Sogar während des Höhepunkts in den 70er Jahre gewann America im Soft-Rock nie einen Blumentopf, sie wurden von der Branche und den Kollegen stets verächtlich als "Weichspüler" verspottet. Obwohl sie den Soft-Rock von Crosby, Stills, Nash & Young genauso wie den Pop der Beatles draufhaben war America den Kritikern stets zu glatt, zu weich, zu nichtssagend. Nicht einmal Top-Ten-Hits wie "A Horse with no Name", "Tinman" oder "Ventura Highway" überzeugten die Branche, obwohl sie handwerklich und musikalisch durchaus als gelungen bezeichnet werden können. Die 80er und 90er Jahre boten für America Licht und Schatten. Während man einerseits immer wieder erfolglos mit dem Musikstil experimentierte waren die Live-Tourneen eher ein Erfolg.
Mit Adam Schlesinger (Fountain of Wayne) und James Iha (Smashin Pumpkin) fand die Band 2005 zwei Unterstützer des "Original-America-Sound", die alsbald das 16. Studioalbum produzierten. "Here & Now" kann getrost als Bewerbung für ein Comeback in der Szene gesehen werden. Schlesinger und Iha schafften es die Band wieder "back to the roots" zu führen. Schluss mit den Irrungen und Wirrungen im Synthesizergewaber oder komplizierten, am Ende doch nicht gelungenen Arrangements, nun geht es wieder frisch zur Sache. Man könnte meinen, es sei ein Album der 70er Jahre so original und unverbraucht kommen die Songs daher. Gerry Beckley und Dewey Bunnell sind immer noch die Handwerker die einen guten Job machen. Einfach, klar, melodiös, ruhig, klingen die Songs - warm, zurückhaltend und doch kraftvoll in Melodie und Harmonie kommt die Musik ins Ohr.
Mit diesem Album sollte es America gelingen sich wieder in der Szene zu etablieren und zwar nicht nur bei den alten Fans, die darauf Jahrzehnte gewartet haben.
Die zweite Cd ist wohl als sowas wie ein Bonus gedacht, ein "Best of Medley", alles Live und in bester Qualität, viel Spass.