Bereits den letzten beiden Alben des etwas in die Jahre gekommenen saxophonspielenden Dressman David Sanborn war es anzumerken: er fühlt sich in seiner angestammten Nische - dem leicht zugänglichen Instrumentral Funk Pop nicht mehr so richtig wohl. Klar, auch ein Sax-Mann will in Würde altern, vor allem einer von diesem Format, der als Sideman fast durchgängig die ganze große Pop-Klientel der 70er und 80er Jahre bedient hat, und genau da lag das Problem wenn er dann wieder eine seiner zahlreichen Solo-Platten veröffentlichte: es war eben ,nur' Pop mit Funk Einschlag, als Jazzer nahm ihn eigentlich niemand so richtig ernst, denn zu brav und zu eingängig hielt er sich bei seinen Solis an die Pop Harmonik. Perfekt war das, keine Frage, sein Handwerk wurde geschätzt, aber den dreckig solierenden Jazz-Club Jammer der mit seiner Musik die Frauen dazu brächte einen Strip hinzulegen, den traute ihm niemand zu.
Auf ,Time Again' waren dann schon so Stücke bei denen man aufhorchte. Funky zwar noch, aber vom Pop schon weit enfernt. ,Closer' war dann wieder purer Jazz doch das feeling fehlte hier noch ein wenig; auf ,Here & Gone' hat er es aber geschafft, denn: Sanborn hat natürlich immer noch seinen sehr sehr sauberen, exakten Ansatz bei jedem Ton den er bläst, aber hier steckt viel Gefühl und Leidenschaft drinnen. Bester Beweis dafür ist das Duell mit dem Gitarristen Derek Trucks (großartig übrigens), das Trucks nur ganz ganz knapp für sich eintscheiden kann. Das allerdings ist auch schon der einzige Auftritt eines Gastes der gegen den Gastgeber ausgeht. Clapton singt zwar bei ,I'm Gonna Move To The Outskirts Of Town', aber es ist Sanborn der mit diesem Stück allen zeigt wie nah Blues und Jazz - im Sinne Ray Charles' und Hank Crawfords - beieinander liegen. Und auch Joss Stone schafft es nicht auf 'I Believe To My Soul' übrzeugender zu wirken als Sanborn.
Das ist eine herrlich altmodische Platte die teilweise sogar mit klassischen Big Band Arrangements aufwartet, die sich aber immer dem Soul-Jazz Sound der 50er und 60er verschrieben hat und Sanborn könnte es mit dieser Platte tatsächlich gelingen, daß ihn auch Jazz Puristen nun endlich ernst nehmen, denn so intensiv, leidenschaftlich und vor allem - wirklich jazzig - war er noch nie.