Eine geniale Idee: Um sich und ihren Wissensdurst vor der Inquisition zu schützen, verbergen die Mystiker des Westens, wie Albertus Magnus ihre Philosphie und ihre "Magie" hinter prächemischen Anweisungen. Das taten sie so geschickt, das selbst heute noch geglaubt wird, die Alchemie sei eine primitive Vorform der chemischen Wissenschaften. Diese Annahme ist falsch. Evola zeigt auf, das die Alchemie ein ganzheitliches System voller Mysterienwissen ist, mit dessen Hilfe die Freiheit der Seele wiedererlangt werden kann. Zudem hat der Autor das Wissen zu vergleichen. Er zieht östliche und westliche Lehren heran und zeigt an ihnen, das gemeinsame "mystische Grundwissen" verschiedener Kulturkreise. Evola wertet nicht, er zieht Schlüsse und überläßt dem Leser eine Wertung. Obwohl der Verdienst groß ist, den Evola mit dem Herauslösen der Alchemie aus ihrem Schattendasein als vorchemisches Herumgaukeln erworben hat, so macht dies jedoch zu unverständlich. Im Buchtitel stellt er den Anspruch, die Symbolsprache der "Magier" zu entschlüsseln. Dabei setzt er allerdings zu viel Wissen voraus. Der heutige Mensch denkt anders als der im Mittelalter lebende. Das Umstellen auf symbolisches Denken allein fällt schon schwer genug. Wie aber soll dies gelingen, wenn Evola den Saturn/Kronos als Beispiel anführt ohne seine Stellung in der Mythenwelt und damit das "Bild dahinter" zu klären? Aus "Die hermetische Tradition" hätte Julius Evola besser zwei Bücher machen sollen, eines für Anfänger und ein darauf aufbauendes für Fortgeschrittene.