Ein wunderbarer Bildband, auch für jene, die die Ausstellung "Haare" nicht gesehen haben.
Technisch perfekt, ohne Makel. Bild für Bild wird großes fotografisches Können und die Bedeutung unserer Haare belegt.
Ja, wir nehmen unsere Haar so wichtig!
Würden sie sonst laufend frisiert, gefärbt, gelockt, geglättet, rasiert, bedeckt, versteckt, entfernt, bemäkelt und kritisiert?
Oder auch imitiert, weil ihr Verlust eben als unerträglich erscheint?
Die Fotos sind oft distanziert, nüchtern, ruhig ohne jede Aufregung,
was für den nötigen Abstand und Konzentration sorgt.
Die grafische Ästhetik lädt aber zum genaueren Hinsehen ein, macht neugierig.
Hier wurde sehr genau hingesehen, die Fotos halten diesen Blick fest und dokumentieren.
Sie zeigen ein weites Spektrum an menschlicher Behaarung und Haar-Kultur.
Und das ohne jeden moralischen Zeigefinger.
Diese Bilder halten dem gar nicht so nackten Affen einen Spiegel vor,
sie sagen: Sieh her, hier sind Menschen, körperlich und seelisch. Und sie haben Haare, so wie Du!
Allein dies ist für einen Misanthropen wohl unerträglich, für Gaffer peinlich.
Doch an den Bildern ist nichts peinliches. Vielmehr haben sie etwas von Indikatoren:
Wer diese Bilder anstößig findet, hat wahrscheinlich Probleme mit seinem Körpergefühl.
Der Katalog ist fraglos ein lohnender Ersatz, für diejenigen, die die Ausstellung verpasst haben
und eine schöne Erinnerung für die, die sie sehen konnten.
Für Philanthropen und alle die, die noch an das Gute im Menschen glauben ein Genuss!