Aus akutem Lesemangel lieh ich mir dieses Buch in unserer Schulbibliothek aus, obwohl es unter dem Regal der „Kinder und Jugendbücher" ausgestellt war.
Schon das Gedicht auf der ersten Seite dieses Buches hat mich verzaubert. Ich fand es so schön, dass ich es mir herausgeschrieben , eingerahmt und in mein Zimmer aufgehängt habe!
Das Gedicht handelt - wie natürlich auch die restliche Geschichte des Buches - von einem sehr heikleren Thema: Dem Erwachsenwerden.
Die zwei Geschwister Prosper und Bo sind nach dem Tod ihrer Mutter von Zuhause abgehauen, weil ihre Tante nur Bo aufnehmen möchte, weil er noch ein süßes kleines Kind ist. Prosper dagegen soll ins Internat. Da die beiden aber nicht getrennt werden wollen, flüchten sie nach Venedig, der Stadt, von der ihrer Mutter ihnen immer vorgeschwärmt hatte.
Sie finden Anschluss bei einer Bande von Kindern, deren Anführer der „Herr der Diebe" ,wie er sich selbst nennt, ist. Scipio, wie der Herr der Diebe wirklich heißt, ist selbst noch ein Kind, sichert jedoch das Leben der ganzen Bande (bestehend aus 5 Kindern) durch geschickte Raubzüge, bei denen er wertvolle Dinge stiehlt ,die die ganze Truppe dann weiterverkauft. Sein Ruf als Meisterdieb eilt ihm voraus und schließlich bekommt er einen sehr heiklen Auftrag, welcher am Schluss das Geheimnis von Scipios Fähigkeiten als Meisterdieb aufdeckt und Scipios Leben vollkommend verändert, denn sein größter Wunsch wird wahr: Er ist erwachsen!
Wie oft hört man Kinder sagen: Ich möchte endlich erwachsen sein, dann werde ich... . Und wie oft antworten die Erwachsenen dann: Ach, könnt ich doch noch einmal so jung sein wie du! Genau dies ist die Thematik, die Cornelia Funke in ihrem Buch verarbeitet: Auf der einen Seite stehen die Kinder, die es satt haben, von den Erwachsenen bevormundet zu werden, die ihr eigenes Leben führen wollen. Auf der anderen Seite sind die Erwachsenen, die am Ende des Buches wieder zu Kindern werden und dann erst merken, wie schwer es Kinder manchmal auf der Welt haben, weil sie (fast) nie ernstgenommen werde...
Dieses Buch hat mich zum Nachdenken angeregt, wie kein anderes zuvor. Ich bin mit meinen 18 Jahren gerade im Prozess zwischen Kindsein und Erwachsenwerden und war früher immer tödlichst beleidigt, wenn man mich noch ein Kind nannte. Nach diesem Buch bin ich mir jedoch nicht mehr ganz so sicher, ob ich jemals Erwachsen werden will.. denn ist es nicht eigentlich wunderschön, ein Kind zu sein?
Doch im Endeffekt möchte jeder immer das haben, was er nicht haben kann, jedoch das Leben zu akzeptieren, wie es ist, macht einen am allerglücklichsten. Dies ist meiner Meinung nach die Aussage dieses wunderbaren Buches!
Ich liebe den Schreibstil von Cornelia Funke und ich liebe dieses Buch. Jeder kann es lesen, egal ob Jung oder Alt, es ist zum Vorlesen und Selberlesen, zum Verschenken und zum Träumen. Außerdem sehr empfehlenswert ist das Buch „Drachenreiter" von Cornelia Funke.
Nach dem Lesen dieses Buch habe ich ein Stück meiner eigenen Kindheit wiederentdeckt und ich wünsche mir, dass noch viele andere Menschen dieses Buch lesen und es ihnen genauso ergehen wird wie mir!