Während des gesamten Lesevorgangs bemerkt man immer wieder die unmittelbare Faszination und Wertschätzung des Autors für die Herdenschutzhunde - vor allem den Kaukasischen Owtscharka - dabei bleibt Schoke aber immer wissenschaftlich fundiert und sachlich.
Das Buch gliedert sich in drei wesentliche Aspekte; zum Einen die "Eigenschaften, Fähigkeiten, Wesen und Verhalten" der Herdenschutzhunde, zum Anderen den zweiten Teil, der die Vorstellung der einzelnen Herdenschutzhundrassen umfasst und - schließlich - die "Auswahl, Ausbildung und Haltung eines Herdenschutzhundes".
Der erste Teil war dabei so interessant für mich wie die beiden letzteren. Im Ersteren geht der Autor auf zahlreiche, für das Verständnis wichtige Handlungsweisen und Begrifflichkeiten wie z. B. "Altruismus", "Drohverhalten" und natürlich auch das bekannte "Territoriale Schutzverhalten" durch Aufnahme in eigene Unterkapitel ein, bezieht sich dabei aber auch immer unmittelbar auf die Herdenschutzhunde und kritisiert nebenbei die so häufig fälschlicherweise verwendeten Begriffe für das Beschreiben einer Rasse, wie so genannte (angeborene) "Kinderliebe" und "Wesensfestigkeit". Zu Recht, derartige Verhaltensweisen (insbesondere die von manchen Autoren inflationär gebrauchte angebliche Kinderliebe) werden nicht vererbt, sie werden erlernt.
Im zweiten Teil werden die Herdenschutzhundrassen unter Berücksichtigung ihrer ursprünglichen Entstehung/Verbreitung weitestgehend charakterisiert, dabei betont Schoke aber immer wieder, diese Erfahrungen nicht zu verallgemeinern und fälschlicherweise auf alle HSH zu übertragen. Das ist natürlich nicht möglich. Die Sozialiserung ist offenkundigerweise maßgeblich an der Wesensentwicklung mitverantwortlich, bei Herdenschutzhunden ist eine umfassende Prägung in besonderen Maße unverzichtbar. Dabei werden nicht nur die von der FCI anerkannten Hunderassen beschrieben, sondern noch obendrein die eher etwas unpopulären HSHrassen, wie z. B. der Tornjak aus Kroatien oder der Karakatschan aus Bulgarien.
Der dritte Teil schließlich beschäftigt sich mit Fragestellungen der "Rudelhaltung", "der Herdenschutzhund als Familienhund" und der "züchterischen Auswahl", lässt aber wichtige Anmerkungen zur "Ausbildung" nicht außen vor und schildert auch sehr praktisch, wie z. B. der Tierarzt einen HSH behandeln sollte oder worauf das Tierheimpersonal bei Konfrontation achten muss.
Stereotypisierung liegt ihm fern, er vereinheitlicht nicht, sondern sieht im Hunde selbst immer wieder das Individuum, was er auch mehrfach betont. Das gefällt mir sehr gut. Eine gewisse Verallgemeinerung lässt sich aber natürlich nicht verhindern, sonst wäre ein Rassebuch an sich ja auch überflüssig.
Besser kann man es kaum machen, insgesamt ein großartiges Buch, fundiertes Fachwissen und vielseitige Erfahrungen in Verbindung mit einer tiefen Faszination für diese Hunde (jedoch zum Glück nicht pseudo-tiefsinnig). Die Investition lohnt sich mit Sicherheit für all jene, die Interesse an diesen tollen Hunden haben.