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Herr der Krähen [Gebundene Ausgabe]

Ngugi wa Thiong'o , Thomas Brückner
4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
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Kurzbeschreibung

24. August 2011
Ausgangspunkt dieses geistreichen satirischen Romans ist das gigantische Bauvorhaben Marching to Heaven , ein moderner Turmbau zu Babel, das dem despotischen Herrscher der fiktiven Freien Republik Aburiria Weltgeltung verschaffen und ein monumentales Denkmal setzen soll.
Der Herrscher ist umgeben von persönlichen Beratern, allen voran den Ministern Machokali und Sikiokuu, die ständig darum bemüht sind, dem gottgleichen Herrscher ihre Ergebenheit zu beweisen und sich eine vorteilhafte Position zu sichern. Das Bauprojekt Marching to Heaven jedoch kann nur mit einem Kredit der Global Bank in New York realisiert werden.
Als Titus Tajirika zum ersten Vorsitzenden des Baukomitees für Marching to Heaven ernannt wird, bilden sich vor dessen Büro zwei endlose Warteschlangen eine aus denjenigen, die auch ein Stück vom Kuchen abbekommen wollen (indem sie Umschläge voller Bargeld zurücklassen), und eine, die sich aus den zahllosen Arbeitslosen des Landes speist. Diese Menschenschlangen entwickeln sich bald zu einer landesweiten Epidemie.
Während der Herrscher und sein Außenminister Machokali in die USA reisen, um positiv auf die Vertreter der Global Bank einzuwirken, gerät Tajirika ins Blickfeld von Staatsminister Sikiokuu. Die Delegation in New York hingegen sieht sich einer plötzlich auftretenden, rätselhaften Krankheit des Herrschers gegenüber. Hoffnung verspricht allein der unfreiwillig zu Ruhm und Ansehen aufgestiegene Herr der Krähen ein Zauberer, Heiler und Wahrsager...
"Herr der Krähen" ist eine lebendige, ausdrucksstarke Satire über den Prototyp des afrikanischen Despoten, die mit tiefgründigem Humor die Lebensbedingungen in einer zunehmend globalisierten Welt thematisiert. Ngugi wa Thiong o gelingt mit diesem Roman eine umfassende Parabel auf die sozialen, politischen und kulturellen Verhältnisse auf dem afrikanischen Kontinent und dessen Beziehung zum Westen.

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 944 Seiten
  • Verlag: A 1 Verlagsges.; Auflage: 4., Auflage (24. August 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3940666173
  • ISBN-13: 978-3940666178
  • Originaltitel: Wizard of the Crow
  • Größe und/oder Gewicht: 22,2 x 16 x 5,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 247.776 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Über den Autor

Ngugi wa Thiong o wurde 1938 als Sohn einer Bauernfamilie in Kamirithu/Limuru in Kenia geboren. 1967 wurde er Dozent für Literatur an der University of Nairobi, wo er bis 1977 lehrte. Wegen seiner kritischen Auseinandersetzung mit dem postkolonialen Kenia und eines regierungskritischen Theaterstücks wurde er 1977 ohne Anklage inhaftiert und erst nach einer Kampagne von Amnesty International ein Jahr später aus dem Gefängnis entlassen. Nachdem sein Leben unter dem Regime von Daniel arap Moi bedroht wurde, ging er 1982 ins Exil nach London. 1989 übersiedelte er in die USA, wo er heute an der University of California in Irvine Englische und Vergleichende Literaturwissenschaften lehrt.

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Kundenrezensionen

4.3 von 5 Sternen
4.3 von 5 Sternen
Die hilfreichsten Kundenrezensionen
42 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was für ein Roman! 23. September 2011
Von Biene Maya 2013 HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Manche Bücher schlägt man auf und schon auf der ersten Seite weiß man, dass man 1000 richtig gute Seiten vor sich hat. Mir ging es bei Ngugi wa Thiong'os "Herr der Krähen" so. Der afrikanische Autor und Kulturwissenschaftler, der für seine Publikationen bereits mit vielen Preisen ausgezeichnet und sogar als heißer Kandidat für den Literaturnobelpreis gehandelt wurde, legt hier eine Satire vor, die ihresgleichen sucht.
Bereits 2004 war der "Herr der Krähen" auf Kikuyu, Ngugi wa Thiong'os Muttersprache erschienen. Er selbst hat es anschließend ins Englische übertragen und seit Herbst gibt es das Buch (von Thomas Brückner hervorragend übersetzt) auch in deutscher Sprache.
Zur Handlung: Im fiktiven afrikanischen Staat Aburiria herrscht ein nicht weiter benannter Despot, der immer nur als "der Herrscher" bezeichnet wird. "Seine allmächtige Vortrefflichkeit" möchte sich selbst ein angemessenes Denkmal setzen und plant deswegen das ehrgeizige Projekt "Marching to Heaven" - einen modernen Turmbau zu Babel, der das biblische Vorbild nicht nur in seinen Ausmaßen sondern auch im Erfolg weitaus übertreffen soll. Um das Projekt umzusetzen, benötigt der Herrscher allerdings Geld, eine Menge Geld, das von der New Yorker Global Bank zur Verfügung gestellt werden soll. Doch wie kann man die Leute in den USA von der Wichtigkeit dieses Unternehmens überzeugen? Und wie zerstreut man ihre Bedenken, dass es sich bei Aburiria möglicherweise um einen Staat handelt, der nicht demokratisch sondern von einem despotischen Diktator regiert wird?
Während der Herrscher die Amerikaner von dem Projekt zu überzeugen versucht, macht in Aburiria ein Mann namens Kamiti eine ungeahnte Entwicklung durch: Vom hervorragend ausgebildeten Arbeitsuchenden zum gefragten Heiler und Seher. Innerhalb von wenigen Stunden wird Kamiti vom potenziellen Krähenfutter zum Herrn der Krähen. Durch die gemeinsame nächtliche Flucht (wieder) vereint, findet Kamiti zu Nyawira, die er bereits bei seiner erfolglosen Suche nach Arbeit kennengelernt hat. Er findet in ihrem Haus Unterschlupf und hält sich den Polizisten, der die beiden verfolgt hat, da er sie für Aufrührer und Staatsfeinde hält, mit einem selbstgemalten Schild vom Hals, auf dem zu lesen steht: "Achtung! Dieses Anwesen gehört einem Zauberer, dessen Macht Falken und Krähen vom Himmel holt. Sie nähern sich diesem Haus auf eigene Gefahr.- Der Herr der Krähen."
Der Verfolger schreckt vor diesem Schild zurück - und fortan legt er überall in Aburiria mündlich Zeugnis davon ab, über welche Macht der Herr der Krähen verfügt. Die Kunde verbreitet sich im ganzen Land und Kamiti, der Zauberer wider Willen, kann sich vor "Klienten" nicht mehr retten. Bald erfährt natürlich auch der Herrscher von diesem ungewöhnlich erfolgreichen Magier...
In der Zwischenezeit bilden sich vor der Firma von Nyawiras Boss, der mit der Koordination des Baus von "Marching to Heaven" betraut wurde zwei stetig wachsende Menschenschlagen. Da sind zunächst einmal die, die auch etwas vom gigantischen Kuchen abhaben wollen und sich potenzielle Aufträge auch mal was kosten lassen - und auf der anderen Seite die Arbeitssuchenden, die auf eine Anstellung hoffen.

Was für ein Buch! Ngugi wa Thiong'o ist mit "Herr der Krähen" etwas gelungen, was nicht viele zustande bringen: Er lässt Afrika in seiner ganzen Vielfalt lebendig werden - Magie, Mythen und mündlich tradierte Geschichten, wie etwa die des Polizisten, der seine Erlebnisse in immer wieder abgewandelter Form in Bars erzählt. Und dann ist das Buch eine Satire, die besser nicht sein könnte. Der Autor schreibt mit einer ungeahnten Leichtigkeit, verzichtet auf bittere Anklagen, obwohl er als Opfer des kenianischen Machthabers Daniel arap Moi durchaus Grund hätte, verbittert zu sein. Stattdessen spielt er mit der Groteske und bringt den Leser damit gleichzeitig zum Lachen und zum Nachdenken. Für mich einer der beeindruckendsten Romane, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. "Herr der Krähen" wird sicher nicht mein letztes Buch von diesem außergewöhnlichen Autor sein und ich wünsche insbesondere diesem Buch viele begeisterte Leser!
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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Gospelsinger TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Afrikanische Despoten hatten schon immer die Neigung, unnütze Prestigebauten zu errichten, aber der Herrscher des fiktiven afrikanischen Staates Aburiria setzt dem Fass die Krone auf. Er plant das irrwitzige Projekt 'Marching to Heaven', einen neuen Turmbau zu Babel. Dazu braucht er mehr Geld, als er aus seinen Untertanen herauspressen kann, also wendet er sich an die 'Global Bank', die ihren Sitz in New York hat. Die will aber Beweise, dass Aburiria ein demokratischer Staat ist'
Gleichzeitig verzweifelt der sehr gut ausgebildete Kamiti an seiner erfolglosen Arbeitssuche in Aburiria. Als er bei seiner neuesten Bewerbung auch noch übel verspottet wird, eröffnet sich ihm durch Zufall eine ganz andere Möglichkeit, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Er wird zum Seher und Heiler; er ist der Herr der Krähen.
Damit wird er einerseits zu einem gefragten Ratgeber, gerade auch der herrschenden Schicht, zum anderen aber auch ein Sündenbock für das, was im Land schiefläuft und die Geldzusage der Global Bank behindern kann.
So wird der Herr der Krähen auch für die überall im Land entstehenden Schlangen verantwortlich gemacht. Sobald die Bevölkerung von dem Projekt 'Marching to Heaven' hörte, bildeten sich zwei Typen von Schlangen: Die der Arbeitsuchenden und die Schlange derjenigen, die mittels Bestechungsgelder ihren Anteil am Kuchen sichern wollen.
Und schon bricht das Chaos im Land los. Intrigen, Neid, eine ganz eigene Auffassung von Demokratie, die in Morde an politischen Gegnern gipfelt, Voodoo und eine Verwicklung nach der anderen verbinden sich zu einem bizarren Roman.
Ganz ehrlich gesagt: Das Buch hat ein paar Längen. Die Intrigen sind mir zu ausufernd beschrieben, dafür hätte ich lieber mehr über die Frauen erfahren. Davon abgesehen ist dieses Buch, das alle Themen des modernen Afrika versammelt, absolut lesenswert.
Im Buch ist ohne Weiteres erkennbar, dass der Autor seine schlechten Erfahrungen mit dem kenianischen Diktator Daniel arap Moi verarbeitet hat. Aber auch auf andere afrikanische Potentaten, wie dem togoischen Diktator Gnassingbé Eyadema, passt die Beschreibung des Herrschers von Aburiria. Den Größenwahn, die persönliche Bereicherung an von außen kommenden Geldern, die Unterdrückung der Bevölkerung, die Unfähigkeit zur Demokratie, das chauvinistische Frauenbild und den Glauben an Magie, an Voodoo, haben alle afrikanischen Diktatoren gemeinsam.
Ich hoffe, dass dieses außergewöhnliche Buch, das den afrikanischen Kontinent aus einem satirisch überspitzten, aber realistischen Blickwinkel zeigt, viele Leser findet.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Humor als Waffe 6. Januar 2012
Von Carl-heinrich Bock HALL OF FAME REZENSENT TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Der Autor Ngugi wa Thiong stammt aus Kenia, lebt seit über 20 Jahren in den USA, wo er an der University of California Literaturwissenschaften lehrt. Sein fast 1000 Seiten langer, atemberaubender Roman "Herr der Krähen" spielt in der frei erfundenen afrikanischen Republik Aburiria. Es ist eine bitterböse Satire über einen gottgleichen afrikanischen Diktator. Er hat im Roman keinen Namen , man nennt ihn demütig "Seine allmächtige Vortrefflichkeit". Und dieser despotische, sadistische, größenwahnsinnige Herrscher tötet nicht nur gnadenlos seine Feinde, er vergewaltigt Kinder und lässt sich sonst noch allerhand Gräueltaten einfallen. Er ist in allen Facetten der Prototyp eines afrikanischen Gewaltherrschers. Seine kniefälligen Untertanen planen nun ihm zu Ehren ein Monumentalbauwerk, den höchsten Turm der Welt. Ein moderner Turmbau zu Babel, denn dieser Turm soll bis an die Pforten des Himmels reichen.

Die Finanzierung des gewaltigen Bauvorhabens muss noch abgesichert werden. Die zuständigen Minister des Herrschers finden dafür bereitwillige Hilfe in den USA, bei der Global Bank. Während eine Delegation zu abschließenden Kreditverhandlungen in die USA reist, bilden sich vor dem Büro des Bauleiters nicht nur lange Schlangen von Baufirmen Agenten, die unter zu Hilfenahme von Bestechungsgeldern um Aufträge bemüht sind, sondern auch Warteschlangen von heimischen Arbeitslosen. Als dann zu allem Unglück der Herrscher erkrankt, glaubt der nur an die Heilkraft eines Zauberers. Dieser "Herr der Krähen" ist nicht nur Wunderheiler und Hellseher in einer Person, sondern er ist auch ein entschiedener Regimegegner. Nicht schwer zu erraten was da auf den despotischen Herrscher zukommt. Aber wird sich dann wirklich etwas ändern? Der Leser mag gespannt sein.

Es gibt unendliche viele Figuren und Motive in dem Roman, aber da alles, wie von einem phantasievollen Geschichtenerzähler, in einer verwebten Mischung von afrikanischer Erzähltradition mit Diktionselementen der westlichen Moderne vorgetragen wird, ist der Handlung leicht zu folgen und die Spannung reißt nicht ab. Es ist ein modernes Meisterwerk, ein Spannungsroman, eine Parabel über das soziale, politische und traurige Elend Afrikas und dessen Konnex zu westlichen Staaten. Eine mit Leichtigkeit und viel Humor geschriebene Abrechnung des Autors, einst Regimegegner des postkolonialen afrikanischen Staates Kenia und eine Fokussierung der Vita in unserer globalisierten Welt.
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