Ein Hörspiel der Superlative, monströs in seinen Ausmassen, episch ... Das alles lässt sich über die SWF-Produktion aus dem Jahre 1991 sagen - mit Recht. Allerdings kommt es ja nicht nur auf Quantität an, womit "Der Herr der Ringe" durchaus punkten kann. Die Qualität ist m.E. viel wichtiger. Und hier gibt es Glanzpunkte - aber auch kleine, aber eben vorhandene Schönheitsfehler.
Ein gewichtiger Schönheitsfehler ist im "Werkstattbericht", sozusagen den Anhängen der Hörspiel-Produktion, dokumentiert. Viele der beteiligten Künstler wissen mit dem archaischen Stil der Trilogie von Tolkien nichts anzufangen. Zu militant erscheint ihnen der fortschreitende Kampf zwischen Mittelerde und Mordor. Zu viele Waffen, zu wenige Frauen - ein oft gehörter Vorwurf in Richtung Tolkien. Entsprechend wurde versucht, die Schlachtszenen so nüchtern wie nur möglich darzustellen. Das ist ehrenvoll - wirkt aber leider oft tatsächlich, nun ja, gebremst. Als würde man das Ganze durch dichten Nebel vernehmen.
Ein weiterer Schönheitsfehler ist wohl, dass die Elben zu Beginn akkustisch wie die Entsprechung der auch bei uns bekannten Elfen, also dieser niedlichen kleinen Wesen mit Flügeln, klingen. Zumindest die weiblichen Sprecher. Das kontrastiert zumindest sehr stark mit dem von Tolkien vermittelten Elben-Bild seiner Welt Mittelerde.
Ansonsten aber bietet das Hörspiel grandioses Kino für die Ohren! Die Musik besteht aus Themen, ähnlich einer Oper, die bestimmte Charaktere bzw. bestimmte Situationen unterstreichen. Wenn man den Score von Howard Shore für die Peter-Jackson-Filme gewohnt ist, fällt die "Umstellung" vielleicht anfangs schwer. Aber die Musik wird mit fortschreitender Handlung ein untrennbarer Bestandteil des Gesamtereignisses und ist eines gesonderten Lobes wert.
Gut für die Gesamt-Atmosphäre ist, dass die "alte" Übersetzung von Margaret Carroux dem Hörspiel zu Grunde gelegt wurde. Krege hatte gottseidank erst etliche Jahre später seine Neuübersetzung über uns gebracht, so dass sie hier gar nicht in Betracht gezogen werden konnte. Zum Glück! Aber das nur nebenbei ...
Fazit: Ein Hörspiel, das den Gestalten Mittelerdes Stimme verleiht. Ein Epos von staunenswerter Grösse. Und, nicht zuletzt: Ein Gollum, der eine der besten Leistung eines Sprechers in einem deutschsprachigen Hörspiel ist! Anders, ganz anders als der Film-Gollum - aber, wie im Film, der eigentliche Star!