Aus der Amazon.de-Redaktion
Froh, überhaupt einen Job gefunden zu haben, taucht der Jamaikaner Ez ein in die neongelbe Unterwelt eines Männerpissoirs in der Londoner U-Bahn, einem Hades der fremden Aromen und des Urinsteins. Schon nach kurzer Zeit jedoch empfindet Ez die gekachelte Umgebung, seinen ewig Kopfhörer tragenden Rastakollegen Jason sowie den freundlichen Boss Mr. Reynolds als beruhigenden Schutzraum. Gewohnt, in einer Gesellschaft zu leben, die sie nur an ihrem unteren Ende duldete, ernennen die drei Schwarzen die düstere Kachelwelt zum Reich ihrer eigenen Gesetzgebung.
Einer Gesetzgebung, die strenge Anwendung findet. Denn das ist das Thema bei Collins: Selbst der Getretene findet immer noch einen vermeintlich unter sich Stehenden. In diesem Fall sind es die Reptilien, wie Jason sie nennt, noble Herren aus der City, die die Bedürfnisanstalt regelmäßig zur Befriedigung weitergehender Bedürfnisse nutzen. In einer Mischung aus unverhohlener Freude und Ekel traktieren die Jamaikaner die Kabinen mit Schlagstöcken, bis die Herrschaften, in ihrem Tun aufgeschreckt, beschämt die Flucht ergreifen.
Blumige Beschreibungen (bei dem Sujet ohnehin verständlich), sind Collins Sache nicht. Seine Kapitel sind knappe Auf- und Abblenden, die nur kurz ein Bild freigeben. Dazu wählt er eine fast auf reine Dialoge beschränkte Erzählweise, lakonisch, karg-genau, die mitunter an ein absurdes Theaterstück denken lässt. Geschickt manifestiert der Autor seinen Teufelskreis zweier Underdogschicksale: Schwarze, die Weißen die Klos putzen, scheuchen Schwule von ihrem einzigen Zufluchtsort. Es trifft immer die Falschen! --Ravi Unger
Kurzbeschreibung
Hier, in der Toilette einer U-Bahnstation in der Londoner City, sind sie unter sich und anonym. Da kann man ruhig die Hosen runterlassen, man kennt sich ja nicht. Und das Personal, das diesen Platz sauber hält, wen kümmert das schon
Reynolds, Jason und Ez, drei Schwarze aus Jamaica, putzen den »Whiteys« hinterher und beobachten sie. Reynolds und Jason arbeiten schon seit sieben Jahren zusammen, Ez ist neu dazugekommen, froh, endlich wieder einen Job zu haben. Hingebungsvoll wischt er den Boden, schrubbt die Urinale, wechselt die Duftsteine aus, poliert die Wasserhähne und wundert sich, als er einen Mann aus einer Kabine kommen sieht, dann noch einen.
»Die gehen hier ein und aus«, sagt Jason, »die Reptilien.« So nennen sie sie, die Herren in den grauen Anzügen aus den umliegenden Büros, die sich mit einem Augenzwinkern verabreden und dann zu zweit, manchmal auch zu dritt, in einer Kabine verschwinden.
Doch als die Putzmänner beschließen, dem Treiben der »Reptilien« ein Ende zu setzen, wofür sie so ihre Methoden haben, und schließlich auch die Behörden gegen die Unsittlichkeiten einschreiten, bekommen die drei ein Problem: denn wo das kleine Laster nicht blühen kann, geht der Umsatz zurück. Voller Sorge um ihre Arbeitsplätze und mit viel Mut zur Selbsthilfe finden sie am Ende eine Lösung, die sowohl den Gesetzen der Marktwirtschaft als auch der christlichen Nächstenliebe entsprechen. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Der Verlag über das Buch
»Prosaisch, ironisch und politisch vollkommen unkorrekt erzählt der viel versprechende Autor von Rasse, Klasse, Sex und Kapitalismus.« KULTURSpiegel, Das Programmmagazin
»Das Buch gleicht einem Haiku, wo jedes Komma zählt. Collins schreibt wie einer dieser japanischen Schriftsteller, die die Welt im Spiegel eines am Strand weggeworfenen Pausenbrotes betrachten: Indem er den Mikrokosmos eines Männerpissoirs beobachtet, sieht er, was menschliches Zusammenleben bedeutet. Und beschreibt es ohne Angst vor Kontroversen.« Neue Zürcher Zeitung und Stern
»Die Herren-Toilette in der Londoner City, in der Warwick Collins seinen Beobachtungsposten errichtet hat, entpuppt sich rasch als differenzierter Ort, an dem sich trefflich ein kleines Lehrstück in Szene setzen lässt.« Frankfurter Allgemeine Zeitung
»Locker und dialogreich erzählt [ ] Collins erkundet in seinem munteren Miniroman einen abseitigen Schauplatz, politisch unkorrekt, mit schrägem Witz, und kalauert ironisch mit den Vorurteilen über Schwarze, Weiße und Schwule. Ein idealer Fall auch für den kleinen Bücherstapel im Klo daheim: Das Buch lädt zum Verweilen ein aber nicht zu lange.« Der Spiegel
»Eine Erzählung von höchster Präzision. So kurz, dass man sie sofort ein zweites Mal lesen kann ja muss!« Die Zeit -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.