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Herr Jensen steigt aus: Roman
 
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Herr Jensen steigt aus: Roman [Taschenbuch]

Jakob Hein
3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (49 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Das Aussteigen ist Herrn Jensens Problem nicht. Eher schon, dass er noch nie ins Leben eingestiegen ist: Studium abgebrochen, keine Freunde, keine Interessen, noch nie Sex mit einer Frau gehabt, Kontakt zu den Eltern aufs Minimum reduziert. Mit dieser traurigen und lebensfremden Gestalt möchte Jakob Hein seinen ersten fiktiven Roman bestreiten, nachdem seine bisherigen drei Bücher stark autobiographisch geprägt waren. Selbst eine gewisse Arbeitsfreude, als Postbote, kommt Herrn Jensen, der schon als Kind keinen Vornamen gehabt zu haben scheint, schließlich auch noch abhanden, weil ihm gekündigt wird.

Nett wäre die Lektüre zu nennen, kurzweilig auch. Und kurz sowieso -- bei einem anderen Druckbild hätte das Buch nicht einmal 80 Seiten. Aber furchtbar originell oder literarisch wertvoll ist das nicht, was uns aus dem Leben dieses Eigenbrötlers geschildert wird. Wenig schmeichelhaft fällt der Vergleich mit den vielen anderen literarischen Sonderlingen aus. Um nur zwei Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit zu nennen: Sibylle Lewitscharoffs Pong etwa ist wenigstens wirklich durchgeknallt und auch die Sprache des Romans bezaubernd anders. Oder wie vergleichsweise charmant und vielschichtig flanieren Wilhelm Genazinos sonderbare Helden durch die "Gesamtmerkwürdigkeit des Lebens", etwa im großartigen Ein Regenschirm für diesen Tag?

Aber Herr Jensen steigt aus ist wohl eher als Text über unsere absurde Hartz-IV-Welt zu verstehen. Denn nach einer kurzen und anstrengenden Phase, in der Herr Jensen mit Hilfe von vier Videorekordern die Abgründe des Talk-Show-Wahnsinns in den TV-Kanälen zu analysieren versucht, kommt eine Phase des Protests. Den Fernseher wirft er aus dem Fenster und ignoriert die mediale "Scheinwelt" und auch die Anfechtungen durch das Arbeitsamt. Er verteidigt trotzig sein Nichtstun, das ihm zur ernsten Leidenschaft wird. Am bitteren Ende verschanzt er sich in seiner Wohnung: "Die meiste Zeit saß er in seinem Sessel und starrte dorthin, wo seit langem nichts mehr war. Es war sein stiller, letzter Triumph..." –- und die Welt scheint den blassen, seltsamen Menschen zu vergessen, und auch die Leser werden es bald tun. --Christian Stahl -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

kulturnews.de

Von „Mein erstes T-Shirt" bis „Vielleicht ist es sogar schön" hat sich Jakob Hein bisher konsequent an autobiografischen Themen abgearbeitet. Für seinen ersten Roman hat der praktizierende Arzt nun erstmals eine fiktive literarische Figur geschaffen. Herr Jensen ist ein Mann fast ohne Eigenschaften. Und plötzlich auch ohne Job: Der ewige Aushilfspostbote steht mit einem Mal ohne Arbeit und damit ohne Lebenssinn da. Hein beschreibt in ruhig dahinfließender Prosa den Leerlauf des Herrn Jensen, dessen Gedanken sich immer weiter von der Gesellschaft abwenden und ihn Stück für Stück zum inneren Widerstand gegen die vermeintliche Scheinwelt da draußen treiben. In gleichem Maße - das ist vielleicht der größte Trick Heins - verschiebt sich auch die objektive Erzählerhaltung und nimmt die verschrobene Weltsicht des Sonderlings ein. Sein Kampf jedoch gleicht mehr und mehr dem des Ritters von der traurigen Gestalt, und so nimmt sich dieser Mann ohne Vornamen zuletzt in scheinbar verzweifelter Überlegenheit sogar noch den Familiennamen. (ascho) -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

»Ein wunderbares Buch. Das müssen Sie lesen!« Hape Kerkeling in »Lesen!«

Kurzbeschreibung

Ist es die hohe Kunst des Nichtstuns, die Herrn Jensen treibt, oder verfolgt er nicht doch einen geheimen Plan? Als Briefträger schiebt er tagtäglich liebevoll Post in die Schlitze der Kästen. Eines Tages freigestellt, verläßt er seine Wohnung immer seltener. - Nicht das Alltägliche, nicht der Wahnsinn interessieren Jakob Hein, es ist der schmale Grat dazwischen. Seine kurze Geschichte von Herrn Jensen lotet mit großer Konsequenz die Tragik eines wunderlichen Lebens ebenso aus wie dessen unerhörte Komik.

Über den Autor

Jakob Hein, geboren 1971 in Leipzig, wuchs in Berlin auf und lebt noch heute dort als praktizierender Arzt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen. Nach »Mein erstes T-Shirt« und »Formen des menschlichen Zusammenlebens« erschienen von ihm sein autobiographisches Familienporträt »Vielleicht ist es sogar schön«, »Herr Jensen steigt aus«, »Gebrauchsanweisung für Berlin« und zuletzt »Antrag auf ständige Ausreise«.
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