Iréne Némirowsky beschreibt das Leben eines "météque", (Fremder) wenn man die Bedeutung nachliest,kommt man zu "dauerhaft in der jeweiligen Stadt lebender Fremder, der kein Bürgerrecht besass,aber meisst Grieche war."
Ein "Metöke" übersetzt, "musste in Athen eine spez. Steuer entrichten und stand dafür unter einem gewissen Schutz des Staates, in Rechtsgeschäften musste er sich vertreten lassen, durfte keinen Grundbesitz erwerben, war in Handel und Gewerbe tätig und wurde wie die Bürger zum Kriegsdienst herangezogen."
Der 1939 erschienene Roman, entwirft die Biografie, zwischen dem Protagonisten Dario Asfar, einem jungen Arzt, neu und fremd, einem Levantiner,(Ein Levantine, ist ein im Mittelmeer, östlich von Italien Geborener.) mit Frau und Kind der sich versucht eine Existenz aufzubauen, und dem industriellen Reichen, Phillipe Wardes, der unter einem seelischen "Krebs der Seele" zu leiden scheint, und als Rohling und Egoist beschrieben wird. Das Buch handelt von der Schwierigkeit, sich auch in materieller Hinsicht, ein Leben von Akzeptanz und materieller Sicherheit aufzubauen und wie die Not, Bestechlichkeit, Hunger nach Ehre, die Treibjagt nach Geld, den jungen Arzt der unter dem Druck seine Familie zu ernähren,sich anfänglich als "Abtreiber in der Not" betätigt, eine neue "Heilmethode", der Psychoanalyse verwandt und weitergeführt, sich einen Namen macht, um dann im Laufe der Geschichte immer mehr unter die Räder, der sich(auch materiellen) Abhängigheiten, der bourgeoisen Gesellschaft begibt, die als ignorant, arrogant, habgierig,verschlossen,hinterhältig dargestellt wird und sich immer mehr zu einer Art Verhängnis abzeichnet.
Obwohl Dario Asfar, seine Frau Clara liebt, verliebt er sich in Sylvie Wardes, der Frau von Wardes, geht auch sonst zwischendurch fremd, und scheint sich auf eine Art zu verkaufen, was seine berufliche Laufbahn anbelangt und einen Preis dafür zu bezahlen, was ihm nie grössere Gewissensbisse verursacht. Phillipe Wardes entwickelt in seiner Not, eine Art Abhängigkeit, zu diesem "Scharlatan", den er schätzt wie viele andere Patienten auch, aber auch immer sehr kritisch und misstrauisch eingestellt ist. Als er sich scheiden lässt und seine 2. Frau Elinor heiratet, lässt ihn Asfar "verwahren" und Asfar solidarisiert sich mit Elinor, die er später heiraten wird. Sein eigener Sohn Daniel, blickt immer mehr hinter die Kulissen seines Vaters, und gelangt immer mehr in die Position, seinen Vater für seine "Machenschaften" anzuprangern, durch die Kontakte wie z.B. Sylvie Wardes die er unterhält und immer mehr Druck auf die ganze Situation ausübt.
Ein Gesellschaftsromen, der Zwanziger und Dreissigerjahre,über Werte,eigenem Überleben, innerer Hilfesuche und Verzweiflung, einem ewigen Gefühl des Fremdseins in einem fremden Land, über die eigene Käuflichkeit, über den Umgang der vorgefundenen Gesellschaft und dem ewigen Suchen nach Überleben und Getriebenem immer weiter, einer Art Blindheit, die die nächste Schicksalswendung, als Wink das Eigene zu reflektieren fast schon erzwingt.
Auch wenn Iréne Némirowsky, selbst als Fremde in Frankreich gelebt hat, ("Mein Gott! Was tut mir dieses Land an!"),so hat sie doch einen für mich sehr feinfühligen Roman über die damalige Zeit geschrieben, wo sie manches undurchsichtig und verborgen lässt, aber eben "Némirowsky-Like" in einer Art und Weise zum Ausdruck bringt, wo das Zwischenmenschliche, das "Zwischenseelische" wie auch in ihren anderen Romanen
Feuer im Herbst oder auch
Die Hunde und die Wölfe zum Ausdruck bringt,wo man immer wieder spürt, wie sehr sie sich für die Menschen und ihren inneren Sehnsüchten, Nöten und dem Anliegen zu Lieben trotz aller Umstände und Schwierigkeiten immer wieder neu ein Gefäss gibt, wie ich meine, eine kostbare Zeitzeugin für uns alle ist.