
zusammengetrieben und massakriert wie Vieh. Die ältesten unter den
Eroberern waren längst übereingekommen, dass es nie zuvor eine Plünderung
wie diese gegeben hatte. Nirgends sonst waren die Kirchen vergoldet bis
unters Dachgebälk, nirgends die Paläste bis zum Bersten gefüllt mit
Reichtum. Konstantinopel war ihnen allen wie das Himmelreich erschienen.
Doch die Hauptstadt von Byzanz, das Herz des östlichen Christentums, war
gefallen. Das Paradies stand in Flammen. Und seine Einwohner waren tot,
vertrieben, den Gelüsten ihrer Peiniger ausgeliefert.
Der Maskierte zerrte die Kinder vorwärts. Der Junge weinte jetzt noch
heftiger, verschluckte sich fast an seinem Schluchzen.
"Er kann nicht mehr laufen", sagte sein ältester Sohn, die ersten Worte
seit einer Ewigkeit. "Du musst ihn tragen."
Der Maskierte nickte stumm. Er, der so viele Kämpfe geschlagen hatte,
fühlte sich hilflos wie nie zuvor. Selbst auf das Naheliegende war er nicht
gekommen. Er packte den Kleinen unter den Achseln und hob ihn auf seine
Arme. "Halt dich gut fest. Hörst du?"
Der Kleine schluchzte etwas.
"Hast du verstanden? Gut festhalten!"
So hetzten sie weiter, der Junge schwer und immer schwerer, den Kopf an die
Schulter seines Vaters gepresst. Sein älterer Bruder, mit sechs Jahren
selbst noch ein kleines Kind, stolperte neben ihnen her, mit kurzen
Schritten, außer Atem, aber tapfer wie ein Erwachsener. Der Maskierte war
maßlos stolz auf ihn. Er liebte beide Kinder, aber der Erstgeborene
war ihm immer näher gewesen. Warum hätte er daraus ein Geheimnis machen
sollen? Er hatte auch unter seinen Hunden Favoriten, die schnellen, die
scharfen, all jene, die sich aufs Kämpfen verstanden.
Nicht mehr weit bis zur Aelios-Zisterne. Er konnte ihren schwarz gezahnten
Dachstuhl sehen, Teile der zerfallenen Außenmauer über den unterirdischen
Wassergewölben. Feuer wüteten im Inneren, er sah ihren Schein auf schwarzen
Qualmballen über dem nördlichen Viertel. Von dort aus war es nur noch ein
Steinwurf bis zum Charisius-Tor in der Stadtmauer. Dahinter lag im Norden
und Osten offenes Land. Freiheit und Rettung, dafür betete er.
Bevor er gezwungen gewesen war, mit den Kindern die Flucht zu ergreifen,
hatte er Boten an seine Getreuen ausgesandt. Sie lungerten auf dem weiten
Platz vor der Hagia Sophia, auf den Foren des Konstantin und Theodosius, im
Schatten des Valens-Aquädukts und auf der Rennbahn nahe des
Bucoleon-Palastes, wo längst keine Pferde und Hunde mehr hechelten, sondern
aus allen Richtungen Frauen zusammengetrieben wurden. Dem Geschäft des
Tötens war das Geschäft des Raubens gefolgt, und es waren keine Stunden
vergangen, ehe die Ersten das Geschäft des Fleisches entdeckt hatten. Nun
wurden Kinder und Mädchen aus den Ruinen gezerrt, aus Verschlägen in halb
verschütteten Kellern und Fluchtkammern hinter angekohlten Mauern, um den
unersättlichen Appetit der Eroberer zu stillen.
Der Junge regte sich in seinen Armen. Der Maskierte umschloss den kleinen
Körper fester.
Wenn nur ein Viertel seiner Getreuen dem Aufruf folgten, konnte er hoffen.
Vielleicht sogar einige mehr, falls sie genug Kraft aufbrachten, um den Weg
durch die Stadt zum Tor und zur Straße nach Adrianopel zu finden.
Lasst alles zurück, besagte seine Botschaft an sie. Sammelt euch und folgt
mir. Gehorcht nur mir, nicht den anderen. Ich bin der, für den ihr kämpft.
Und kämpft für meine Söhne!
Er verlangte viel von ihnen, das wusste er. Keiner von ihnen kannte die
wahren Gründe für seine Flucht. Sie ahnten nichts von der geheimen
Zusammenkunft und dem Vertrag. Ausgehandelt in nur wenigen Tagen hatte das
Dokument ausgelöscht, was Jahrhunderte lang gewachsen war.
Er selbst hatte vorausgesehen, was geschehen würde. Den Angriff, den
Untergang. Er hatte es zugelassen, wusste um seinen Teil der Schuld. Aber
er hatte nicht den Geruch erahnen können, hatte sich nicht ausgemalt, wie
es war, wenn Tausende von Kriegern über eine Stadt herfielen, mit der es
nichts, rein gar nichts in ihrer Heimat aufnehmen konnte.
Nun blieb ihm nur die Flucht. Und die verzweifelte Hoffnung, dass er das
Tor erreichte, ehe die anderen ihn fanden.
Der Maskierte bog mit den Kindern aus dem Gewirr der Gassen auf die
Hauptstraße. Sie führte in gerader Linie vom Forum des Theodosius hinaus
aus der Stadt. Der Vierjährige schluchzte noch immer an seiner Schulter,
beinahe... -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.


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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen

22 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von Amazon-Kunde am 31. Dezember 2006
Format: Gebundene Ausgabe
Mit „Herrin der Lüge“ begibt sich Kai Meyer nach „Das Buch von Eden“ wieder auf das Terrain des historischen Romans mit einigen phantastischen Beigaben.

Erzählt wird die Geschichte von Saga und Faun, zwei Gauklerzwilligen, und dem „Kreuzzug der Jungfrauen“. Sagas Gabe, die beste Lügnerin der Welt zu sein, wird ihr zum Verhängnis: Sie wird gezwungen, einen Kreuzzug der Jungfrauen ins heilige Land zu führen. Als „Motivation“ wird ihr Bruder eingekerkert, so dass sich Saga in die Rolle fügt. Nachdem Faun sich befreien konnte, reist er Saga nach und trifft dabei die geheimnisvolle Tiessa.

Aus diesem, zugegeben gnadenlos verkürzten, Handlungsaufbau entstehen dann auch eine der größten Stärken und die gewichtigste Schwäche des Buchs. Der gesamte Hauptteil des Romans erzählt von den Reisen der unterschiedlichen Gruppen, vor allem von Saga und Faun und ihren Begleitern. Reiseerzählungen sind häufig unglaublich langatmig zu lesen und ein Roman, der darauf aufbaut ist mutig. Kai Meyer erweist sich jedoch als exzellenter Erzähler. Die Beobachtungen am Wegesrand sind spannend und handeln oftmals von den Menschen und den Anforderungen des Lebens. Es findet kein Abhaken von Stationen und zurückgelegter Strecke statt, stattdessen konzentriert sich die Erzählung auf die Abschnitte, an denen etwas geschieht. Mal in Form von temporeichen Abenteuern, mal in Form von Charakterbildung. Dabei gelingt es Meyer, eine Gefahr zu umgehen: Faun folgt Saga und gelangt daher häufig an die gleichen Orte wie zuvor seine Schwester. Dabei hat man jedoch nie das Gefühl, dass sich die Geschichte wiederholt. Klasse.

Und genau das führt zu einer Schwäche des Romans.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von Elena "lesetraeume.net" am 13. Mai 2011
Format: Audio CD
Frühjahr 1210: Das ganze Land ist schwer verwundet vom Bürgerkrieg, der Feldzug der Kreuzfahrer gegen Konstantinopel noch allem im Gedächtnis. Die Gauklerin Saga zieht mit ihrer Familie von Burg zu Burg und ist der Star der Truppe, denn sie hat ein besonderes Talent: Sie ist die beste Lügnerin der Welt, mithilfe des Lügengeistes kann sie jeden belügen, der belogen werden will. Diese Fähigkeit will sich Gräfin Violante von Lerch zunutze machen und setzt ihren Zwillingsbruder Faun gefangen. Wenn er nicht sterben soll, muss Saga Violante begleiten und als "Magdalena" zum Jungfrauen-Kreuzzug aufrufen. Während sie Richtung Süden mit einem gewaltigen Tross junger Kreuzfahrerinnen reisen, schafft Faun es zu entkommen und versucht nun seine Schwester einzuholen. Unterwegs trifft er Tiessa, fortan reisen sie gemeinsam. Er muss jedoch bald feststellen, dass die junge Frau so einiges verheimlicht. Die Geschwister ahnen nicht, dass sie einer gewaltigen Intrige auf die Spur gekommen sind, dessen Aufdeckung die ganze Christenheit erschüttern könnte ...

Die Erzählung begleitet neben Faun und Saga zeitweilig auch noch ein kleines tapfere Mädchen, welches den unheimlichen Bethanier ausgeliefert ist und Gruseliges durchstehen hat. Doch im Mittelpunkt befinden sich die Zwillinge. Faun merkt schnell, dass Tiessa verfolgt wird und so eilen sie nicht nur den Heerzug hinterher, sondern sind gleichzeitig auch noch auf der Flucht vor Tiessas Häschern. Währenddessen begegnet Saga unterwegs vielen Menschen, welche sie fortan auf ihrer Reise begleitet: Söldnerführer Zinder, welcher das Herz am rechten Fleck hat. Die unglücklich verheiratete Jorinde von Rialt.
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Format: Taschenbuch
Ich habe den Roman gern gelesen, er ist sehr gut geschrieben und spannend. Vielleicht genügt das schon. Für die meisten Bücher. Von einem richtig guten Buch hätte ich aber etwas mehr erwartet. Leider ist m. E. die Hauptfigur Saga am unglaubwürdigsten. Sie lügt für meine Begriffe absolut schlecht. Jeder Wanderprediger an der Ecke hätte besser gepredigt. Die Erfindung des Lügengeistes finde ich abstrus. Zum guten Lügen genügen etwas schauspielerisches Talent und gute Menschenkenntnis. Dass sie also als beste Lügnerin auserwählt wurde und die fünftausend Jungfrauen überzeugen konnte, halte ich für Nonsens. Und dass der Lügengeist sie jedesmal so quält, für reine Fantasy. Außerdem hat die Figur für mich keine besondere Ausstrahlung und macht auch kaum eine Wandlung durch. Denn wenn ich brennende Leichenberge gesehen hätte von Frauen, die ich selbst durch meine Lügen verführt habe, dann könnte ich nie mehr im Leben froh werden. Ein Buch kann von mir aus brutal und grausam sein, so wie es ja wohl auch teilweise gewesen ist. Aber wenn dieser Grausamkeit nicht von einigen Figuren energisch entgegengetreten wird - und das hat mir gefehlt - dann werden die Taten unerträglich.
Ein Kreuzzug der Frauen könnte ich mir vorstellen, aber nicht aus dem Grund, den die Gräfin Violante hatte. Das ist total an den Haaren herbeigezogen. Sozusagen von hinten durch die Brust. Und dass Saga ihr bei diesem extrem verbrecherischen Vorhaben hilft, ist unglaubwürdig, da sie als positive Figur aufgebaut ist. Die Sorge um den Bruder wird hinfällig, weil sie bei der skrupellosen Gräfin überhaupt nicht davon ausgehen kann, dass er überhaupt noch lebt.
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