| ||||||||||||||||||||||||||||||
Produktinformation
|
Nett wäre die Lektüre zu nennen, kurzweilig auch. Und kurz sowieso -- bei einem anderen Druckbild hätte das Buch nicht einmal 80 Seiten. Aber furchtbar originell oder literarisch wertvoll ist das nicht, was uns aus dem Leben dieses Eigenbrötlers geschildert wird. Wenig schmeichelhaft fällt der Vergleich mit den vielen anderen literarischen Sonderlingen aus. Um nur zwei Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit zu nennen: Sibylle Lewitscharoffs Pong etwa ist wenigstens wirklich durchgeknallt und auch die Sprache des Romans bezaubernd anders. Oder wie vergleichsweise charmant und vielschichtig flanieren Wilhelm Genazinos sonderbare Helden durch die "Gesamtmerkwürdigkeit des Lebens", etwa im großartigen Ein Regenschirm für diesen Tag?
Aber Herr Jensen steigt aus ist wohl eher als Text über unsere absurde Hartz-IV-Welt zu verstehen. Denn nach einer kurzen und anstrengenden Phase, in der Herr Jensen mit Hilfe von vier Videorekordern die Abgründe des Talk-Show-Wahnsinns in den TV-Kanälen zu analysieren versucht, kommt eine Phase des Protests. Den Fernseher wirft er aus dem Fenster und ignoriert die mediale "Scheinwelt" und auch die Anfechtungen durch das Arbeitsamt. Er verteidigt trotzig sein Nichtstun, das ihm zur ernsten Leidenschaft wird. Am bitteren Ende verschanzt er sich in seiner Wohnung: "Die meiste Zeit saß er in seinem Sessel und starrte dorthin, wo seit langem nichts mehr war. Es war sein stiller, letzter Triumph..." - und die Welt scheint den blassen, seltsamen Menschen zu vergessen, und auch die Leser werden es bald tun. --Christian Stahl -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Tags, die Kunden mit diesem Produkt verbinden(Was ist das?)Klicken Sie zum Suchen verwandter Artikel, Diskussionen oder Personen auf ein Tag.
|
|
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel:
|
||||||||||||||||||||||
|
Die hilfreichsten Kundenrezensionen
15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
AUSsteigen durch EINigeln,
Von
Rezension bezieht sich auf: Herr Jensen steigt aus: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ist es nicht absurd, dass man AUSsteigt, indem man sich EINigelt? Das ist eine der Spitzfindigkeiten in einem Roman, der vor Absurditäten nur so strotzt, ja, der das Wort "absurd" als Leitmotiv zu tragen scheint.Der unscheinbare Herr Jensen arbeitet bei der Post. Eines Tages muss die Post rationalisieren. Und um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden, wird Herrn Jensen ' gekündigt. Absurd, wie gesagt. Und was macht Herr Jensen? Herr Jensen steigt aus. Zieht sich Stück für Stück aus der Welt zurück, igelt sich ein, löst sich auf. Der 134 Seiten-Roman ist das Psychogramm eines Außenseiters, eines einsamen Menschen, der in den eigenen Grenzen gefangen ist und sich nur mehr und mehr isoliert. Jensen hat sich zeitlebens von anderen schieben lassen, aus Mangel an eigenem Antrieb. Selbst auf die Idee mit dem Job bei der Post kam erst ein Schulfreund. Und weil es sich ergab, blieb Herr Jensen eben dort, bis es sich ergibt, dass er gehen muss. Wenn es nach Herrn Jensen geht, könnte immer alles so bleiben, wie es ist. Denn das bedeutet Sicherheit. Denken nicht viele so? Doch gerade an dem Punkt, wo für viele die Unsicherheit beginnt, in der Arbeitslosigkeit, findet Herr Jensen seine Stärke. Er verweigert sich still. Er demonstriert stumm und innerlich gegen die Welt. Er philosophiert über das Leben und dessen Essenz, beschäftigt sich hauptberuflich mit der Analyse des Fernsehprogramms und dringt schließlich zur großen Stille vor, und er verteidigt seinen Status schließlich vehement gegen jeden, der an seinem Leben rütteln möchte. Und das Verblüffende geschieht: die Umwelt hat ein Einsehen. Und Herr Jensen, der zunächst nur ungern nach draußen geht, sich dann auch von seinem Fernseher und später von seinem Briefkasten trennt, löst sich als Person Stück für Stück auf und ist zufrieden damit. All das, was in unserer Gesellschaft einem Menschen einen Rahmen gibt und ihn mit seiner Umwelt verbindet, wirft Herr Jensen in den Müll. Am Ende sogar sein Klingelschild. Der Sprachfluss des Romans ist so ebenmäßig wie der Pulsschlag seines Helden, die Sprache ist knapp, fast naiv, als wundere sich der Autor selbst über die Absurditäten, die er erfindet. Auch wenn Jakob Hein seinen Helden unerbittlich festhält und seine Auflösung akribisch dokumentiert, bleibt Herr Jensen doch immer ein wenig fern, als würde man ihn durch ein Guckloch beobachten, was wohl nicht zuletzt daran liegt, dass Herr Jensen scheinbar keinen Vornamen besitzt. Es ist das Verdienst des Autos, dass die Tragik der Geschichte trotzdem immer wieder humorvoll durchbrochen wird, etwa wenn der bundesdeutsche Alltag auf dem Arbeitsamt oder bei einer nutzlosen Weiterbildungsmaßnahme nüchtern seziert wird. "Herr Jensen steigt aus" ist ein unaufgeregtes und doch kurzweiliges Buch über einen Menschen am Rande der Gesellschaft, der sich weigert, den ganzen Zirkus weiter mitzumachen und deshalb über den gesellschaftlich vereinbarten Rand hinaustritt. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Pflichtlektüre,
Rezension bezieht sich auf: Herr Jensen steigt aus: Roman (Gebundene Ausgabe)
Nüchtern wird die Trostlosigkeit des Lebens eines gewöhnlichen Mannes dargestellt. Dieser hier zieht die Konsequenz und macht sich nicht länger vor, dass er eines der medial zur Norm erhobenen Werbespot-Leben führen könnte. Es passt aber nicht ins Bild, dass Herr Jensen in seiner Studienzeit fast von einer Kommilitonin verführt wird. In den vielen Herr-Jensen-Leben, die in Deutschlands Städten geführt werden, findet so etwas nicht statt.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Herr Jensen steigt aus,
Rezension bezieht sich auf: Herr Jensen steigt aus: Roman (Gebundene Ausgabe)
Herr Jensen verliert seine Arbeit und damit den Bezugspunkt zu seinen Mitmenschen. Mehr und mehr verliert er sich in eigenen Ideen und entfernt sich von der Realität.Jakob Hein beschreibt beeindruckend nachvollziehbar diese Geschichte des Verlierens aus Jensens Perspektive. Teilweise sehr humorvoll, manchmal bleibt das Lachen im Hals stecken. Insgesamt fand ich das Buch eher traurig. Aus meiner Sicht lesenswert! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel: Eigene Rezension erstellen
|
Die neuesten Kundenrezensionen |
|
Das Forum zu diesem Produkt
Fragen stellen, Meinungen austauschen, Einblicke gewinnen Aktive Diskussionen in ähnlichen Foren
Kundendiskussionen durchsuchen
|
Ähnliche Foren
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|