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Der Berliner Cartoonist Gerhard Seyfried hat sich für sein Romandebüt mit diesem historischen Stoff keines einfachen Themas angenommen. Leicht hätte er sich daran verheben können. Hat er aber nicht! Mit unerhörter Akribie hat er sich den Gang der Ereignisse erschlossen und in eine -- zudem ungemein spannende -- Geschichte verwoben. In deren Zentrum steht die fiktive Figur des Kartografen Carl Ettmann, der im Jahr 1903 eine Anstellung im Kaiserlichen Vermessungsamt in Windhoek antritt. Als der Aufstand losbricht, wird Ettmann zum Militär eingezogen, und wir erleben mit ihm das Jahr 1904, das Seyfried chronologisch, Tag für Tag aufgerollt hat. Und dabei hat er der historischen Faktizität im Zweifel den Vorrang vor der Fantasie des Romanciers gegeben. Trotzdem oder gerade deswegen ist dabei alles andere als ein Historienschinken herausgekommen. 600 Seiten, die die Lektüre wirklich lohnen! --Andreas Vierecke
Aus dem Trubel des wilhelminischen Berlin verschlägt es im Jahre 1903 den jungen Karthographen Carl Ettmann in eine trostlose Küstenstadt in der deutschen Kolonie Südwestafrika. Dort trifft er auf die abenteuerlustige Photographin Cecilie Orenstein. Als die beiden gemeinsam weiterreisen wollen, bricht überraschend der Aufstand der Herero los. Während Ettmann als Teil einer eilig zusammengewürfelten Truppe den belagerten Deutschen in Okahandija zur Hilfe eilt, wagt sich Cecilie gemeinsam mit einem Pfarrer in das umkämpfte Gebiet, um einen Häuptling der Herero von der Teilnahme an dem Aufstand abzuhalten. Schon bald muß sie erkennen, wie leichtsinnig ihr Entschluß gewesen ist ...
In seinem sprachlich furiosen Roman greift Gerhard Seyfried ein verdrängtes Kapitel deutscher Geschichte auf. Mit großer Überzeugungskraft gibt er einem lebensfeindlichen Land von grandioser Schönheit, den Weißen und den Herero eine Sprache und formt eines der dunkelsten Kapitel deutscher Kolonialgeschichte zu einem beeindruckenden Stück Literatur.
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Unglaublich gut recherchiert!,
Von
Rezension bezieht sich auf: Herero (Gebundene Ausgabe)
Ich habe dieses Buch für meine Zwischenprüfung über Deutsch-Südwestafrika gelesen und muss sagen, es bietet unglaublich viel Hintergrundinfo. In den wenigsten Fachbüchern findet man soviel über die Lebensweise der Einheimischen Afrikas. Dazu bietet das Buch eine interessante und fesselde Rahmenhandlung, die exakt den militärisch wichtigen Zeitraum des Herero-Aufstandes 1904 umfasst. Es ist leicht und verständlich geschrieben, lässt sich zügig lesen. Es ist ein Muss für jeden historisch an dieser Epoche interessierten Leser!
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Lesenswert,
Von
Rezension bezieht sich auf: Herero (Gebundene Ausgabe)
Wer Gerhard Seyfried noch aus den siebziger Jahren als Anarcho-Karikaturist kennt, ist überrascht, so ein Buch von ihm zu lesen. Seyfried ist kein großer Literat, aber er tut auch nicht so, als wäre er einer - und gerade so, weil er sich stilistisch zurückhält, bekommt sein Buch durchaus auch literarische Qualitäten. Man merkt, daß er eine Menge von Material in einen Roman bringen wollte, vielleicht zu viel. Aber wenn der Leser sich in der Fülle von Ortsnamen, die alle mit O beginnen, zu verlieren droht, spürt er auch etwas von der Verwirrung, mit der die Kolonialherren den afrikanischen Realitäten gegenüberstanden. Seyfried ist auch kein Historiker. Wahrscheinlich könnte man in dem Buch eine Menge Ungenauigkeiten und Fehler entdecken. Bei so einem Unterfangen kann es kaum anders sein. Sein großes Verdienst ist es, daß er nicht einfach Klischees aus unserer Zeit ausbreitet, sondern differenziert, sowohl was die Deutschen als auch was die Afrikaner angeht. Die deutsche Perspektive herrscht in dem Buch vor, was kein Fehler ist, denn das Buch ist von einem Deutschen für deutsche Leser geschrieben. Seyfried nimmt uns Leser mit auf eine spannende Zeitreise. Er erspart uns die schlimmsten Grausamkeiten; dafür zeigt er, wie sich Kolonialismus und Rassismus in den Köpfen festgesetzt hatten, so daß eigentlich ganz normale Leute "den Neger" nicht wirklich als Menschen ansahen - wobei der Autor keinen Zweifel daran läßt, wie sehr er diese Haltung verurteilt. Nur schreibt er eben kein (um hundert Jahre verspätetes) "J'accuse!", sondern konfrontiert den Leser mit der Frage: Wie hättest du damals gedacht und gehandelt?
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Südwester Verhältnisse,
Von timediver® "www.timediver.de" (Oberursel/Taunus, Europe) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 100 REZENSENT) (HALL OF FAME REZENSENT)
Rezension bezieht sich auf: Herero (Broschiert)
"Der Trutzschuppen der Schutztruppen"
(Fort François im Volksmund) Als erster historischer Roman des in Berlin lebenden Comiczeichners und Karikaturisten Gerhard Seyfried wurde "Herero" in seiner gebundenen, 607seitigen Originalausgabe bereits im Jahre 2003 vom Eichborn Verlag veröffentlicht. Das vier Jahre später im Aufbau Taschenbuch Verlag erschienene Softcover weist mit 640 zwar mehr Seiten vor, lässt jedoch die zahlreichen Zeichnungen Seyfrieds und Schwarzweißfotos des Originals, sowie drei Landkarten vermissen. Dies ist ausgesprochen schade, weil die Zeichnungen (Lokomotive, Bahnstrecke, "Faule Grete"), Fotos (Lokomobil, Pontok, Termitenhügel, Artillerie, Ochsengespann) für eine Visualisierung des Geschehens und seiner räumlichen Dimension sorgen. Die Handlung des in vier Teile gegliederten Romans setzt am 29.12.1903 ein und endet am 07. Oktober 1904. -76- mit originellen Überschriften versehene Kapitel, sind in Form einer Tageschronik in weitere, unterschiedlich lange Abschnitte untergliedert. Neben Hauptmann Viktor Franke (1866-1936), dem historisch-realen Handlungsträger, gibt es drei weitere, fiktive Protagonisten. Der verwitwete, zum Militärdienst in der Schutztruppe eingezogene Kartograph Carl Ettmann mit all seinen persönliche Zweifeln und Gewissenszwiespälten. Die Fotografin Cäcilie Orenstein und der Herero Petrus, der den Leser die Ereignisse aus der Sicht des unterdrückten Volkes der Kolonie sehen lässt. Daneben verhindert eine Vielzahl weiterer fiktiver und historischer Personen, dass die Handlung zu einer schlichten Schwarzweiß-Malerei gerät. So wird Oberst Theodor Gotthilf Leutwein (1849-1921), den eine persönliche Freundschaft mit dem Herero-Kapitän Samuel Maharero (1856-1923) verband, dem erbarmungslosen Lothar von Trotha (1848-1920), dessen Ernennung zum Kommandeur der deutschen Schutztruppe und Gouverneur von Deutsch-Südwestafrika bereits umstritten war, gegenüber gestellt. Während der spätere Pour le Merite-Träger Franke mit seiner Alkohol- und Morphiumsucht entmystifiziert wird, erfährt auch der spätere Kommandeur der Deutsch-Ostafrikanischen Schutztruppe, Hauptmann Paul Emil von Lettow-Vorbeck (1870-1964)eine kurze Erwähnung. Zu Beginn, sowie an späteren Stellen bekommt der Leser einen ethnologischen Über- und Einblick auf die mindestens sechs verschiedenen Völker deutsch Südwestafrikas und ihre verschiedenen Bezeichnungen. Hereros und Ovambos und Damaras (Bergdamas) sind Schwarze, die zu den Bantu gezählt, von den Kolonialherren als abwertend als "Kaffern" bezeichnet werden. Als älteste Einwohner sind die Damaras (auch Ambos oder "Klippkaffern") keine Hereros, da sie eine Sprache sprechen, die jener der Nama und San (Khoisan) ähnlich ist. Die als "Hottentotten" verunglimpften Nama, auch "Rote Nation" genannt, die als Orlam (auch Baster) bezeichneten Abkömmlinge burischer Vätern und Namamütter sind die Erzfeinde der Hereros, die sich seit einem halben Jahrhundert gegenseitig bekriegen und ausrauben Die hellhäutigen Nama und Orlam werden mit den kleinwüchsigen San (Khoi Khoi, auch "Buschmänner" oder "Pygmäen") als Khoisan bezeichnet. Der Roman wird seinem Titel durchaus gerecht, da er neben der Vorstellung verschiedener Herero-Stämme, wie die Otjimbingwe, Okahandja, Ostherero usw. und deren Käpitäne auch auf die Geschichte und den Ahnenkult dieses Volkes eingeht. Auch die Gruppierungen der Nama, allen voran Hendrik Witbooi werden erwähnt. Neben den historischen, Südwestafrika betreffenden Ereignissen wie den deutsch-portugiesischen Vertrag (1886), den Vertrag von Sansibar (1890) der zwar den Gewinn des "Caprivi-Zipfels", jedoch den Verlust der Walfischbai (des einzig brauchbaren Atlantikhafens) brachte, wartet der Plot mit weiteren weltgeschichtlichen Vorkommnissen auf, wie z. B. die Gräuel im belgischen Kongo, dem chinesischen Boxeraufstand und dem Zulukrieg von 1879. Außerdem wird die Bedeutung der Ortsbezeichnung Swapkomund mit seinem permanent versandenden Hafen erläutert. Eine Verschuldung durch Zinswucher, der Ausverkauf von Rindern und Land, sowie betrügerische Praktiken bei Verkaufsverhandlungen, bei denen die Afrikaner betrunken gemacht werden und eine englische Meile von 1523,986 Metern später als deutsche mit 7500 Metern ausgelegt werden wird, sind neben der oftmals herablassenden Art der "Kolonialherren" Gründe für den Aufstand. In der Heimat ergreifen trotz des nationalistischen "Hurra-Geschreis" lediglich die SPD und ihr Vorsitzende August Bebel, der das weiße Raubtier als Blutsauger bezeichnet, Partei für die ausgebeuteten Schwarzen. Seyfried schildert die von beiden Seiten begangene Gewalt und Gräuel. Hier die Überfälle auf deutsche Farmen und Mordbrennereien unter Verschonung von Frauen und Kindern, dort den Einsatz von Bajonetten, Krupp-Kanonen mit Kartätschenmunition und der Internierung von Frauen und Kindern. Ihren traurigen Höhepunkt erreicht die Handlung mit der Schlacht am Waterberg (11. und 12. August 1904)....... Die auf einer Fleißarbeit des Autors beruhende Detailvielfalt verleiht dem Geschehen besondere Reize, wenn z. B. von "Suppi" (=Branntwein), "Kamerunwetter", einem Bierpreis von 1,25 Mark gegenüber 20 Pfennig in der Heimat, oder von der Gemeinschaft der Kudu-Oruzo, deren Angehörige kein Fleisch ungehörnter Tiere essen dürfen, die Rede ist. Auch die Nennung von "Erbswurst" (einen Suppenextrakt, der noch heute erhältlich ist), antiquierten Tierbezeichnungen wie "Kamelopard" (Giraffe) oder das "Dagga-Rauchen" zählen hierzu. Die Menge der mit "O" beginnenden Begriffe, z. B. Omaruru (Berg) Okahandja (Distrikt), Otjozonjati (Berge), Okongawa (Rhinozerosplatz), Owikokorero, Onjati (Berge) Omurambo (Fluss), Ovikokero, Otjozazu (Missionshaus), Okowakuatjiwi (Relaisstation) können dem Autor nicht zur Last gelegt werden, sind sie doch authentisch. Mit seinen Protagonisten gelingt es Seyfried zudem Vermessungstechnik, Polychromoskopie und die Damenmode anno 1904 mit der Reformkleidung kontra "Sans Ventre-Linie" (mit beinahe knöchelfreien Röcken) und Buttrickschnittmuster vorzustellen. Zu den sprachlichen Stilmitteln zählen neben Dialogen, die mitunter in schwäbischem, schwizerduetschem, sächsischem, wienerischem, bayerischem berlinerischem und badensischen Dialekt geführt werden, gehören auch private Briefe und militärische Depeschen. Die jeweilige Sprache entspricht der damaligen Zeit. Hierzu gehört auch die rohe, militärische Wortwahl der wilhelminischen Zeit mit ihren abwertenden, rassistischen und menschenverachtenden Schimpfworten und Begriffen. Ebenso das "die" als einziger Artikel in Afrikaans. Von literarischer Bedeutung sind u. a. die Beschreibung eines Gewitters und ein farbenfrohe Stimmungsbild der Savanne. "Herero" endet mit einem Epilog über die weiteren Schicksale seiner fiktiven und historischen Akteure, einem alphabetischen Verzeichnis (Herero- und Nama-Worte, Südwester Sprachgebrauch, militärische Begriffe) und einem Inhaltsverzeichnis. Mit seinem Erstling ist Gerhard Seyfried ein durch und durch historischer Roman gelungen, der den interessierten Leser auf eine mögliche Fortsetzung, Vorschlagstitel "Nama" (über deren, bis 1908 währenden Aufstand) hoffen lässt..... 5 Amazonsterne. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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