Ich bin recht spät auf Heroes gestoßen. Da ich jahrelanger Comic-Leser war/bin und sowohl DC (Superman, Batman, etc.) als auch Marvel (Spiderman, Hulk, etc.) zu schätzen weiß, war ich sehr sehr sehr skeptisch, als ich von dieser neuen Serie hörte, die abermals das Superhelden-Thema aufgegriffen hat. Außerdem war ich schon immer enttäuscht von den Superhelden-Serienformaten. Lois & Clark? Lustiges, nicht Ernst zu nehmendes 90er Popcorn. Smallville? Nach 5 Folgen konnte ich diesen Seifenopern-Verschnitt nicht mehr ertragen. Birds of Prey? Etwas schlechteres habe ich selten gesehen.
Deswegen habe ich mich innerlich geweigert, mir Heroes zuzulegen, gleichgültig wer mir wie oft erzählte, wie geil die Serie sei. Und dann habe ich sie doch geschenkt bekommen, die erste, grandiose Staffel.
Ich war bei Season 1 hin und weg, musste die komplette Staffel in wenigen Tagen aufsaugen, habe Heroes auf meinem persönlichen Serien-Sieger-Treppchen direkt hinter Lost und SixFeetUnder gestellt, TROTZ mancher Logiklücken. Natürlich wurde dreist von den oben genannten Comics geklaut, aber das so gut und in einem eigenen Kontext, dass ich die Serie nur verehren konnte.
Dann kam Staffel 2, die von vielen als riesiger Schandfleck der Serie gesehen wird und auch viele Zuschauer kostete. Ja, Staffel 2 war nicht so gut wie Staffel 1. Ja, sie war (auch wegen dem Autorenstreik) sehr gestrafft und zeigte wieder etliche Logikfehler, nur offensichtlicher. Ja, der Charme von Staffel war etwas verloren gegangen. Dennoch fand ich auch diese Staffel gelungen. Zwei Erzählstränge, eigener Stil, nette Ideen, gute neue Charaktere (auch schlechte, wie z.B. Mikas Cousine, die in Staffel 3 spurlos verschwunden ist oO).
Doch jetzt zur eigentlichen Rezension der 3. Staffel ^^ :
Meiner Meinung nach, die schwächste der 3 Staffeln. So viel verschenktes Potential. So viel schlecht kopierte Wiederholungen. So viel miese Charakterentwicklungen. Ich bin enttäuscht.
Um was es in der Staffel hauptsächlich geht, ist hier schon etliche Male geschrieben und da ich hier für Staffel 3.2 rezensiere schreibe ich grob: Supermenschen sollen im großen Stil von der Regierung verfolgt werden. Wer auf welcher Seite ist, bleibt oftmals unklar, etc. pp.
Zwei Sterne bekommt diese Staffel von mir hauptsächlich wegen der miesen Charakterentwicklung. Hier bei fallen ganz klar Soresh (Wissenschaftler) und Nathan (fliegender Typ) auf, beide mit dem gleichen Problem: enorme, nicht nachzuvollziehende, ans stupide grenzende Unentschlossenheit und Meinungsänderung. Mehrfach. Ich konnte einfach nicht glauben, wie schlecht diese von mir vorher sehr respektierten und gemochten Charaktere sich entwickelten.
Schade finde ich zudem, dass zwei exzellente 'Hauptschurken' einfach mit minimalem Aufwand/Getöse vernichtet werden. Eingeführt in Staffel 3 wurde Peters & Nathans Vater, ein sehr mächtiger, wenn nicht sogar DER Mächtigste Supermensch und ein grandioser Bösewicht, wie ich finde. Er tritt in gefühlten 4 Folgen auf, wonach er dann mal schnell getötet wird. Aha. Ein kleines Comeback feierte auch der von Hiro am Ende von Staffel 2 weggesperrte 'Samurai' (Name entfallen), der meines Erachtens ebenfalls einen sehr guten Schurken abgibt.. Für eine Folge. Dann? Tot.
Dann die Kräfte: Hiros Freund bekommt diese Blitzfähigkeit, von der Anfangs gesprochen wird, dass diese die Kräfte anderer verstärkt. Was auch funktioniert. Später lernt er, diese Blitze auch zu schießen und als Waffe zu nutzen. NUR: seitdem er die Blitze wild umherschießt nutzt er die Verstärkungsfähigkeit absolut nicht mehr, obwohl sie so oft gebraucht würde, es wird nicht mal darüber gesprochen, dass dies doch eine Option wäre. Verstärker mal schnell durch Attacke ersetzt. Aha.
Nochmal Kräfte: ein mysteriöser Afrikaner, der die Zukunft malt, lässt Hiro und später Parkman eine selbstgemixte Paste essen, worauf beide in die Zukunft sehen können. Parkman behält diese Fähigkeit sogar bis zu Letzt. Aha. Das mit den Superkräften hat also nicht nur mit Genetik und Sonnenwenden, sondern auch mit Pasten, hergestellt aus Coyoten-Kot, zu tun. Nun gut.
Außerdem völlig unnötig/nervig:
Coyote Sands (Militärbasis, auf der vor etlichen Jahren erste Tests mit Supermenschen ausgeführt wurden. Lange und dramatisch eingeführt, aber eigentlich völlig unnötig und langweilig).
Die Wetterfrau (Lang verschollene, für tot gehaltene Schwester von Nathans & Peters Mutter. Wird sicherlich in Staffel 4 noch eine Rolle spielen, nervt aber jetzt schon gewaltig mit Klischee-Behafteter Psychose und irrem Blick in heruntergekommenem Outfit. Gähn)
Stichwort Wetterfrau: Sicherlich wurden immer schon Comics als Vorlage genommen. In Staffel 3 allerdings meines Erachtens ZU dreist:
Wetterfrau? Keine Storm/X-Men Kopie? Nein. Wenn bald noch ein Supermensch kommt, der Krallen ausfährt und Selbstheilungskräfte hat, beende ich das Serienerlebnis sofort.
Eine super-schnell rennende Frau, immer rotes Outfit, blonde Haare, gleich zu Beginn fragend 'Bist du ein Speedster?!' (erinnert zu stark an Flash...zudem ist Speedster ein 'Fachbegriff' aus Comics...bei Heroes gibt es allerdings keinen Grund sofort mehrere Speedster, also Renn-Menschen, zu vermuten)
Aber die Comic-Verlage stören sich anscheinend nicht daran. Besonders Marvel scheint irgendwie an Heroes beteiligt zu sein. Es tauchen zwei verschiedene Comic-Läden auf, beide bis über beide Ohren gefüllt mit ausschließlich Marvel Comics und Aufstellern. In einer Folge wundert sich Hiro, welcher denkt, er wäre 9 Jahre alt, über den roten Hulk und die Demaskierung von Spider-Man.
So. Ich weiß, ich bin pingelig, aber meines Erachtens hat Heroes stark an Glaubwürdigkeit eingebüßt wenn man das Gesamtbild 'Staffel 3' betrachtet. Ideenlosigkeit, schlechte Dialoge, miese Charakterentwicklungen. Ich gebe Heroes noch eine Chance mit Staffel 4.1. Und wenn sich nicht viel ändert, ist Sense.