Es ist bekannt, dass Meister Mike schon länger darüber sprach bzw. auch schrieb (u.a. in seiner Autobiographie), TB neu zu mischen, weil die (fehlende) Qualität des Originals ihn noch heute störe und er der schon für damalige Verhältnisse nicht optimalen Abmischung und dem Sound der Instrumente den Glanz verleihen wollte, den es verdient. So schliesslich geschehen 2009 ' und TB war neugeboren. Nun haben wir 2010 und man staune - und höre: Gleiches gilt (Gott sei dank!) ebenso für Oldfields weitere Frühwerkklassiker Hergest Ridge und Ommadawn - den zwei Alben, die m.M.n. noch besser als TB sind und eine Tiefe haben, die in der gesamten Musikkultur ihresgleichen sucht! HG und Ommadawn sind jetzt in sehr ansprechenden und klanglich hervorragenden Remix-Alben herausgekommen - ich selbst favorisiere die Deluxe-Version, da sie teilw. quasi-verschollen geglaubte Raritäten-Demos, sowie ebenfalls ge-remixte Neuversionen einiger Folkstücke, die bereits auf "Boxed" erschienen sind, beinhalten. Es ist ein Segen, dass heute noch 1. die Originalspuren, 2. die moderne digitale Technik und 3. genügend Zeit und Liebe des Künstlers zu seinem eigenen Frühwerk vorhanden ist, damit nun die "Nachwelt" diese einzigartigen Musikstücke in neuem Kleid, aber originalem Inhalt, erleben kann.
Besonders Hergest Ridge illustriert die gleichnamige Landschaft, in der es entstanden ist, auf eine tiefe und authentische Art, die den Zuhörer tatsächlich auf diesen englischen Hügel entführt und ihn den Wind und die Mythen dieser Landschaft spüren lässt.
Anfangs habe ich - der seit seiner Jugend mit Hergest Ridge und Ommadawn aufgewachsen ist und tiefe Jugenderinnerungen mit dieser Musik verbindet - zugegeben ein wenig Befremden gespürt ob der Über-Klarheit der geremixten Spuren und Instrumente - aber ich denke, sowas ist allzu verständlich bei solchen Dingen, die fast schon zu einem Teil meines Selbstes wurden in all den Jahren... Erst dachte ich, dass mich das stören würde und ich die alte, stumpfe Version in alle Ewigkeit als 'einzig wahre' empfinden würde ' aber die Remixe, plus die Aufmachung der Deluxe-Versionen, sind so gut, dass dies Gott sei Dank nicht der Fall ist und hier auch eine echte 'Neugeburt' stattfinden konnte... - die sich der Meister selbst sicher auch genau so gewünscht hat...
Auch teile ich nicht die Meinung, dass MO hiermit Geld machen wollte ' verkaufte sich doch sein Grammy-Album 'Music oft he Spheres' nach langer Zeit mäßiger Verkäufe seiner vorherigen Alben wieder hervorragend und dürfte ihm wieder einen Batzen Bares in seine Kassen auf seinem derzeitigen Wohnsitz auf den Bahamas gespült haben...
Und ob man Geldmachenwollen der Plattenfirma vorwerfen kann, weiss ich auch nicht so recht ' bzw. halt frei nach dem Motto 'wer heute nicht mit irgendwas Geld machen will, werfe den ersten Stein'... Für meinen Geschmack ist diese Art, Geld zu machen, vielen anderen ja doch vorzuziehen, denn sie hat eine echte Renaissance fantastischer Musik ermöglicht.
Ein kleines Manko, das mich als Musikproduzenten, der ganz ähnliche Musik macht, stört, sei aber nun doch noch erwähnt: Bei einigen Stellen hört man, wie Mike mit der virtuellen Cubase- (bzw. er benutzt sicher Logic oder Pro Tools)-Schere herumgespielt hat und einige Instrumentenspuren zu sehr zerstückelt hat - bei HG z.B. die ursprünglich schönen voll klingenden geschlagenen akustischen Gitarren gegen Ende des 1. Teils. Da ist wohl in der karibischen Sonne ein wenig der Technik-Junkie mit ihm durchgegangen... denn die paar Stellen klingen jetzt nicht mehr so dolle. Gleiches gilt für einige Spuren von nicht sehr gut eingespielten e-Gitarren oder Mandolinen an anderen Stellen, die einfach nicht so gut klingen. Auch das (für mich) Highlight von HG ' das sanfte Gitarren-Oboe-Stück ' ist ein wenig verfremdet und deutlich leiser abgemischt. Allerdings wurde es wiederum dafür auch 'gestreckt' ' also es ist jetzt quasi länger als im Original ' was es dann wieder 'wettmacht'...
Ich erkläre mir jedenfalls diese vereinzelten Einstreuungen qualitativ nicht ganz so ans sonstige musikalische Umfeld heranreichender fremder Original-Spuren so, dass Mike hier auch ein Stückweit bewusst das so wollte, weil er - wie ein Führer in einem Museum - seinen Fans zeigen wollte, welche Takes es damals denn noch so alles gab (die dann nicht den Weg in die Originalversion gefunden haben)... quasi ein kleines bisschen wie ein Kuriosenkabinett.
Trotzdem volle 5 Punkte fürs Ganze! Der Gesamtgenuss wird dadurch nicht getrübt.
Auf die Surroundversion bin ich gespannt! Werde mir wohl extra dafür 5.1-Boxen zulegen...
Von mir natürlich dennoch vollste Kaufempfehlung!!! Gleiches gilt für Ommadawn! Und wer weiss 'vielleicht auch 2011 für Incantations...??