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Herr der Hörner
 
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Herr der Hörner [Restexemplar] (Taschenbuch)

von Matthias Politycki (Autor)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 735 Seiten
  • Verlag: Hoffmann und Campe (September 2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3455058922
  • ISBN-13: 978-3455058925
  • Größe und/oder Gewicht: 21,2 x 14,8 x 4,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 465.326 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

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    Nr. 5 in  Bücher > Belletristik > Romane & Erzählungen > Junge Literatur (deutschspr.) > Politycki, Matthias

Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Das theoretische Stützkorsett zu seinem Roman lieferte Matthias Politycki schon vorab in einem Aufsatz in der Zeit. In seinem „Nachruf zu Lebzeiten“ sieht er den „Untergang des weißen Mannes“ voraus, attestiert der westlichen Gesellschaft geistige Entwurzelung und Glaubenslosigkeit, beklagt den Rückzug in Privat-Esoterik und eine „müde Generalironie“. Kopflastigkeit und Verweichlichung allerorten, aber aufgeklärt daherkommend! Während eines mehrmonatigen Kuba-Aufenthaltes fand Polityckis Erweckungserlebnis statt. In der „ungebremsten Wildheit des Willens“, sowie dem tief verinnerlichten Glauben der schwarzen Bevölkerung, fand der Autor das authentischere Menschenbild. Nicht wenige Zeit-Leser zeigten sich gelinde beunruhigt!

Genau dahin, wo die Angst regiert, schickt Politycki nun seinen Protagonisten mit dem merkwürdigen Namen, wie ihn nur Romanautoren ersinnen können. In einer versifften Kneipe in Santiago de Cuba sollte der saturierte Banker Broder Broschkus, „Feind allen karibischen Frohsinns“, sein kaltes europäisches Intellektuellenherz verlieren. Hier das ewig Weibliche, in Gestalt einer jungen Kubanerin; dort der käsegesichtige, übergewichtige und sich seiner Hässlichkeit schmerzlich bewusste deutsche Herrenmensch auf Ferienfahrt. Auf der Tanzfläche plötzlich die pure Magie der Körperlichkeit. Ausgerechnet beim „verhassten Salsa“ mutiert der steife Teutone zur geschmeidigen Raubkatze. Broschkus beginnt zu schwingen, aus ist es mit dem hochmütigen europäischen Blick, der ganzen Kultiviertheit. Der Instinkt war erwacht. Vergessen war Kristina, die eigene Frau. Broder Broschkus‘ Verwandlung hatte begonnen!

Auf mächtigen 730 Seiten schickt Politycki nun seinen buchstäblich etwas blassen Protagonisten auf der Suche nach der unbekannten Tänzerin mitten ins Herz der Finsternis. Als Kontrapunkt zu dieser schwarzmagischen Welt perfekt gesetzt, der hohe, steifleinene literarischeTon (Percussionisten heißen auf Kuba immer noch „Schlagwerker“, bitteschön!). Broschkus, einem ungläubig staunenden und ständig um Fassung ringenden Forschungsreisenden gleich, taucht tief ein in die archaische Welt der magischen Zeichen, der afrokubanischen Gottheiten und blutigen Opferungsrituale. Wie seriös der Autor von seiner Vision vom Niedergang der westlichen Kultur infiziert ist, zeigt das angehängte akribische Register der „wichtigsten Tiere, Personen, Heiligen und Götter“. Werden wir hier schon auf die Herren einer künftigen Welt eingestimmt? Darüber wird noch zu reden sein! --Ravi Unger



kulturnews.de

Matthias Politycki hat genug. Genug von Befindlichkeitsliteratur und deutschem Jammertal. Er schickt seinen Helden nach Kuba, in den Buena Vista Voodoo Club, wo er in der okkulten Santer’a-Religion Erlösung von seiner Zivilisationsmüdigkeit findet. Politycki will viel, will alles, will einen umgekehrten Bildungsroman schreiben (vom Bildungsbürger zum Teufelsanbeter) und dem abgehalfterten Westen eine archaische Religiosität entgegenstellen. Doch im Durcheinanderwogen all der Bettler, Schutzheiligen, Teufelspriester und Huren zeichnen sich kaum Persönlichkeiten ab, bleibt der Protagonist seltsam blass und die Kritik am Westen oberflächlich: „Nie wieder Franzbrötchen, nie wieder Feuilletonüberschriften und heimlich Kalorien zählen." Politycki erzählt in einer fein gedrechselten Sprache, die stets ironisch gebrochen bleibt. Und eben diese Kunstfertigkeit wird zum Problem: Der Held verfällt zunehmend dem Irrationalen, dem Rausch - der Erzählstil aber bleibt gediegen. So scheitert dieses üppige Buch, aber es scheitert grandios. Und das ist mehr, als man von all der Befindlichkeitsliteratur hierzulande sagen kann. (arm)

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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen ¡Tú sabes!, 10. Juli 2008
Von K. Hammer (Hamburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Diese Rezension stammt von: Herr der Hörner: Roman (Taschenbuch)
tolles buch! tolle sprache! habe am ende eines laengeren Cuba urlaubes angefangen zu lesen, und es dann innerhalb von zwei wochen "verschlungen"... das ende des buches war so spannend, dass ich nur mit "licht an" schlafen konnte...

"¡Coño, tú sabes!" sagte ein anhaenger des Palo Monte (den ich durch zufall in Trinidad kennenlernte) nur, als ich ihm verschiedene der rituale beschrieb... das buch habe ich ihm dann geschenkt, da er die zeichnungen und das glossary sehr informativ fand...

die darstellung von Cuba im allgemeinen und Santiago im besonderen sind sehr sehr zutreffend...auch jetzt, 2008.

P.S.: auch als vorbereitungslektuere fuer einen Cuba trip sehr zu empfehlen.
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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen steckengeblieben, 26. Juli 2006
Von C. Zöller - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Dieses Buch stellt mich vor ein Rätsel: Ich habe wie hypnotisiert angefangen zu lesen, völlig gebannt von der Geschichte, der ungeschönten Beschreibung Cubas, den Charakteren und nicht zuletzt Polityckis Sprache. Im Rausch der Begeisterung habe ich allen erzählt, wie toll das Buch sei. Und irgendwann, ich weiß gar nicht wann und warum, blieb ich in diesem Wälzer stecken. Es wollte einfach nicht weitergehen. Tapfer las ich nach und nach Seite um Seite, doch der Lesefluss wollte sich nicht wieder einstellen. Voller Entkräftung stellte ich gestern fest, dass ich nicht einmal die Hälfte erreicht hatte. Und schlimmer, dass mich gar nicht mehr interessiert, wie es mit Broder Broschkus weitergeht. Woran liegt es? An der eleganten Sprache, die mitunter nervig gestelzt ist? An den widerlich detailliert geschilderten Kampf- und Schlachtszenen? An der doch sehr unsympathischen Person Broschkus'? An seiner endlosen Suche nach..., was eigentlich? Keine Ahnung. Ich befürchte bloß, dass ich das Ende dieses (bestimmt tollen) Buches nie erfahren werde, da ich mir als Urlaubsleküre nun etwas Leichteres gönnen werde. Ich bin gespannt, ob es auch anderen wie mir erging...
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen Von nunan gings bergab, 4. Juni 2009
Diese Rezension stammt von: Herr der Hörner: Roman (Taschenbuch)
Was für ein fulminanter Start! Politycki legt los, als wollte er sich für den Nobelpreis empfehlen: Mühelos gelingt ein pfiffiger Einstieg in die Story - ein Hauch von kubanischer schwarzer Magie trifft auf den etwas spießig wirkenden deutschen Protagonisten, der ohnehin reif für eine leicht verspätete Midlife-Crisis erscheint. Er verliebt sich spontan in eine Frau, die er nur kurz gesehen hatte. Sofort setzt er alles daran, diese Frau wieder zu finden, die von Geheimnissen und einer magischen Aura umgeben scheint. Überzeugende Figuren, ein schnell und raffiniert aufgebauter Spannungsbogen und noch dazu eine bildreiche, innovative Sprache. Wortgewaltig, mit faszinierenden Sprachbildern.

Aber dann! Schon nach etwa fünfzig (von 800!) Seiten beschlich mich ein Anflug von Sorge: Der wird doch nicht schon sein ganzes Pulver verschossen haben? Irgendwie verlor sich die Spannung ein wenig, die Sprache flachte ab, die Faszination der ersten Seiten war dahin.

Aus der Sorge wurde erst schrittweise Ungeduld: Jetzt muss doch wieder einmal etwas kommen! Dann Langeweile: Mach endlich voran, Politycki! Und am Ende Ärger: Warum habe ich das bis zum Schluss durchgestanden? Eigentlich hätte ich mir doch schon auf Seite 200 denken können, dass da nichts mehr kommt. Denn es kam bis zum bitteren Ende wirklich nichts mehr!

Um konkreter zu werden: Am Anfang bezieht das Buch seine Spannung aus rätselhaften düsteren Andeutungen aus Anspielungen auf die schwarze Magie und die Santeria, eine die in Kuba verbreitete afroamerikanische Religion, die katholische Elemente mit polytheistischen volkstümlicheren Elementen vermengt. Am Ende besteht das Buch fast nur noch aus sich geradezu quälend wiederholenden und unnötig detailreichen Beschreibungen, wie diese Religion angeblich praktiziert wird und wie sich der Protagonist schrittweise initiieren lässt. Der einzige Spannungsmoment bleibt dabei: Hilft die Santeria ihm, die gesuchte Frau zu finden, oder war die Frau nur ein Trugbild, das ihn in die Santeria ziehen soll, und bleibt er am Ende als Opfer der schwarzen Magie auf der Strecke.

Das ist viel zu dürftig, um 750 Seiten zu füllen. Dass dem Autoren zugleich die sprachliche Kraft ausgeht, erhöht die gähnende Langeweile noch.

Dennoch: Sollte Politycki es einmal schaffen, das Niveau der ersten Seiten über einen ganzen Roman durchzuhalten, wäre es wahrscheinlich sehr großes literarisches Kino!
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