Oliver Hilmes hat schon mit seiner Alma Mahler-Werfel - Biographie "Witwe im Wahn" bewiesen, dass er sich auf umstrittene Persönlichkeiten versteht. In seinem neuen Buch "Herrin des Hügels" über Richard Wagners Frau Cosima widmet er sich einer "Frau an seiner Seite", die viel mehr als nur Muse war. Einerseits erwarb Cosima Wagner große Verdienste um die Gralshüterschaft, andererseits legte sie eine Saat, die unter der zweiten starken Frau in Bayreuth, Winifred Wagner, am grünen Hügel schließlich unheilvoll aufging. Als Antisemitin reinsten Wassers überflügelte sie gar den "Meister", und sorgte für ein rechtes Klima, in dem Hitler sich schließlich sehr wohl fühlen sollte...
Davon ist jedoch noch keine Rede, als Cosima d´Agoult als uneheliche Tochter Franz Liszts 1837 geboren wird. Die Beziehung ihrer Eltern scheiterte, ihre Mutter und ihr vielbeschäftigter Vater gaben sie in die wechselnde Obhut verschiedenster Gouvernanten, die ihr eine strenge und lieblose Erziehung angedeihen ließen. Als junge Frau kommt sie schließlich nach Berlin, lernt in dessen Elternhaus den Komponisten von Bülow kennen und heiratet ihn überstürzt. Bülow gehört zum engsten Kreis um Richard Wagner und bald beginnen Cosima und Wagner eine Affäre, die von Bülow lange geduldet wird, bis Cosima sich schließlich doch von ihm trennt. In der Ehe mit Richard Wagner unterwirft sie sich ganz dem Meister, hat aber andererseits ein Talent für das Strippenziehen im Hintergrund, dass nach dem Tod Wagners erst ganz zur Geltung kommt.
Ihr gelingt es, die Bayreuther Festspiele zu einer Institution zu machen, sie führt mit Weitblick die Geschäfte und meistert allerhand Krisen, bis sie das Tagesgeschäft an ihren Sohn Siegfried übergibt, der kurz nach ihrem Tod 1930 ebenfalls stirbt.
Cosima Wagner war eine bedeutende und starke Persönlichkeit ihrer Zeit. Ihr gelang es, sich über Konventionen immer wieder hinweg- und ihren Willen stets durch zu setzen und ihr Feld so zu bestellen, dass Bayreuth bis heute alle Krisen überstand.
Sie war kompromisslos und hart, wenn es um ihre Sache ging, und ihre Sache war stets die Musik und das Andenken Richard Wagners. Dafür hat sie auch in ihrer Familie mit harten Bandagen gekämpft .
Auch damals gab es bereits Familienfehden, die bis heute einen Teil des Faszinosums Bayreuth ausmachen.
Oliver Hilmes ist ein souveräner Biograph, der ausgewogen, klug und sehr lesbar das Leben einer Frau aufblättert, die viel mehr gewesen ist als "nur" die Tochter Franz Liszts und die Frau Richard Wagners.