Eins vorab: Gert Heidenreich liest herausragend. Er schafft es, mit einem scheinbar unerschöpflichen Stimmenpotential, den zahlreichen und individuellen Charakteren Leben einzuhauchen. Großartig!
Allerdings würde es mich interessieren, was die Leser Heidenreich und Höppner (leider 2006 verstorben) dachten, während sie die teilweise unglaublich missratene Übersetzung von W. Krege (leider 2005 verstorben) lesen mussten. Man merkt manchmal förmlich, wie die beiden versuchen, über einige grobe Übersetzungsfehler zügig hinwegzulesen. Das gelingt leider nur bedingt, denn die Mängel sind zu offensichtlich.
Durch alle drei Bände ziehen sich die Aussetzer des Wolfgang Krege. Da wird beispielsweise aus "Herrn Frodo" der "Chef" und der Zauberer Saruman versucht "seine eigene Firma aufzumachen mit seinem schmierigen weißen Logo". Schauderhaft!
Allem die Krone setzt aber auf, als Sam (nach Krege) bei der Heimkehr ins Auenland dem "Boss" (nicht mehr Oberst), anstatt in sein pickliges Gesicht zu schlagen, ihm "in die picklige Fresse (!!!) hauen" will. Unfassbar!
Da stellt sich die Frage, was einem Menschen durch den Kopf geht, wenn er ein Stück Weltliteratur auf solch eine Art und Weise zerstört. In mir kommt dann immer ein Gefühl auf, welches sich wohl mit "fremdschämen" bezeichnet lässt. Mir liegt sicher nichts daran, die Person des Herrn Krege in die Pfanne zu hauen und er hat sicherlich aus gutem Willen gehandelt, aber hier muss man eindeutig konstatieren, dass er mit diesem "Werk" kläglich gescheitert ist. Ich kann nur hoffen, dass jeder der sich entschließt das Buch zum ersten Mal zu lesen, wissentlich oder unwissentlich, die einzig ernstzunehmende Übersetzung von Margaret Carroux in die Hände bekommt und dass vielleicht eines Tages auch die Carroux-Übersetzung von Heidenreich gelesen und vertont wird.
Ergo: drei Sterne für Heidenreich.