Der Autor studierte Sprachen der alten Welt und Theologie. Er ist als Referent und Bibellehrer in verschiedenen Ländern tätig gewesen. Er hat auch an Bibelübersetzungen mitgewirkt und schon etliche Bücher veröffentlicht. Seine spezifische Gelehrsamkeit prädestiniert ihn natürlich dazu ein solches Buch zu schreiben, denn was haben Bibel und Sprachforschung gemein? Ganz einfach, die Bibel erklärt die Entstehung der Sprachen aus dem Willen Gottes, aus einem Ur-Volk viele werden zu lassen. Sprachliche Trennung ist ja wie jeder weiß, das beste Mittel zur Trennung.
Laut Bibel und Evolutionstheorie stammen die Menschen von gemeinsamen Vorfahren ab. Es wäre deshalb nicht erstaunlich, wenn es einmal eine Ursprache gab. Natürlich werden die Sprachen im Lauf der Zeit durch den Gebrauch durch den Menschen verändert. Das ist aber keine Evolution durch Zufall sondern eine gesteuerte, gewollte Entwicklung, wenn zum Beispiel ein Volk aus einem anderen Sprachelemente übernimmt. Soziologische Evolutionen sind also grundlegend verschieden von der Evolution im Sinne Darwins. Liebi geht es aber weniger darum darzulegen, was selbstverständlich ist, Sprachen wurden vom Menschen weiterentwickelt. Sondern woher die Vielzahl der Sprachen kommt. Ist auch dafür der Mensch allein zuständig?
Liebi vertritt die biblische Version der Sprachentstehung durch die Geschichte vom Turmbau zu Babel. Wer jetzt aber denkt, Liebi ist ein Spinner, der wird sich wundern, mit welchen Argumenten der Autor diese These stützt. Er hat nämlich nicht rein theologische Gründe, er hat als Sprachforscher sehr viele Argumente dafür gefunden, dass die Evolutionstheorie, angewandt auf die Entstehung der Sprachen, nicht stimmen kann. Und das ist überlegenswert.
Als Beispiel sei die Tatsache genannt, dass die in früherer Zeit vermutete Primitivität der Sprachen primitiver Völker überhaupt nicht zutrifft, sondern das Gegenteil der Fall ist, wie Linguisten mittlerweile längst wissen. Auch die antiken Sprachen, die also dem Ereignis des biblischen Turmbaus von Babel zeitlich näher liegen, sind viel komplexer als die Sprachen heutzutage; und selbst die noch "lebenden" Sprachen haben einen Prozess der Vereinfachung durchgemacht. Dies alles entspricht den Beobachtungen, die man sonst in der Natur auch hat, dass mehr Arten sterben, als dass etwas Neues oder komplexeres dazu entsteht. Nicht Höherentwicklung ist beobachtbar, sondern ganz dem universellen Naturgesetz von der Entropie entsprechend ein zunehmender Zerfall, jedenfalls überall dort, wo nicht Energie gezielt eingesetzt wird. Die Annahme einer Entwicklung der Sprachen von primitiven Urlauten zu den komplexen Sprachgebilden ist nicht durch Beobachtungen oder Beweise zu untermauern. Aber natürlich bleibt die Entstehung der Sprachen, wenn man der Bibel nicht glaubt, ein Mysterium.
Als Beispiel dafür wie Liebi Linguistik mit Theologie verbindet: "Es ist damit zu rechnen, dass eine Sprache im Laufe ihrer Geschichte insbesondere in den Bereichen, die sich dem kreativen Bereich des Menschen entziehen (Formenlehre), Zerfallserscheinungen unterliegt, weil die Schöpfung gemäß Röm 8,20 durch den Sündenfall der Vergänglichkeit anheim gestellt worden ist." Wenn das stimmt, würde es bedeuten, dass gerade im Bereich der Grammatik eine Vereinfachung feststellbar sein müsste. Dies ist tatsächlich der Fall.
Liebi: "In den Bereichen wie Lexik, Syntax und Semantik ist auch mit einer Aufwärtsentwicklung zu rechnen, da der Mensch in diesen Sphären kreative veranlagt ist, und auf diese Weise dort dem Zerfallgesetz entgegen wirken kann." Er ist dort also selber "kreativ" tätig. Kreation ist aber das Gegenteil von Evolution!
Das Fazit des Autors: "Die linguistischen Tatsachen stehen den Erwartungen aus dem Evolutionsmodell völlig entgegen....Im Gegensatz dazu treffen die logischen Ableitungen aus den biblischen Mitteilungen bezüglich der ältesten Sprachen den Nagel auf den Kopf."
Auch wenn man sich dieser Auffassung nicht anschließen sollte, ist dies auf jeden Fall ein hochinteressantes und lehrreiches Buch. Man erfährt nebenbei sehr viel über Sprachen.